Mathias Enard (2015)
Mathias Énard Bildrechte: dpa

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung "Ein einzigartiger Vermittler"

Mathias Enard (2015)
Mathias Énard Bildrechte: dpa

Der französische Schriftsteller und Übersetzer Mathias Énard erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Die Stadt Leipzig teilte im Dezember mit, er werde für seinen Roman "Kompass" ausgezeichnet. Die Jury führte zur Begründung an, in einer Zeit von Spaltung und Hass trete der Autor als "einzigartiger Vermittler" auf, als "leidenschaftlicher Orientforscher, der sich durch einen stupenden Kenntnisreichtum auszeichnet sowie durch literarische Sprachkraft". Der Roman sprühe von Wissen und zeige auf, wie die islamische, die christliche und die jüdische Tradition ineinandergriffen. Énard schenke seinen Lesern damit einen von großer menschlicher Anteilnahme geprägten Einblick in den arabischen Kulturraum. "Kompass" belege den jahrhundertelangen Einfluss des Orients auf die europäische Kultur.

Der Preis wird am 22. März am Eröffnungsabend der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus verliehen. Er ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Laudatio hält die Geschichtswissenschaftlerin Leyla Dakhli. Die Auszeichnung wird seit 1994 jährlich vergeben und zählt zu den wichtigsten Literaturpreisen in Deutschland.

In seinem mitreißenden und gelehrten Roman durchdringen sich Abendland und Morgenland. Es wird klar, dass wir das eine ohne das andere nicht denken können. Es wird also nicht nur ein Autor ausgezeichnet, der sich um europäische Verständigung bemüht. Sondern auch ein Dichter, der um Verständnis dafür wirbt, woher Europa stammt und was es heute sein kann.

Katrin Schumacher Redaktionsleiterin Literatur bei MDR KULTUR

Ein Roman über den Fernen Osten, das Reisen und die Angst vor dem Tod

Mathias Enard (2015)
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"Kompass" von Mathias Énard folgt der Tradition des gelehrsamen Romans. Tilman Krause stellt das Buch vor.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.09.2016 12:39Uhr 07:29 min

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Der Roman "Kompass" (französisch "Boussole") erzählt die unglückliche Liebesgeschichte des österreichischen Musikwissenschaftlers Franz und der französischen Orientalistin Sarah. Sie kennen sich von Forschungsreisen seit Ende der 1990er-Jahre nach Damaskus, Aleppo, Palmyra und Teheran. Unter dem Schock einer medizinischen Diagnose begibt Franz sich im Geiste noch einmal an die Orte der Reisen mit seiner großen Liebe. Dabei kommen immer mehr Fakten, Romanzen und Geschichten hervor, die alle vom entscheidenden Beitrag des Orients zur westlichen Kultur und Identität zeugen. Das Buch erschien 2016 auf Deutsch. Im Jahr zuvor hatte Énard für ihn den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt erhalten.

Preisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2016: Heinrich August Winkler
  • 2015: Mircea Cărtărescu
  • 2014: Pankaj Mishra
  • 2013: Klaus-Michael Bogdal
  • 2012: Ian Kershaw, Timothy Snyder
  • 2011: Martin Pollack
  • 2010: György Dalos
  • 2009: Karl Schlögel
  • 2008: Geert Mak
  • 2007: Gerd Koenen

Über dieses Thema berichtete MDR KULTUR auch: im Radio | Kulturnachrichten | 08.12.2016, 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2017, 11:45 Uhr

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