Kripo live | 16.10.2011 | 19:50 Uhr : Vandalen im "Klein-Erzgebirge" Oederan
Vandalismus geschieht manchmal aus Frust, hinterlässt aber am Ende garantiert Frust. In Oederan ist der Verein "Klein-Erzgebirge e.V." von solcher Zerstörungswut betroffen. Zahlreiche Miniaturobjekte wurden zerstört.
In der letzten Septembernacht des Jahres 2011 hat die Miniaturschau "Klein-Erzgebirge" in Oederan ungebetenen Besuch gehabt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Pforten der über 80 Jahre alten Ausstellung seit Stunden geschlossen. Die besagten Gäste hatten in jener Freitagnacht allerdings auch keinen romantischen Nachtrundgang im Sinn. In ihnen regierte lediglich der Drang zu zerstören. Als sie weg waren, blieb ein Schaden zurück, der zwischen 25.000 und 30.000 Euro liegt.
Die älteste Miniaturschauanlage der Welt wird von einem Verein getragen. Die Ausstellungsstücke sind über Jahrzehnte hinweg maßstabgerecht von Hand gefertigt worden – meist von Vereinsmitgliedern in ihrer Freizeit. Die Anlage grenzt an den Oederaner Stadtpark. Wahrscheinlich sind der oder die Täter hier über den Zaun gestiegen. Im historischen Teil der Miniaturschau begannen sie zu wüten. Über 25 Schauobjekte wurden angegriffen. Miniaturen wurden im Wasser versenkt, die Schienen einer kompletten Kleinbahnanlage herausgerissen und im Park verstreut.
Schwere Burg umgestoßen
Das fast 40 Jahre alte Modell der Burg Kriebstein wurde bei der nächtlichen Attacke übel zugerichtet. Für die Gäste der zu Ende gehenden Saison wurde das Model notdürftig wieder zusammengesteckt und mit ein paar Schrauben und Nägeln fixiert. Im Winter muss die Burg aber komplett neu gebaut werden. Die Täter hatten das zwischen 50 und 70 Kilogramm schwere Objekt umgestoßen. Der Turm fiel etwa eineinhalb Meter tief, Dachleisten lösten sich, die Dächer wurden komplett herausgebrochen. Die Täter hatten rohe Gewalt eingesetzt.
Die meisten angegriffenen Miniaturen sind unrettbar verloren und müssen komplett neu gebaut werden. Das betrifft vor allem Objekte, die ins Wasser geworfen wurden. Denn das Holz saugte sich mit Wasser voll und begann, sich aufzulösen und zu verwesen. Einzelne Teile und Verzierungen fielen ab oder hängen nur noch lose herum.
Flucht über Zaun und Treppe
Geflohen sind die Randalierer nach ihrem nächtlichen Parkbesuch vermutlich wieder über den Zaun und dann über eine Treppe in Richtung Stadt, in die ruhige Wohngegend rund um die Goethestraße. Als letzte Spur hinterließen sie eine zerschlagene Lokomotive der Parkeisenbahn. Die Polizei fand Zeugen, die zwischen 01:00 und 03:00 Uhr in der Tatnacht Stimmen gehört haben. Entweder waren das die Täter oder aber andere Zeugen, die bei den weiteren Ermittlungen behilflich sein können.
Die Polizei sieht zwei mögliche Motive für die Tat. Möglicherweise haben die Täter eine persönliche Beziehung zu einem bestimmten Objekt und ließen dann ihren negativen Gefühlen freien Lauf. Manchmal regieren aber eben nur blinde Zerstörungswut, Frustabbau und Aggressionen. Und das an Objekten, zu denen die Täter überhaupt keine persönliche Beziehung haben, die aber in diesem Moment gerade gelegen kommen. Viele Vereinsmitglieder haben nach der Tat freiwillig angepackt, um die Spuren besagter Nacht so schnell wie möglich zu beseitigen. Für die Wintermonate bleibt aber noch viel Arbeit.
- Wer hat in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 2011 etwas beobachtet, das mit der Straftat in Zusammenhang stehen könnten?
- Wer kennt Personen, die sich möglicherweise gegenüber anderen mit der Tat gebrüstet haben?
