Das Landestheater Altenburg (Thüringen)
Das Landestheater Altenburg Bildrechte: dpa

Kulturpolitischer Dialog nach Rassismusdebatte Altenburg sucht das Gespräch

Das Landestheater Altenburg (Thüringen)
Das Landestheater Altenburg Bildrechte: dpa

Nach den Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate sucht die Stadt Altenburg am Dienstag das offene Gespräch. In einem "kulturpolitischen Dialog" im Rathaus der Stadt sollen Theaterschaffende, Bürger und Stadt ihre Argumente austauschen können.

In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es, Altenburgs Ruf, eine weltoffene Kulturstadt zu sein, habe gelitten. Grund sei das in den Medien verbreitete "Verhalten der alteingesessenen Altenburger zu Ausländern, insbesondere Künstlern des Theaters".

Die Debatte währt schon lange

Hintergrund: Im Herbst letzten Jahres hatte das "Bürgerforum Altenburg" zum Boykott des Theaters und Museums Altenburg aufgerufen. Unterstützer des Forums kritisieren die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und hatten sich durch die flüchtlingsfreundliche Positionierung des Theaters provoziert gefühlt. Im Dezember hatten vier Mitarbeiter des Theaters ihre Verträge nicht verlängert. Als Grund gaben sie u. a. an, rassistisch beleidigt worden zu sein. Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hatte dem Schauspielchef des Theaters Altenburg, Bernhard Stengele, Ende Februar vorgeworfen, dem Image der Stadt zu schaden um mediale Aufmerksamkeit zu erheischen. Stengele hatte sich in den Medien mehrfach über zunehmenden Alltagsrassismus in der Stadt beklagt.

Dialog mit hochkarätigem Moderator

Ziel des Dialoges sei es nun, miteinander ins Gespräch zu kommen. Neben Kulturschaffenden des Theaters, der Museen, Stadträten und Politikern sind alle an Kultur interessierten Bürger dazu eingeladen, an dem Dialog teilzunehmen. Moderiert wird die Veranstaltung vom neu gewählten Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon.

Nicht Berlin, München oder Hamburg – Nein, Altenburg, eine thüringische Kleinstadt, und ein sogenanntes Provinztheater wählt sich der jüngst gekürte Präsident für seinen ersten großen Auftritt. Und setzt damit natürlich ein Zeichen. Weil es hier nicht um die hohe Kunst auf der Bühne geht, sondern um die gesellschaftlichen Aufgaben des Theaters im ganzen Land, in den kleinen Städten, in denen die Theater oft der einzige Ort kultureller Begegnung sind.

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur

Das Landestheater Altenburg versteht sich als internationales Theater. Etwa 50 der 300 Beschäftigten des Theaters Altenburg sind keine Deutschen, sie kommen aus den verschiedensten Ländern. Auch in seinen Inszenierungen und Aktionen setzt sich das Theater für eine weltoffene Gesellschaft ein. Ende Februar feierte beispielsweise das Stück "Der Hauptmann von Köpenick" mit dem Afrikaner Ouelgo Téné in der Hauptrolle Premiere.

Informationen zur Verantstaltung: Dienstag, 14. März,
19:30 Uhr
im Rathaus Altenburg,
Großer Ratssaal

Alle an Kultur interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zum Dialog eingeladen.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 15.03.2017 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 13:53 Uhr