Civis 2017 für Marina Frenk und Stefan Kanis für ihr Hörspiel Jenseits der Kastanien
Autorin Marina Frenk und Regisseur Stefan Kanis mit ihren Preisen bei der Civis-Gala Bildrechte: MDR/Ulf Köhler

Europäischer Medienpreis für Integration 2017 MDR-Hörspiel gewinnt Civis

Hohe Ehrung für das MDR-Hörspiel "Jenseits der Kastanien". Die Produktion von Marina Frenk erhält den Civis Medienpreis für Integration. Das Hörspiel betrachtet Migration aus eigener Erfahrung. In diesem Jahr wurden zwei Erste Preise vergeben, auch der HR kann sich freuen, dessen tagesaktuelle Hintergrundsendung "Grenzen der Aufklärung - Rechte Gewalt und die Justiz" erhielt ebenfalls den Civis-Radiopreis im Bereich "Lange Programme".

Civis 2017 für Marina Frenk und Stefan Kanis für ihr Hörspiel Jenseits der Kastanien
Autorin Marina Frenk und Regisseur Stefan Kanis mit ihren Preisen bei der Civis-Gala Bildrechte: MDR/Ulf Köhler

Wir sind stolz, dass das Hörspiel der vielseitigen Künstlerin Marina Frenk diese bedeutende Auszeichnung gewonnen hat. Sie gibt mit ihrer eigenen Migrations- und Integrationsgeschichte ein berührendes Zeugnis ab, das stellvertretend für so viele Flüchtlingsschicksale steht. Ein starkes Plädoyer gegen Ausgrenzung und für gegenseitiges Verständnis.

Nathalie Wappler Hagen, MDR-Programmdirektorin

Das MDR KULTUR-Hörspiel "Jenseits der Kastanien" von Marina Frenk hat den Civis Medienpreis 2017 im Bereich Radio gewonnen. Das teilten die Veranstalter am Donnerstag im Rahmen der Auszeichnungsgala im Auswärtigen Amt in Berlin mit.

Besonderheit in diesem Jahr: Es gab zwei erste Preise, denn die hr-Produktion "Grenzen der Aufklärung - Rechte Gewalt und die  Justiz" wurde ebenfalls ausgezeichnet. Die Produktionen setzten sich damit unter insgesamt 783 Einreichung aus 24 EU-Staaten und der Schweiz durch.

Insgesamt wurden in diesem Jahr dreizehn europäische Radio-, Film-, Fernseh- und Internetprogramme mit dem Civis ausgezeichnet. Bei der Gala anwesend waren 400 hochkarätige Gäste aus Medien und Politik. Laudatoren waren unter anderem Frank Elstner, Anja Reschke, Dunja Hayali und Harald Krassnitzer. Ingo Zamperoni moderiert.

Eine starke beeindruckende Stimme, ein musikalischer Genius. Die Autorin erzählt von ihrer eigenen Integration, aus verschiedenen und überraschenden Perspektiven. Mal wütend gegen Vorurteile und rassistisches Schubladendenken, dann wieder zärtlich in der Erinnerung, mit Leidenschaft und entwaffnendem Humor. Das Hörspiel erzählt in präzisen Bildern vom Daheimsein im Unbekannten. Es geht um Migration, Heimat, Herkunft. Es geht um Begegnungen und gegen Vereinnahmung und Ausgrenzung. Sehr nachdenklich, sehr komisch, sehr politisch - einfach brillant. Ein Meisterwerk.

Jury-Begründung für "Jenseits der Kastanien"

Hörspiel als Plädoyer gegen Ausgrenzung

Marina Frenk
Marina Frenk Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Marina Frenk schildert in ihrem Hörspiel das Thema Migration aus verschiedenen und überraschenden Perspektiven. Mal wütend gegen Vorurteile und rassistisches Schubladendenken, dann wieder zärtlich in der Erinnerung, mit Leidenschaft und entwaffnendem Humor. "Jenseits der Kastanien" ist eine Aufforderung zur Begegnung, ein Plädoyer gegen Ausgrenzung, gegen Vereinnahmung, für das Recht auf Freiheit, Glück und die Würde des Menschen.

Es ist eben gerade nicht dieses gerne so zitierte Kino im Kopf, das einem den Schädel zustellt, sondern das Stück ist assoziativ angelegt. Und damit wird es interessant.

Regisseur Stefan Kanis

Marina Frenk, 1986 geboren in Chișinău, Moldawien in einer russisch-jüdischen Familie kam mit sieben Jahren nach Deutschland, ohne die Sprache zu können. Später spielte sie an den großen Theatern des Landes. Das ist auch das Thema ihres Stücks: Was ist für wen Erfolg?

Das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, was wichtig ist. Ob es wichtig ist, bekannt und berühmt und anerkannt zu sein, oder privater Erfolg, indem man mit der Familie glücklich ist und gute Freunde hat.

Marina Frenk

Weitere Civis-Gewinner 2017

Den Civis im Bereich TV-Magazine erhielten Ben Bolz und Johannes Edelhoff für ihren Beitrag im ARD-Politikmagazin Panorama "Alternative für die Politik: Emotionen statt Fakten" (NDR). Der Fernsehpreis im Bereich Information ging an Domenico Iannacone und Luca Cambi für ihre Reportage "Lontano Dagli Occhi / Aus den Augen ..." (RAI 3). Den Unterhaltungs-Fernsehpreis erhielten Françoise Charpiat und Aude Marcle für ihren Fernsehfilm "Ne m'abandonne pas .../ Gib mich nicht auf ..." ( France Télévisions ). Der Radiopreis im Bereich kurze Programme ging an Anna Osius für Teil 6 ihrer Serie "Leben unter dem IS" ( WDR 5).

Im Bereich Webangebote ging der Civis an Ole Leifels für die Webseite www.kein-raum-fuer-rechts.de (BAFF Filmproduktion, Kubikfoto3). Eine Webvideo-Auszeichnung erhielt Sylvia Griss für das Video "Ramo: Soll ich zurück nach Syrien?" (BR). Der Civis-Kinopreis geht als Publikumspreis an das Spielfilmdrama "Vor der Morgenröte".

Bereits bekannt waren der Preisträger des "European Young Civis Media Prize "Different Bayern" von Matthias Koßmehl (HMS/BR) sowie die Preisträger der Civis-Sonderpreise "Fußball und Integration": "Ayham - mein neues Leben" von Ilona Stämpfli, Marek Beles (TV), "Bis zum letzten Atemzug" von Agnese Franceschini und Tom Mustroph (Radio) und "together2016 - die Integrationskraft des Fußballs" von Stephan Hermann (Online).

Der Preis

Der Civis wird seit 1987 vergeben, beging also in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Ausgezeichnet werden damit Programmleistungen zum Thema Migration, Integration und kulturelle Vielfalt in Europa im Radio, Film, Fernsehen und Internet, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster nationaler, ethnischer, religiöser oder kultureller Herkunftfördern. Die Preise sind mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.

Anfangs unter der Bezeichnung "Civis Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa" verliehen, firmiert er heute "Civis - Europas Medienpreis für Integration". Die Auszeichnung wird von der ARD, vertreten durch den Westdeutschen Rundfunk, gemeinsam mit der Freudenberg Stiftung ausgeschrieben.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 31.05.2017 | 14:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 15:39 Uhr