Kultur

Der Zoo – Arche oder Gefängnis?

Autor: Stefan Schwarz

Die Empörung ist groß, als in der letzten Woche im Kopenhagener Zoo eine Giraffe mit einem Bolzenschuss-Apparat getötet und öffentlich an Löwen verfüttert wird. Über 130.000 Menschen aus ganz Europa haben eine Online-Petition zur Schließung des Zoos unterzeichnet, vor dem Zoo gibt es Proteste, Zoodirektor Bengt Holst erhält Morddrohungen. Obwohl er sich auf das europäische Regelwerk beruft, in dem es heißt, dass Tiere bei fehlender vertretbarer Lebensqualität kurz und schmerzlos getötet werden sollen, ist der Schritt für viele nicht nachvollziehbar.

Eine Giraffe beschnuppert eine andere im Giraffenhaus eines Zoos.
Gibt es auch: Glückliche Giraffen im Zoo.

Was in der freien Wildbahn alltäglich sein mag und als Naturgesetz gilt, wirft unter den von Menschen betreuten und arrangierten Lebensbedingungen eines Zoos grundlegende Fragen auf. Was ist überhaupt artgerechte Tierhaltung? Und: Warum gibt es Zoos? Sind sie nicht ein grausames Relikt aus alten Zeiten? Zoo-Befürworter argumentieren, dass bedrohte Tierarten nur im Schutz des Zoos überleben könnten, dass sinnvolle Züchtung und Forschung damit erst möglich seien. Zoos sind für sie eine Art Arche, außerdem für pädagogische Zwecke unersetzbar. Tierschützer hingegen sprechen von Tierquälerei, billiger Attraktion auf Kosten freiheitsliebender Tiere.

Bei "artour" erläutert Peter Höffken seine Position zur Tierhaltung in Zoos. Er ist bei der Tierschutzorganisation PETA Kampagnenleiter im Bereich "Tiere in der Unterhaltungsbranche". Außerdem sprechen wir mit dem zoologischen Direktor des Dresdner Zoos, Wolfgang Ludwig, über die Frage: Sind Zoos noch zeitgemäß?

Hintergrund: Warum ein Zoo seine Tiere tötet

Ein Zoo in Kopenhagen tötet und zerlegt vor den Augen der Besucher eine Giraffe - und ein Aufschrei geht durch die Welt. Dabei ist die Tötung und Verfütterung von Zootieren durchaus Alltag, auch in Deutschland. [mehr]



Karl Otto Götz – ein Porträt zum 100. Geburtstag

Autor: Meinhard Michael

Trotz seiner großen Berühmtheit in Kunstkreisen ist der Künstler Karl Otto Götz dem heutigen Publikum kaum bekannt. Dabei kennt jeder, der in Deutschland schon einmal ein Museum mit Kunst des 20. Jahrhundert besucht hat, seine abstrakten Schwünge.

 K.O. Götz, Triphell, 1993, Acryl auf Papier auf Leinwand, 175,3 x 145,5 cm, Kunstsammlungen Chemnitz
K.O. Götz, Triphell, 1993, Acryl auf Papier

Doch kaum einer weiß, dass er, 1914 geboren, schon in den 30er Jahren in Paris die Surrealisten kennen gelernt und noch während der Nazizeit Werke mit rätselvollen Figuren produziert hat. Von dort aus betrachtet, lassen sich auch in seinen späteren, berühmten abstrakten Bildern ungewollte Imaginationen erkennen. Anlässlich seines 100. Geburtstages widmen ihm die Kunstsammlungen Chemnitz eine Sonderausstellung und zeigen 148 seiner Werke. Er selbst kann sie sich nicht anschauen – eine Augenkrankheit führte in den die letzten Jahren dazu, dass er immer weniger sah. Heute ist er gänzlich blind. Farben und Formen, so sagt er, sieht er nun vor seinem inneren Auge.


Der Groschen macht den Bettler: "The Beggar's Opera" in Dessau

Autor: Matthias Schmidt

Gruseliger Fisch mit großen weißen Zähnen in stürmischer See, im Hintergrund: Pinkfarbenes Freibeuter-Schiff.
Das Freibeuterschiff Anhaltisches Theater hat am Sonnabend Premiere!

Der Frauenheld Macheath, die gutgläubige Polly Peachum oder Lucy Lockit - diese Charaktere kennt man aus der "Dreigroschenoper" von Kurt Weill (Musik) und Bertold Brecht (Text). Weniger bekannt ist dagegen, dass diese drei Figuren und die gesamte Handlung der "Dreigroschenoper" auf eine Oper zurückgehen, die bereits im 1728 ihre Uraufführung hatte: "The Beggar’s Opera" von Johann Christoph Pepusch (Musik) und John Gay (Text). Die Oper nahm gesellschaftssatirisch Bezug auf britische Politiker, die der Autor John Gay für die finanziellen und wirtschaftlichen Querelen der Zeit verantwortlich machte. Die Karrikatur war deutlich genug; als es 1729 mit "Polly" eine Fortsetzung geben sollte, wurde das Stück noch vor der Premiere verboten.

Im Weill-Jahr 2014 bringt das Anhaltische Theater in Dessau beide Stücke in einer Adaption auf die Bühne. Die Premiere ist am 22. Februar. Für die Aufführung in Dessau wurde eine neue Musik komponiert und dem Stück eine neue Rahmenhandlung verpasst. So wie sich das Original auf die prekäre Situation der Kunstszene im 18. Jahrhundert bezog, soll die Version 2014 eine Reaktion auf die aktuelle Kulturpolitik sein, die den Theatern empfindliche Sparprogramme verordnet. So bangt nicht zuletzt das Anhaltische Theater durch massive Etatkürzungen um seine Existenz.

Hintergrund: Die Kunst als Bettler

Mit scharfer Kritik am Sparkurs in der Kultur in Sachsen-Anhalt ist in Dessau-Roßlau "Des Bettlers Oper" aufgeführt worden. In der Premiere zum Kurt Weill Fest wurde ein düsteres Bild vom Theatersterben gezeichnet. [mehr]



Der Preis der Leipziger Buchmesse 2014 – Die Nominierten

Autor: Ulf Kalkreuth

Bald ist es soweit: Wie jedes Jahr im März öffnet die Leipziger Buchmesse ihre Tore. Tausende Bücherfreunde blättern in den frisch gedruckten Neuerscheinungen und gehen mit den Autoren auf Tuchfühlung. Vergeben wird der Preis in drei Kategorien: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Er ist in jeder Kategorie mit 15.000 Euro dotiert. Eine siebenköpfige Jury aus Literaturkritikern hat in den vergangenen Monaten insgesamt 410 Bücher von 136 Verlagen gelesen, um die Shortlist aus fünf Titeln aufzustellen. "artour" porträtiert ab sofort jede Woche einen der fünf Nominierten im Bereich Belletristik.

Den Anfang macht Fabian Hischmann. Er wurde 1983 in Donaueschingen geboren und lebt in Berlin. In seinem Debütroman "Am Ende schmeißen wir mit Gold" geht es um den jungen Lehrer Max, der auf das Haus seiner Eltern aufpassen soll, während sie im Urlaub sind. Als Max dann an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, begegnet er den Geistern aus seiner Vergangenheit.


Kultourkalender

Ausstellung Fotografien von Steve McCurry - Kunsthalle Erfurt 21.2. - 22.4.

Opernpremiere "Moskau, Tscherjomuschki" - Schostakowitsch, Dresden, Semperoper 21.2.

Filmstart "Stromberg"

Die Tipps zum Nachlesen: artour-Kultourkalender

Jeden Donnerstag neue Tipps. artour empfiehlt Ausstellungen, Premieren, Festivals, Filme, Bücher, Musik und und und ... Hier gibt es die aktuellen Tipps zum Nachlesen. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2014, 23:04 Uhr

Sendetermine

Do, 20.02.2014 | 22:05 Uhr
Fr, 22.02.2014 | 05:50 Uhr
Di, 25.02.2014 | 01:05 Uhr

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