Imelda May
Imelda May 2015 beim Isle-of-Wight-Festival in Newport (Großbritannien) Bildrechte: IMAGO

CD der Woche | Imelda May: "Life Love Flesh Blood" Was ist nur aus dem Rockabilly-Girl geworden?

von Christine Heise

Imelda May
Imelda May 2015 beim Isle-of-Wight-Festival in Newport (Großbritannien) Bildrechte: IMAGO

Imelda May ist kaum wiederzuerkennen. Hatte sie bis vor kurzem noch eine himmelwärts gestylte blonde Locke als Erkennungszeichen, trägt sie heute die langen Haare offen, schwarz gefärbt und mit Pony. Huch – was ist denn aus dem Rockabilly Girl geworden?

Ich musste einfach ausbrechen, ich fühlte mich eingesperrt und in die Rockabilly-Ecke gedrängt. Dabei fing ich einst im Alter von 16 Jahren mit Blues an. Ich habe alles, was ich kann, auf den Touren und in den Clubs gelernt, und bin seit 26 Jahren von Kopf bis Fuß Musikerin. Roots und traditionelle irische Musik waren stets sehr wichtig für mich, und nach dem Blues kamen Jazz, Swing, R&B und Country dazu. Zusammen mit Rockabilly und Punk machte das alles Sinn für mich, diese Stile sind eng miteinander verbunden.

Imelda May
CD-Cover: Imelda May - "Life.Love.Flesh.Blood"
Bildrechte: DECCA

Die energiegeladene Irin Imelda May ist seit vielen Jahren eine feste Größe im Rock'n'Roll, stilbewusst und mit großartiger Stimme begeistert sie nicht nur auf der Bühne mit eigener Band, sondern veröffentlichte seit 2002 fünf Alben mit überwiegend selbstgeschriebenen Songs - mit besonderer Akzeptanz in Rockabilly–Kreisen, die bekanntlich genau auf Authentizität achten. Imelda May aber hat schon immer das Konzept erweitert. Neben dem Kontrabass, den Stehdrums und der E-Gitarre standen bei ihr auch Bläser auf der Bühne, die neben den Harmoniestimmen für Jazz und Soul-Feeling sorgten.

Das ist ja genau der Grund, warum ich Rockabilly liebe und Jazz und Punk – sie brechen die Regel, sind innovativ, frech, aufregend, sexy und gefährlich, all das wundervoll Freie. Aber schon beim letzten Album "Tribal" wusste ich, dass ich beim nächsten Mal etwas anderes mache. Ich habe genug im Rockabilly gemacht, ich liebe es noch immer, aber meinen Teil dazu beigetragen. Jetzt wollte ich wieder zurück und die bluesigere, souligere, gospeligere, jazzigere Seite entwickeln.

Imelda May

Und genau dafür hat sich Imelda May auch den richtigen Produzenten gesucht: T Bone Burnett. Der legendäre Produzent aus Los Angeles und ehemalige Bob-Dylan-Gitarrist steht sowohl für das strenge Überwachen roots-geprägter Glaubwürdigkeit als auch für den modernen Zugriff, Produktionen unter seiner Ägide dürfen sich als geadelt ansehen.

Wir kamen zusamnmen und drückten auf Aufnahme. Es stimmte einfach alles, und das lag an ihm. Sein Rezept lautet: Wenn du es gut vorbereitest, dann funktioniert es.

Imelda May

"Life Love Flesh Blood" ist das neue Album einer verwandelten Imelda May. Gitarristenlegende Jeff Beck und TV-Star und Bandleader Jools Holland zählen zu den Mitstreitern, ebenso wie die hochkompetente Studioband T Bone Burnetts. Und die Songs reflektieren das neue Leben der gereiften Sängerin, die darin die Trennung vom langjährigen Ehemann und Gitarristen Darrel Higham ebenso verarbeitet wie ihr Leben als multitaskende Musikerin und Mutter.

Viele Frauen müssen sehr hart arbeiten, sind dabei auch noch Hausfrau und müssen alles gleichzeitig schaffen. Sich um den Mann oder Freund kümmern, die eigenen Eltern, die Kinder, und manchmal sitzt du dann einfach da und fragst dich: und wer kümmert sich um mich?!

Imelda May

Nein, ein Jammeralbum ist es bestimmt nicht geworden. Es zeigt eine Musikerin, die den Spagat zwischen ehrlichem Songwriting, gekonntem Handwerk und künstlerischer Weiterentwicklung beherrscht, und die, wie einst Sheryl Crow zu ihren besten Zeiten, Pop und Roots verbindet.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 18.04.2017 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 13:31 Uhr