Regisseur Ridley Scott und Schauspielerin Katherine Waterston am Set von -Alien: Covenant-.
Regisseur Ridley Scott und Schauspielerin Katherine Waterston am Set von "Alien: Covenant". Bildrechte: 20th Century Fox

Interview mit "Alien"-Regisseur Ridley Scott "Es ist wie eine Orchestrierung des Schreckens"

MDR KULTUR Filmkritiker Knut Elstermann spricht mit dem Regisseur darüber, was die "Alien"-Filme zum Mythos macht und darüber, wie sich das Geschichtenerzählens seit dem ersten Film verändert hat.

von Knut Elstermann

Regisseur Ridley Scott und Schauspielerin Katherine Waterston am Set von -Alien: Covenant-.
Regisseur Ridley Scott und Schauspielerin Katherine Waterston am Set von "Alien: Covenant". Bildrechte: 20th Century Fox

Knut Elstermann: Warum ist der Mythos, den Sie geschaffen haben so unsterblich? Er hat ja immer noch eine große Kraft, eine starke Anziehungskraft auf Menschen - auch nach 30 Jahren.

Ridley Scott: Das ist eine gute Frage. Denn nachdem vier Alien-Filme vollendet waren, hat nie jemand die Frage gestellt, wer hat diese Figur geschaffen und weshalb. Also es ist eine gute Frage. Also habe ich eine Weile überlegt und gedacht, die Antwort könnte sein: Es berührt das Thema der Schöpfung. Es berührt Gott oder höhere Wesen.

Im ersten "Alien"-Film haben Sie mit Sigourney Weaver einen starke Action-Heldin gezeigt, jetzt wieder mit Katherine Waterston. Warum ist es für Sie so wichtig, starke weibliche Charaktere zu schaffen? Sind Frauen Ihre Helden?

Damals mit Sigourney Weaver war es gar nicht so entscheidend, dass sie eine Frau ist, sie war einfach Ripley. Aber dann, bei meiner weiteren Arbeit, gab es immer wieder starke Frauen: G.I. Jane, eine Navy-Offizierin, da ging es um Frauenrechte. Oder nehmen Sie Thelma & Louise – Ich habe Frauen immer als gleichberechtigt empfunden. Die Reaktionen haben mich überrascht. Ich dachte, Sigourney ist gut, sie ist groß und athletisch. Sie könnte einen wahrscheinlich einfach umhauen. Sie ist körperlich und geistig überlegen. Das war für mich ganz natürlich. Erst später wurde mir bewusst, dass ich als Frauenregisseur gesehen wurde.

Mehr als im ersten Film ist dieser Film aber mehr ein Ensemble-Werk, wo die Gruppe als Gesamtheit im Vordergrund steht…nicht so sehr der einzelne Held...

Ja, genau. Der erste Alien-Film war für mich mehr ein B-Movie, aber ein sehr gut umgesetzter, im A-Movie-Stil. Die Geschichte ist sehr einfach: Sieben Leute sind eingesperrt in einer Art mysteriösem Haus. Oder einer Insel, wo sie alle sterben müssen. Also fast schon ein C-Movie. Aber wir haben es so gut gemacht, dass er eine Eigendynamik bekam.

Regisseur Ripley Scott im  Interview
Regisseur Ripley Scott im Interview Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was mir hier sehr gut gefallen hat, ist, dass Sie im aktuellen Film das volle Spektrum der europäischen Kunstgeschichte nutzen – Böcklin sehen wir, die Toteninsel, Pompeii, Michelangelo. Warum ist es so wichtig für Sie diese Anspielungen zu nutzen?

Ich wollte zeigen, wie die Künstliche Intelligenz respektlos dem Schöpfer gegenüber auftritt, sehr zerstörerisch. Wenn die Geschöpfe sich ihren Schöpfern gegenüber als überlegen betrachten würden, würden sie diese nicht mehr als Gottheit anerkennen. Das ist die Gefahr einer künstlichen Intelligenz. Geschaffen, aber nicht gebraucht.

Was hat sich im Geschichtenerzählen seit dem ersten "Alien"-Film geändert? Dieser Film wirkt auf mich sehr hart, sehr erschreckend…

Es ist heute schwerer, Leute zu erschrecken, als sie zum Lachen zu bringen. Die Leute lachen schnell. Aber es ist schwer, Zuschauer zum Fürchten zu bringen mit einer Situation, die sie nur von außen sehen. Nach einer geraumen Zeit, kommt es zur ersten Begegnung mit dem Bösen auf engstem Raum und das muss sich dann immer weiter steigern, um wirklich zu schocken. Es ist wie eine Orchestrierung des Schreckens. Man muss die Höhepunkte genau setzen und steigern.

Das Interview führte MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann.

Über diesen Filme berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 18.05.2017 | 07:40 Uhr
Fernsehen: "Kino Royal" | 20.05.2017 | 00:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2017, 12:01 Uhr

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