Raub, Einbruch, Vandalismus

Kripo live | 22.01.2012 | 19:50 Uhr : Kircheneinbrüche in und um Görlitz

Zerschlagene Fensterscheiben, zerstörte historische Bleiverglasungen, ein aufgebrochener Tresor - Spuren einer Einbruchserie, die seit einigen Wochen die Ermittler der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien beschäftigt. Fünf verschiedene Gotteshäuser in und um Görlitz wurden heimgesucht. Bislang gibt es nur ein Indiz für einen möglichen Zusammenhang der Taten: Bei allen Einbrüchen sind der oder die Täter durch das Fenster in die Kirchen eingedrungen.

Einer der Tatorte: die Dreifaltigkeits-Kirche am Klosterplatz
Einer der Tatorte: die Dreifaltigkeits-Kirche am Klosterplatz

Erstes Ziel der Einbrecher, kurz vor Weihnachten: die Adventgemeinde in Görlitz. Die Täter sind vermutlich vom Nachbargrundstück aus über die Mauer geklettert. Nachdem sie eine Scheibe der Kirche eingeschlagen haben, riegeln sie das Fenster auf und steigen ein. In einem Nebenraum versuchen sie, verschiedene Schränke zu öffnen. Das misslingt: Sie fliehen ohne Beute.

In den ersten Januarwochen müssen zwei weitere Gotteshäuser in Görlitz dran glauben: In der Adamskapelle des "Heiligen Grabes" zerstören die Täter ein historisches Fenster. Fündig werden sie jedoch auch hier nicht; der Opferstock wird jeden Abend geleert.

In der Nacht zum 12. Januar 2012 steigen die Diebe durch ein rückwärtiges Fenster in die Dreifaltigkeitskirche am Klosterplatz ein und hebeln eine Geldkassette auf. Der genaue Schaden kann noch nicht beziffert werden.

Bodenleuchter
Zwei verzierter Bodenleuchter aus Metall aus dem 17. Jh. verschwanden.

Doch auch die Kirchen außerhalb der Neißestadt sind vor Einbrüchen nicht sicher. In der kleinen Dorfkirche in Gersdorf schlagen die Diebe in der Nacht zwischen dem ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag zu: auch hier wieder Einstieg durch ein Fenster in die Sakristei; auch hier jedoch wieder kein Bargeld. Dafür verschwinden aus dem Kirchenschiff sechs historische Leuchter:

  • zwei verzierte Bodenleuchter aus dem 17. Jahrhundert, ca. 50 Zentimeter hoch, aus Metall,
  • zwei Altarleuchter aus Zinn oder Silber aus dem 18. Jahrhundert,
  • zwei dreiarmige Leuchter aus Silber, die den Altar nur zu festlichen Anlässen schmückten.

Kurze Zeit später, zwischen dem 28. und dem 30. Dezember 2011, und nur wenige Kilometer weiter brechen die Diebe in die Kirche in Schönau-Berzdorf ein. Wieder kommen sie durch das Fenster in die Sakristei, wo sie den Tresor mit den sakralen Gefäßen öffnen. Laut Sachverständigen muss das eine ganze Weile gedauert haben: Das äußere Schloss wurde nicht zerstört. Im Inneren des Tresors aber sind die Spuren rabiaterer Methoden deutlich sichtbar.

Taufkannen
Diese Taufkannen wurden gestohlen.

Die Diebe machen reichlich Beute: Taufkannen und Abendmahlskelche aus Silber, etwa 25 bis 30 Zentimeter hoch, Deckelkrüge aus Zinn, mehrere Hostien- und Opferteller. Die Gegenstände waren im Laufe der Jahrhunderte zumeist von Privatpersonen der Kirchgemeinde gestiftet worden und sind entsprechend graviert. Pfarrer und Ermittler hoffen, dass sie deshalb wiedererkannt werden, falls sie irgendwo auftauchen sollten.  Vor allem die Abendmahlskelche sind von großem kulturhistorischem Wert; der materielle Verlust lässt sich kaum beziffern. Er liegt vermutlich mindestens im fünfstelligen Bereich.

Das Diebesgut:

  • ein Abendmahlkelch aus Silber, Ende 17. Jahrhundert, etwa 27 cm hoch, mit üppigen silbernen Verzierungen belegt.
  • ein Abendmahlkelch mit kugeligem Knauf aus vergoldetem Silber, etwa 25 cm hoch, Ende 17. Jahrhundert,
  • zwei Taufkannen aus Silber, mit Gravuren verziert
  • zwei Zinnkrüge mit Deckel
  • eine silberne Hostiendose
  • zwei silberne Hostienteller
  • mehrere Opfertellern aus Zinn.

Die Beute hätte leicht in einen Rucksack gepasst. Der Abtransport könnte mit einem Fahrrad oder einem Auto geschehen sein.

  • Wer hat in der Nähe der Tatorte Görlitz, Schönau-Berzdorf und Gersdorf Beobachtungen gemacht, die im Zusammenhang mit den Einbrüchen stehen können?
  • Wo wurden die sakralen Gegenstände eventuell zum Verkauf angeboten?

Hinweise bitte an die Kripo Görlitz, Tel.: 03581 468224.

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2012, 20:39 Uhr

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