Das Denkmal Georg Friedrich Händels, neben einem Notenständer mit dem Messias in Halle (Saale)
Das Denkmal Händels neben einem Notenständer mit dem "Messias" in Halle/Saale Bildrechte: dpa

Beginn der Händel-Festspiele in Halle Händel im Zeitalter der Digitalisierung

Was hat Georg Friedrich Händel mit Digitalisierung und Urheberrecht zu tun? Eine ganze Menge: Denn die Musik des berühmten Komponisten aus Halle wurde mehrfach kopiert, und auch Händel selbst soll Musik anderer Komponisten in seinen Werken aufgegriffen haben. In diesem Sinn stehen die diesjährigen Händel-Festspiele unter dem Motto "Original? – Fälschung?".

Das Denkmal Georg Friedrich Händels, neben einem Notenständer mit dem Messias in Halle (Saale)
Das Denkmal Händels neben einem Notenständer mit dem "Messias" in Halle/Saale Bildrechte: dpa

Ab Freitag ist Halle wieder Schauplatz der Händel-Festspiele – des größten Musikfestivals in Sachsen-Anhalt. Bis zum 11. Juni feiert die Stadt "ihren" Komponisten mit nationalen und internationalen Stars der Barock-Szene in über 100 Veranstaltungen, darunter Opern, Oratorien und Konzertaufführungen sowie Jazz-, Elektro- und Weltmusik.

Das Motto der diesjährigen Händel-Festspiele lautet "Original? – Fälschung?". Clemens Birnbaum, seit 2009 Direktor der Stiftung Händelhaus und Intendant der Händelfestspiele, zieht Parallelen zu Georg Friedrich Händel selbst: "Wenn man sich die Fragen und Problematiken ansieht, die Politik und Gesellschaft im Rahmen des digitalen Zeitalters mit dem Urheberschutzrecht haben und sich gleichzeitig Händels Kompositionswerk anschaut – da wird klar, dass das eine Brücke in die Gegenwart und wieder zurück schlägt", sagte er MDR KULTUR.

Händel selbst hat "geklaut"

Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händelhaus
Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händelhaus Bildrechte: MDR, Maren Beddies

Händel selbst habe Werke von anderen Komponisten aufgegriffen, so Birnbaum weiter, "wenn man so möchte, sogar geklaut". Auch habe der Komponist seine eigenen Werke ständig neu zusammengestellt. "Also das Thema, das uns heute im digitalen Zeitalter beschäftigt, beschäftigte Händel und seine damaligen Zeitgenossen auch." Ein Urheberschutzrecht habe es damals noch nicht gegeben. Händel bediente sich seinen Angaben zufolge jedoch nicht nur selbst bei anderen Komponisten, sondern wurde auch selbst kopiert.

Oratorium "Jephtha" als Eröffnungskonzert

Eröffnet wird das Musikfest am Freitag mit dem biblischen Oratorium "Jephtha" im Opernhaus Halle, gespielt vom Händelfestspielorchester unter der Leitung von Christoph Spering. Nicht weniger glanzvoll geht es beim Festkonzert am Sonntag in der Ulrichskirche zu, wo die schwedische Mezzosopranistin Ann Hallenberg gemeinsam mit dem italienischen Ensemble Il Pomo d’Oro den venezianischen Karneval des Jahres 1729 aufleben lässt.

MDR KULTUR sendete das Festkonzert am Sonntag ab 19:30 Uhr.

Der Marktplatz in Halle (Saale) mit Händel Denkmal.
Sohn der Stadt Halle an der Saale: Georg Friedrich Händel Bildrechte: Thomas Ziegler

Neben den zahlreichen Konzerten gibt es auch Vorträge, besondere Stadtführungen, die eintauchen in das Halle zu Händels Zeiten, es gibt ein interreligiöses Projekt mit Musik aus dem Judentum, Christentum und Islam vom Mittelalter bis zum Barock, und auch die Reformation spielt im 500. Jubiläumsjahr eine Rolle bei den Händelfestspielen. So wartet zum Beispiel eine Ausstellung zur Geschichte der protestantischen Kirchenmusik in Halle auf interessierte Festivalbesucher und unter dem Titel "Ich bin ein Mansfeldisch Kind - Wege zu Luher" wird eine Exkursion nach Eisleben und Mansfeld angeboten.

Die Händel-Festspiele finden seit 1922 in Halle an der Saale statt, seit 1952 werden sie jährlich ausgerichtet. Wichtigstes Anliegen der Veranstalter ist, das Gesamtwerk Georg Friedrich Händels nach neuesten wissenschaftlichen und künstlerischen Erkenntnissen aufzuführen.

Themen im MDR KULTUR-Spezial
"Wo Händel draufsteht, ist nicht immer Händel drin!"
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Motto "Original oder Fälschung": Damit greifen die Händelfestspiele ein aktuelles und brisantes Thema auf. Intendant Clemens Birnbaum gibt einen Überblick.

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Redaktion: Grit Schulze

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 26.05.2017 | 18:05-19:00 Uhr
Konzert | 28.05.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2017, 08:14 Uhr