Neues Museum Weimar | 7. April bis 2. Juli 2017 "Edle Einfalt und stille Größe"

In diesem Jahr feiert der Begründer der modernen Kunstgeschichte Johann Joachim Winckelmann seinen 300. Geburtstag. Grund für Klassik Stiftung Weimar, gemeinsam mit der Uni Halle ihm eine erste umfassende Ausstellung zu widmen.

Wegbereiter der Klassik

Winckelmann’scher Faun (Kopf eines jungen Pan), frühes 2. Jh. n. Chr., Marmor
Winckelmann’scher Faun (Kopf eines jungen Pan), frühes 2. Jh. n. Chr., Marmor Bildrechte: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, München

Die Weimarer Klassik, das ist zunächst das so genannte "Viergestirn" Wieland, Goethe, Herder und Schiller. Als einer ihrer Wegbereiter gilt jedoch Johann Joachim Winckelmann. 1717 geboren, machte sich Winckelmann um die Begründung der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft verdient. Mit seiner Formel von der "edlen Einfalt und stillen Größe" antiker Kunst war er ein Wegbereiter der klassizistischen Ästhetik in Europa. Eine Ästhetik, die Schönheit, Zeitlosigkeit, harmonische Proportionen und Mäßigung des Ausdrucks ins Zentrum rückte. Als einflussreicher Forscher, Schriftsteller und Kritiker prägte er unseren Blick auf die Antike wesentlich. Nicht zuletzt sahen die Nachkommen in Winckelmann einen großen Sprachvirtuosen.

Ein Leben in 200 Werken

Anton Raphael Mengs, Bildnis Johann Joachim Winckelmann, um 1777, Öl auf Leinwand
Bildnis Johann Joachim Winckelmann von Anton Raphael Mengs, um 1777, Öl auf Leinwand Bildrechte: Metropolitan Museum New York/Harris Brisbane Dick Fund 1948

Stoff genug, um im Neuen Museum in Weimar, anlässlich seines 300. Geburtstages, Winckelmann eine Ausstellung anzurichten. Für die Sonderschau arbeiteten die Klassik Stiftung Weimar und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zusammen: Auf über 1.000 Quadratmetern und mit mehr als 200 Plastiken, Gemälden, Zeichnungen, Büchern und Fotografien, aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wird Winckelmanns außergewöhnliches Leben, sein revolutionäres Werk und internationale Ausstrahlung gewürdigt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der projektive Charakter von Winckelmanns Antike. In einer lockeren Chronologie widmet sich der erste Teil der Ausstellung der vielschichtigen Genese von Winckelmanns Werk zwischen Tradition und Innovation. Der zweite Teil erörtert die Inspiration durch die von Winckelmann aufgeworfenen Fragen in den künstlerischen, wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Debatten des 19. und 20. Jahrhunderts.

Der geistige Abenteurer erlebt einen gewaltsamen Tod

Winckelmann wurde in Stendal geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Weg führte ihn über Halle, Jena und Dresden nach Italien, wo er im päpstlichen Rom zu einer internationalen Berühmtheit wurde. Winckelmann war vieles: ein schwärmerischer Visionär, ein gelehrter Enthusiast und ein geistiger Abenteurer. Sein gewaltsamer Tod durch Erstechen wirkte auf Goethe und andere Zeitgenossen wie ein "Donnerschlag. Winkelmann war 1768 in Triest einem Raubmord zum Opfer gefallen.

Die Ausstellung ist Teil des Forschungsprojekts, das von der Klassik Stiftung Weimar und dem Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg realisiert wurde.

Informationen zur Ausstellung "Winckelmann. Moderne Antike"
7. April bis 2. Juli 2017
Eine Ausstellung des Neuen Museums Weimar
Öffnungszeiten:
Di, Mi 10–18 Uhr
Do 12–20 Uhr
Fr–So 10–18 Uhr
Öffentliche Führungen:
Sonntag 11 Uhr

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kunstkalender | 30.03.2017 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. April 2017, 10:44 Uhr

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