Das Logo der Buchmesse Leipzig ist in der Glashalle auf dem Neuen Messegelände der Buch- und Messestadt Leipzig auf die Stufen geklebt. Darüber ein halbtransparenter Banner des Logos
Bildrechte: MDR/Marco Prosch - Preis der Leipziger Buchmesse

Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 Gute Mischung, große Bandbreite

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Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest. Das teilte die Jury des Preises in Leipzig mit. Jeweils fünf Nominierte in den Kategorien "Belletristik", "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung" stehen im Finale des renommierten Literaturwettbewerbs. Insgesamt 365 Werke aus 106 Verlagen wurden eingereicht. Die Verleihung des Preises findet am 23. März statt.

Die Entscheidung ist der Jury nicht leichtgefallen, sagte die Vorsitzende der Jury, Literaturkritikerin Kristina Maidt-Zinke.

Gerade in der Belletristik ist es uns nicht leicht gefallen, uns auf fünf überzeugende Titel zu einigen. Aber ich glaube, dass wir eine gute Mischung gefunden haben.

Kristina Maidt-Zinke, Vorsitzende der Jury

Die Nominierungen im Überblick

In der Kategorie "Belletristik"

In der Kategorie "Sachbuch/Essayistik"

  • Leonhard Horowski: "Das Europa der Könige" (Rowohlt)
  • Klaus Reichert: "Wolkendienst" (S. Fischer)
  • Jörg Später: "Siegfried Kracauer" (Suhrkamp)
  • Barbara Stollberg-Rilinger: "Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit" (C.H.Beck)
  • Volker Weiß: "Die autoritäre Revolte" (Klett-Cotta)

In der Kategorie "Übersetzung"

Die Bandbreite in der Kategorie "Belletristik" ist groß. Unter den fünf Nominierten dieser Kategorie finden sich ein Lyrikband von Steffen Popp "118" und vier, sehr verschiedene Romane: Darunter Natascha Wodins "Sie kam aus Mariupol", das einen dokumentarischen Charakter aufweist, und "Hagard" von Lukas Bärfuss, der in seinem Buch eine surreal anmutende Verfolgungsjagd inszeniert.

Im Bereich "Sachbuch" spiegeln sich vor allem aktuelle Themen wider, wie nationale Identität, Heimat und Rechtspopulismus. So porträtiert Volker Weiß, einer der fünf Nominierten, in seinem Buch "Die autoritäre Revolte" Akteure der rechtspopulistischen Szene und untersucht Phänomene wie Pegida und die Partei Alternative für Deutschland.

Die Liste der fünf Nominierten in der Kategorie "Übersetzung" bezeichnete MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher als "Tauchgang in das literarische Erbe auf der Welt, sehr schön und stimmig".

Bücher
Bildrechte: Colourbox.de

Wer am Ende die Preise bekommt, ist wie immer einigermaßen unvorhersehbar. Genau wie diese Nominiertenliste, die aber auch dieses Jahr wieder etwas Schönes erzählt: Dass gute Literatur nämlich neben aller handwerklichen Finesse Geschmackssache ist.

Katrin Schumacher, MDR KULTUR-Literaturredakteurin

Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, bezeichnete die Shortlist als "kühne Liste": "Das wird für die Leser ein nicht geringer Anspruch sein, sich bei den Titeln zurecht zu finden", so Moritz. Die Jury habe mit ihrer Auswahl so sehr wie noch nie hohe ästhetische Maßstäbe gesetzt.

Jährlicher Höhepunkt auf der Leipziger Buchmesse

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 verliehen und ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Darüber, wer mit dem Preis ausgezeichnet wird, entscheidet eine siebenköpfige Jury aus Literaturkritikern und Journalisten. In diesem Jahr gehören Maike Albath, Alexander Cammann, Meike Feßmann, Kristina Maidt-Zinke, Burkhard Müller, Jutta Person und Gregor Dotzauer zur Jury.

2016 gewann Guntram Vesper den Preis der Leipziger Buchmesse mit seinem Mammutwerk "Frohburg" in der Kategorie Belletristik; Jürgen Goldstein erhielt die Auszeichnung mit "Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt" in der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Brigitte Döbert wurde für ihre Übersetzung von "Die Tutoren von Bora Ćosić" aus dem Serbischen geehrt.

Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre

Preis der Leipziger Buchmesse Die Preisträger der Kategorie "Belletristik"

Guntram Vesper
2016 Guntram Vesper mit "Frohburg" Bildrechte: dpa
Guntram Vesper
2016 Guntram Vesper mit "Frohburg" Bildrechte: dpa
Jan Wagner - Selbstporträt mit Bienenschwarm
2015 Jan Wagner mit "Regentonnenvariationen. Gedichte" Bildrechte: MDR/Bernd Cramer
David Wagner
2013 David Wagner mit "Leben" Bildrechte: Imago
Wolfgang Herrndorf
2012 Wolfgang Herrndorf (1965-2013) mit "Sand" Bildrechte: dpa
Clemens J. Setz
2011 Clemens J. Setz mit "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" Bildrechte: MDR/Marco Prosch
Schrifsteller Georg Klein
2010 Georg Klein mit "Roman unserer Kindheit" Bildrechte: dpa
Sibylle Lewitscharoff
2009 Sibylle Lewitscharoff mit "Apostoloff" Bildrechte: IMAGO
Der neue Mainzer Stadtschreiber 2016, der Schriftsteller Clemens Meyer, gibt am 25.02.2016 bei einem Pressetermin in seiner Stadtschreiberwohnung in Mainz (Rheinland-Pfalz) Journalisten Interviews, und gewährt dabei einen kleinen Blick auf seinen mit Totenschädeln tätowierten Unterarm.
2008 Clemens Meyer mit "Die Nacht, die Lichter" Bildrechte: dpa
Schriftsteller Ingo Schulze
2007 Ingo Schulze mit "Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier" Bildrechte: dpa
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Kategorie "Sachbuch/Essayistik"
Jahr Preisträger Titel
2016 Jürgen Goldstein Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt
2015 Philipp Ther Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa
2014 Helmut Lethen Der Schatten des Fotografen
2013 Helmut Böttiger Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb
2012 Jörg Baberowski Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt
2011 Henning Ritter Notizhefte
2010 Ulrich Raulff Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. Eine abgründige Geschichte
2009 Herfried Münkler Die Deutschen und ihre Mythen
2008 Irina Liebmann Wäre es schön? Es wäre schön. Mein Vater Rudolf Herrnstadt
2007 Saul Friedländer Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939-1945
Kategorie "Übersetzung"
Jahr Preisträger Übersetzter Titel
2016 Brigitte Döbert "Die Tutoren" (von Bora Ćosić) aus dem Serbischen
2015 Mirjam Pressler "Judas" (von Amos Oz) aus dem Hebräischen
2014 Robin Detje "Europe Central" (von William T. Vollmann) aus dem Amerikanischen
2013 Eva Hesse "Die Cantos" (von Ezra Pound) aus dem Amerikanischen
2012 Christina Viragh "Parallelgeschichten" (von Péter Nádas) aus dem Ungarischen
2011 Barbara Conrad "Krieg und Frieden" (von Lew Tolstoi) aus dem Russischen
2010 Ulrich Blumenbach "Unendlicher Spaß" (von David Foster Wallace) aus dem Amerikanischen
2009 Eike Schönfeld "Humboldts Vermächtnis" (von Saul Bellow) aus dem Amerikanischen
2008 Fritz Vogelgsang "Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc" (von Joannot Martorell) aus dem Altkatalanischen
2007 Swetlana Geier "Ein grüner Junge" (von Fjodor Dostojewskij) aus dem Russischen

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 09.03.2017 | 18:05 Uhr
Kulturnachrichten | 16.02.2017 | 12:30 Uhr
Gespräch | 16.02.2017 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 14:54 Uhr

Mehr zu den Nominierten der Kategorie Belletristik

Ein Mann steht lesend vor einem Mosaik
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