Szene aus dem Film 'The End of Meat': Ein Ferkel im Stall
Die Tierwelt ist geteilt: in Haustiere und Nutztiere. Bildrechte: mindjazz pictures

Dokumentarfilm: "The End of Meat" Eine Welt ohne Fleisch

von Hanna Romanowsky

Szene aus dem Film 'The End of Meat': Ein Ferkel im Stall
Die Tierwelt ist geteilt: in Haustiere und Nutztiere. Bildrechte: mindjazz pictures

Stellen wir uns eine Welt vor, in der Tiere zu unserer Gemeinschaft gehören, in der sie das Recht haben, neben uns zu leben. Haustiere, Stadttiere und Wildtiere haben bereits einen besseren Status erreicht, Nutztiere dagegen bleiben in unserer Gesellschaft absichtlich versteckt und unsichtbar – eingesperrt und getötet für ihr Fleisch.

Da sieht man mal einen Tiertransporter auf der Autobahn oder eine Mastanlage irgendwo, aber die eigentlichen Tiere, die da drin sind, die sehen wir nicht. Und dann schwinden sie auch aus unserem Kopf, wenn wir dann im Supermarkt die abgepackten Produkte sehen.

Marc Pierschel MDR KULTUR

In seinem Film "The End of Meat" entwirft Marc Pierschel eine Welt, in der wir keine Tiere mehr essen. Er selbst lebt vegan, verzichtet also gänzlich auf tierische Produkte.

Ein zerstörerisches System

Jedes Jahr züchten, mästen und töten wir 56 Milliarden Nutztiere. Dieses System ist für 18 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist mehr als der Verkehrssektor. Es verbraucht ein Drittel des Trinkwassers, belegt 45 Prozent der gesamten Erdoberfläche, hat 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört und ist zur größten Bedrohung für die Artenvielfalt geworden.

Und während elf Prozent der Erdbevölkerung unter Mangelernährung leiden, verfüttern wir die Hälfte des weltweiten Getreides an Tiere, die wir später essen.

Marc Pierschel "The End of Meat"

Weltweit nimmt der Fleischkonsum zu. Besonders in Ländern wie China und Indien steigt die Nachfrage nach Fleisch rasant an.

Gerade da, wo jetzt die Leute das westliche Modell imitieren und denken Fleisch und Tierprodukte gehören zum Wohlstand, wird es ein großes Problem für uns werden, wenn die ökologischen Konsequenzen auf uns zukommen.

Marc Pierschel MDR KULTUR

Verzicht mit Gewinn

Marc Pierschels vegane Vision erscheint als radikale Utopie. Nicht alle Menschen werden Vegetarier werden. Und doch zeichnet sich hierzulande ein Trend ab.

Wir müssen mit einem guten Beispiel voran gehen und zeigen, dass weniger Fleisch die bessere Lösung ist und vielleicht sogar gar kein Fleisch.

Marc Pierschel MDR KULTUR

Berlin ist mit den meisten veganen Restaurants und der ersten veganen Supermarktkette die vegane Hauptstadt Europas. In Deutschland boomt der vegane Markt. Inzwischen sehen sogar klassische Fleischproduzenten ihr Potential im veganen Geschäft.

Ohne den globalen Überkonsum von Fleisch zu thematisieren, werden unweigerlich gefährliche Klimaveränderungen auf uns zukommen.

Laura Wellesley, Chatham House "The End of Meat"

Weniger Fleisch, das würde sauberes Trinkwasser, weniger Hunger, gesündere Menschen und glücklichere Tiere nach sich ziehen.

Eine gemeinsame Welt ist möglich

Szene aus dem Film 'The End of Meat': Künstler Hartmut Kiewert mit einem seiner Werke
Auch der Leipziger Künstler Hartmut Kiewert entwirft eine Welt, in der Menschen und Tiere miteinander und nicht nebeneinander leben. Bildrechte: mindjazz pictures

Marc Pierschel zeigt sie uns, diese Welt ohne Tierleid. "The End of Meat" ist mehr als ein Film voller Schlachthaus-Schockbilder. Er erzählt persönliche Geschichten von geretteten Tieren auf Gnadenhöfen oder vom Hausschwein Esther, die ihre Besitzer zu Vegetariern gemacht hat. Er zeigt Alternativen auf, wenn Wissenschaftler versuchen den "echten veganen Käse" oder Fleisch aus der Petrischale herzustellen. An manchen Stellen ist der moralische Zeigefinger etwas zu hoch gehoben, aber das ist bei diesem positiven Blick in die Zukunft durchaus zu verzeihen.

Unsere Kinder werden sagen: "Damals töten sie noch Tiere für unsere Nahrungsversorgung." Und das wird vermutlich als barbarisch gelten.

Dr. Mark Post "The End of Meat"

"The End of Meat" auf Kinotour 14.9. Leipzig, Passagekinos, 19:30 Uhr, Filmvorführung und Regisseur Marc Pierschel im Gespräch

18.9. Halle, Puschkino, 18:30 Uhr,
Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Daniel Mettke (Geschäftsführer Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.) in Anwesenheit des Künstlers Hartmut Kiewert (Protagonist im Film)

19.9. Magdeburg, 18:15 Uhr,
Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Daniel Mettke (Geschäftsführer Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.) und Hartmut Koblischke (BUND Magdeburg)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur am Mittag | 13. September 2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2017, 16:47 Uhr

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