Karte & Chronik Ein Rundgang durch die Buchstadt Leipzig

Vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist Leipzig unangefochten die deutsche Buchhauptstadt. Mit Buchhändler-Börse und Nationalbibliothek, mit wichtigen Verlagen, Ausbildungsstätten und internationalen Messen. 1943 wird das Grafische Viertel zerbombt. Im Kalten Krieg macht Frankfurt das Rennen. Doch Leipzigs Buchmesse behauptet sich, seit 1992 mit "Leipzig liest", Europas größtem Lesefest. Ein Rundgang auf der Suche nach Relikten aus der großen Zeit der Buchstadt.

Aufstieg und Fall

Rundgang durch die Buchstadt Leipzig
Bildrechte: MDR / Katrin Schlenstedt

Gedruckt wird in Leipzig bereits seit dem 15. Jahrhundert. 300 Jahre später ist die Stadt ein Zentrum des Buchhandels. Mit der Gründung des Börsenvereins im Jahr 1825 und kurz darauf der Buchhändlerbörse läuft Leipzig der Konkurrenz in Frankfurt am Main den Rang ab und steigt zur unumstrittenen Hauptstadt des Buches auf. Verlage siedeln sich neu an, die Drucktechnik wird fieberhaft weiterentwickelt. Das Geschäft floriert.

Mit dem Zweiten Weltkrieg endet die Erfolgsgeschichte. Das Graphische Viertel wird zu 80 Prozent zerstört. Nach dem Ende des Krieges wandern bedeutende Verleger in den Westen Deutschlands, zunächst nach Wiesbaden, ab. Die noch junge DDR knüpft an das Verbliebene an - und das zunächst mit Erfolg.

Mit der Wende scheint das Ende der Buchstadt besiegelt: Zu Beginn der Neunziger Jahre werden in Leipzig tonnenweise Bücher vernichtet, ein großes Verlagssterben beginnt und der größte Buchhandel der ehemaligen DDR hält sich nur über Wasser, weil er tschechisches Bier verkauft.

Nur wenige Jahre zuvor blühte hier das Geschäft mit den Büchern, war Leipzig das Herz des selbsternannten "Leselandes DDR". Traditionsverlage wie Reclam, Brockhaus und Insel residierten weiter als typischer Parallelverlag, die Großdruckereien der Stadt produzierten ein Drittel aller Bücher, die in der DDR erschienen.

Und jedes einzelne Buch des Landes durchlief den Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel (LKG). In der Branche verbrachten Zehntausende zumeist ihr gesamtes Arbeitsleben.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 24.03.2017 | 12:40 Uhr

Chronik

Buchmesse-Kataloge von Frankfurt und Leipzig 1734 und 1765 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum.
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Brockhaus Conversationslexikon 1827
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Ruine des Buchhändlerhauses
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Werbung Schönste Bücher aus aller Welt, Leipziger Marktplatz 1991, Messehaus am Markt, Messeamt
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Logo des MDR-Literaturwettbewerb vor einer Hand, die ein aufgeschlagenes Buch hält
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