Zwei Porzellanschalen mit Senf und Senfkörnern
Bildrechte: Colourbox.de

Schnaps aus Erfurt Einmal Schnaps mit Senf, bitte!

von Nadine Haubold

Zwei Porzellanschalen mit Senf und Senfkörnern
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Stefan Beck ist eigentlich des Weines wegen aus dem Württembergischen nach Thüringen gekommen, doch dann entdeckte er das Schnapsbrennen für sich. Das Brennen von Senf, auf das ihn ein großer Erfurter Senf-Hersteller ansprach, stellte Beck aber erstmal vor eine Herausforderung. Denn im Senfkorn sind Öle mit teerähnlichen Produkten enthalten - wie verhalten die sich bei unterschiedlichen Temperaturen? Und wie entwickelt sich das Destillierte im Reifelager weiter? Beck experimentierte über Monate, und sein Brennmeister Gerhard Liebl musste so einiges über die Zunge gehen lassen. Aber dass es am Ende schmeckt, da waren sie sich sicher. Auch wenn der Gaumen ziemlich stark gefordert wurde.

Wenn Sie auch mal die Brennanlage anschauen nach so einem Brennprozess von mehreren Stunden, dann ist der Kupferkessel innendrin pechschwarz. Das sind Bestandteile, die sich aus dem Senfkorn lösen. Dann kann man sich auch vorstellen, wie bitter, wie teerig, wie lederaromatisch in bestimmten Produktionsprozessen dann die Aromen eines solchen Senfkornes sein können.

Stefan Beck

Grundsätzlich wird Gin aus Wachholderbeeren hergestellt, dazu aber kommt eine zumeist geheime Mischung aus sogenannten Botanicals, etwa Zitrus, Tanne, Ingwer, Lavendel oder eben Senf. Im Falle des Senf-Gins ist das Gelbsenfsaat aus Thüringen. Die wächst auf den Feldern zwischen Erfurt und Bad Langensalza, von denen auch der alteingesessene Senfproduzent namens Born seine Körner bezieht. Auch die Wacholderbeeren sind aus der Region, hierfür hat Stefan Beck einen pensionierten Bauern ausfindig gemacht, der in Südthüringen Wacholder anbaut.

Likör und Geist für viele Geschmackslagen

Neben Senf-Gin brennt Stefan Beck aber auch noch Senf-Geiste und Liköre unterschiedlicher Schärfe. Weil man entweder das gesamte Senfkorn brennen oder vorher die Senfkörner mahlen kann, erhält der Schnapsbrenner letztendlich immer wieder andere und intensive Aromen. Der "Feine Schnaps" riecht nach Meerrettich, während der "Starke" aus Becks Brennerei eher an Dijon-Senf erinnert. Nach einem fettreichen Bratwurstmahl ist der starke Senf-Geist sicherlich ein guter Verdauungsschnaps! Die Senf-Geiste finden also durchaus ihren Platz auf dem Mittagstisch bzw. nach einem deftigen Abendessen, und sie passen auch gut direkt zum Essen. Aber auch bei der Verarbeitung von Früchten zu Marmelade kann sich der Schnaps-Brenner eines seiner Produkte gut vorstellen:

Da finde ich, passt der Likör sehr gut dazu. Aber was natürlich viel wichtiger ist, dass der Thüringer von Haus aus am 1. Januar anbrätelt und am 31. Dezember abbrätelt und dazwischen - also auf gut Deutsch das ganze Jahr - passen die Geiste hervorragend zur Grillsaison.

Stefan Beck

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Mittag | 14. September 2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 13:18 Uhr