Diana Krall
Mit ihrem neuen Album setzt Diana Krall ein Zeichen gegen unsere immer lauter werdende Zeit. Bildrechte: IMAGO

CD der Woche | Diana Krall – "Turn Up The Quiet" "Ein stilles Zeichen gegen die immer lauter werdende Zeit"

von Heidi Eichenberg

Diana Krall
Mit ihrem neuen Album setzt Diana Krall ein Zeichen gegen unsere immer lauter werdende Zeit. Bildrechte: IMAGO

Fünf Grammys, acht Juno Awards, weltweit neun Gold-, drei Platin-Alben, drei Goldene Schallplatten in Deutschland und drei Echo Jazz Awards könnte sich diese Frau übers Bett hängen. Diana Krall ist eine der bekanntesten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit, gefeiert vor allem für ihre Raffinesse am Klavier, jener Mischung aus Verspieltheit und virtuoser Entschiedenheit, die den Hörer magisch in ihren Bann zieht. Nur Diana Krall vermag es, mit ihrer einfühlsamen Intonation in geheimnisvoll dunklem Timbre gleichermaßen erotisch und cool zu klingen. Dass dies auch und vor allem mit leisen Tönen geht, weiß jeder erfahrene Musiker; nicht zuletzt deshalb wollte Diana Krall mit dem Titel ihres Albums ein Zeichen setzen gegen unsere immer lauter werdende Zeit. "Dreh die Stille auf, um wieder besser gehört zu werden", lautet ihr Kommentar dazu.

Viele künstlerische Facetten hat uns die sympathische Kanadierin in den letzten Jahren offenbart; die tänzerische Leichtigkeit der Bossa Nova auf ihrem Album "The Look Of Love", die Musik der Ragtime- und Vaudeville- Ära der Zwanziger und 30er-Jahre auf dem Album "Glad Rag Doll" oder ihre subtile Aneignung von Pop und Rock auf dem letzten Album "Wallflower". Legendär ist ihre Zusammenarbeit mit dem Produzenten Tommy LiPuma, der auch als Co-Produzent an ihrem neuen Album beteiligt war.

"Turn Up The Quiet" ist eine Sammlung von Standards von Richard Rogers bis Irving Berlin, Cole Porter und Johnny Mercer. Jazz Klassiker, die fast jeder schon mal irgendwo gehört hat und die auch zur Standardausrüstung jeder guten Plattensammlung gehören.

Rückbesinnung auf das Golden Age

"Turn Up The Quiet" ist eine Rückbesinnung auf das Repertoire ihrer Anfangszeit, die Klassiker des sogenannten Golden Age, ohne das schon mal Dagewesene zu wiederholen. Für das neue Album arbeitete Diana Krall zum ersten Mal auch als Bandleader; für die Produktion stellte sie drei unterschiedliche Ensembles aus Musikern zusammen, mit denen sie teilweise schon seit 25 Jahren zusammen arbeitet. Im Trio, Quartett oder Quintett sind z.B. ihr Bassist Christian McBride, die Gitarristen Russell Malone und Marc Ribot, sowie der Fiddle-Spieler Stuart Duncan mit von der Partie.

Elegante Instrumente in kleiner Besetzung

Der feine und transparente Klang der Aufnahmen ermöglicht es, die einzelnen Instrumente in ihrer Eleganz strahlen zu lassen, selbst wenn man deutlich wahrnehmen kann, dass hier gearbeitet wird. Man hört die Finger des Gitarristen übers Griffbrett gleiten und die Bewegungen des Kontrabasses. Ein Hoch auf die kleinen Besetzungen, in denen zwei oder drei Instrumente gekonnt korrespondieren wie im Titel " No Moon At All", das nur im Dialog von Klavier und Kontrabass beginnt, oder die wunderbar entschleunigte Version des zweitgrößten Dean-Martin-Songs "Sway", dem Parkett-Stürmer schlechthin, der hier mit Diana Krall zu einer somnambulen Zeitlupen-Rumba wird.

Ungeplanter Höhepunkt eines gemeinsamen Werkes

Vielleicht ist Diana Krall näher an ihren Wurzeln denn je. Umso tragischer, dass ihr Produzent Tommy LiPuma, der auch ein langjähriger väterlicher Freund und Berater war, nach Fertigstellung des Albums im März dieses Jahres starb. Damit wird dieses Album nun auch ungeplant zum Höhepunkt und Abschluss eines gemeinsamen Werkes. Diana Krall und Tommy LiPuma haben die Zeitlosigkeit der Lieder des American Songbook herausgearbeitet und letztendlich haben sie auch wesentlich dazu beigetragen, dass die Songs zum Repertoire moderner Bearbeitungen für eine ganze Generation junger Sängerinnen weltweit geworden sind.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 15.05.2017 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017, 15:12 Uhr