Schriftstellerin Susanne Schädlich im Gespräch Leben in zwei Welten

Der 13. August ist für viele Menschen im Osten Deutschlands noch immer ein bedeutendes Datum. 1961 begann an diesem Tag der Mauerbau. Durch ihre Kindheit in der DDR und ihre Jugend in der BRD hat die Schriftstellerin Susanne Schädlich die deutsche Teilung besonders durch ihre Familie wahrgenommen.

Ich hab mich immer als jemand gefühlt, der zweigeteilt war. Da war die Sehnsucht nach dem Osten, wo die ganze Familie war. Und andererseits musste man sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Ich fühlte mich weder hier noch dort zu Hause.

Susanne Schädlich

1965 in Jena geboren, wuchs Schädlich in Berlin-Köpenick auf. 1977 reiste ihre Familie in den Westen aus, da sich insbesondere ihr Vater Hans Joachim Schädlich als Schriftsteller Repressalien der DDR-Regierung ausgesetzt sah.

Traue niemandem

Im Buch "Immer wieder Dezember – der Westen, die Stasi, der Onkel und ich" beschreibt Susanne Schädlich, wie die Stasi die Familie auch Jahre nach ihrer Ausreise verfolgte. Die Spitzelei entsprang inmitten der Familie: Der Bruder des Vaters hatte den Auftrag, Hans Joachim Schädlich zurück in die DDR zu locken. Erst 1992 erfuhr die Familie den langjährigen Verrat aus den Stasi-Unterlagen.

Die Schriftstellerin Susanne Schädlich aufgenommen am 14.10.2012 in Köln.
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Eine Kindheit in der DDR, die Jugend in der BRD. Das geteilte Deutschland prägt die Identität der Schriftstellerin Susanne Schädlich, die die DDR in ihren Werken sowohl autobiografisch als auch dokumentarisch beleuchtet.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 12.08.2017 19:05Uhr 25:07 min

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Das war ein Schock, als wir das erfahren haben. Wir alle haben diesen Mann unheimlich gern gehabt. Wir mussten ihn uns von einem Tag auf den anderen aus dem Herzen reißen.

Susanne Schädlich

Aufbegehren gegen das System

Die Stasi-Akte ihres Onkels brachte Susanne Schädlich auf die Spur einer BBC-Sendung, die DDR-Bürgern und ihren Meinungen eine unzensierte öffentliche Plattform gab. Aus der Recherche entstand das Sachbuch "Briefe ohne Unterschrift. Wie eine BBC-Sendung die DDR herausforderte". Überrascht hat Susanne Schädlich vor allem, wie viele unterschiedliche Leute trotz drohender Strafen dem Sender geschrieben haben.

Es wurde aus allen Schichten und allen Ecken der DDR geschrieben. Die Gesellschaft war von Anfang an durch und durch unzufrieden mit dem System. [...] Das System war eindeutig repressiv. Es war eine Diktatur.

Susanne Schädlich

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Diskurs | 12.08.2017 | 19:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2017, 04:00 Uhr