Kaffeetasse mit schwarzem Kaffee und Kaffeebohnen
Eine Welt ohne Kaffee? Das könnte schon bald Wirklichkeit sein. Bildrechte: Colourbox.de

Wie wirkt sich der Klimawandel auf unser Essen aus? "Den Kaffee wird es am härtesten treffen"

Kaffee aus Brasilien, Kakao von der Elfenbeinküste und Wein aus Spanien. Im Zuge der Globalisierung ist der Klimawandel nicht nur eine Sache der anderen. Spätestens auf unseren Tellern wird er uns alle erreichen. Hitze, Dürre und Überschwemmungen beeinträchtigen schon heute die Ernteerträge beliebter Nahrungsmittel. Die Folgen: Kosten steigen und Anbaugebiete verlagern sich. Um dem entgegenzuwirken, müssen bspw. neue Züchtungen her, meint Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung.

Kaffeetasse mit schwarzem Kaffee und Kaffeebohnen
Eine Welt ohne Kaffee? Das könnte schon bald Wirklichkeit sein. Bildrechte: Colourbox.de

Gerade ärmere Länder, die stark von der Landwirtschaft abhängen, werden durch Dürren und Überschwemmungen vom Klimawandel am härtesten getroffen. Zerstörte Existenzen und Hungersnöte sind die Folge.

In vielen Gegenden der Welt werden die Bauern nicht drauf vorbereitet. Die trifft der Klimawandel wie ein Gottesurteil.

Agrarwissenschaftler Dr. Wilfried Bommert

Doch auch hierzulande werden uns die Auswirkungen des Klimawandels treffen - zwar nicht annähernd so dramatisch, aber dennoch werden wir es spüren: in unserer Komfortzone, nämlich bei beliebten Genussmitteln, wie Oliven, Wein, Kaffee, Kakao, Orangen und dem billigen Supermarktschnitzel.

Das ist nicht mehr lange Zeit, bis der Klimawandel auch dort zugreift und wenn er zugreift, wird es dazu führen, dass davon viel weniger auf der Welt ist und am Ende auch viel teurer und dass wir uns manches vielleicht gar nicht mehr leisten können.

Agrarwissenschaftler Dr. Wilfried Bommert

Für ihr Buch "Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht" sind Wilfried Bommert und Marianne Landzettel um die Welt gereist und zeigen, wie die Klimaveränderungen die Produktion beliebter Nahrungsmittel schon heute beeinflussen.

Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht

Ein Glas Rotwein und Schokolade.
Die Genussmittel Kakao und Schokolade stammen aus Gebieten, die vom Klimawandel bereits stark betroffen sind. Bildrechte: IMAGO

Die Pflanzen unserer Nahrungsmittelproduktion sind nicht für extreme Temperaturen, Dürren oder Überschwemmungen ausgerüstet.

Über Jahrzehnte haben sich Züchtungen auf einen kleinen Temperaturbereich festgelegt, der mit den Veränderungen des Weltklimas mancherorts nicht mehr zusammenpasst.

Die Bauern stellen sich nur auf das ein, was sie kennen. Bisher kennen sie den Klimawandel nur in Ansätzen.

Wilfried Bommert

Wer viel mit Kunstdünger düngt und gegen Pestizide spritzt, arbeitet meist auch mit Hochleistungspflanzen, erklärt Bommert. Die sind gegen den Klimawandel am empfindlichsten.

Kaffee wird Mangelware

Nahaufnahme von gerösteten Kaffeebohnen
Eines der beliebtesten Getränke wird vom Klimawandel bedroht. Bildrechte: IMAGO

Ein Teil seiner Reise führte Bommert nach Südamerika.

Besonders in Brasilien, einem der größten Kaffeeproduzenten, sind große Flächen von Wasserknappheit und Hitze betroffen.

Das Land rechnet mit einem Verlust von 80 Prozent seiner Anbaugebiete. Dafür gebe es keinen Ersatz.

Was uns am tragischsten berühren wird, ist der Kaffee. Wir trinken alle viel Kaffee und der Kaffee wird am härtesten getroffen.

Wilfried Bommert

Jetzt schon einen großen Vorrat an Schokolade und Kaffee anlegen, das wird nicht helfen. Diese Produkte werden auf Dauer rar sein.

Die Agrarwende als Ausweg

Mehr Vielfalt in den Kulturen und ökologisches Bewirtschaften, das bringe auch mehr Robustheit gegen den Klimawandel, plädiert Bommert. Regierungen könnten die Bauern zum ökologischen Wirtschaften anhalten. Momentan passiere jedoch Gegenläufiges.

Die intensive Industrielandwirtschaft geht einen ganz anderen Weg und ich habe den Eindruck, wenn sie den Weg weiter so geht, dann führt das bei uns auf den Tellern zu ziemlich großer Ebbe.

Wilfried Bommert

Gleichzeitig fordert Bommert die Förderung neuer, robusterer Züchtungen.

Wir haben diese Züchtungsarbeit den großen Konzernen überlassen und die gucken nicht weit nach vorn. Die gucken nur so weit, wie ihre Gewinnmarge tangiert ist. Wir wissen gar nicht, was der Genpool der Welt noch bereithält, um uns aus dieser kommenden und nicht abwendbaren Situation am Ende noch ein Stückchen herauszuschneiden.

Wilfried Bommert

Verbrauchern hierzulande rät Bommert darauf zu achten, dass gekaufte Produkte schon heute in robusten Kulturen angebaut werden. Das trifft zum Beispiel auf Produkte mit einem Bio- oder Fairtrade-Siegel zu.

Der Journalist und Autor Wilfried Bommert.
Bildrechte: dpa

Veränderte Wetterbedingungen bringen die Ernten ebenso in Gefahr wie neue Schädlinge. Die Folgen: Kosten steigen und Anbaugebiete verlagern sich, meint Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung.

MDR KULTUR - Das Radio Do 07.09.2017 13:10Uhr 07:44 min

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Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: MDR KULTUR | 07.09.2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2017, 13:56 Uhr

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Informationen zum Buch "Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht."

"Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht."

Wilfried Bommert und Marianne Landzettel
Erschienen bei dtv premium
288 Seiten
16,90 €
ISBN 978-3-423-26157-9

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