Silje Nergaard
Silje Nergaard Bildrechte: IMAGO

Konzerttipps für den November Silje Nergaard kommt nach Dresden

Die Norwegerin Silje Nergaard begeistert weltweit, vor allem Japan scheint ihr zu Füßen zu liegen. Ihre aktuelle Tour führt sie auch nach Mitteldeutschland, das sollte man sich nicht entgehen lassen! Weitere Konzerttipps für den November: Manfred Maurenbrecher, Andrea Schroeder und Stacey Kent.

von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Musikkritiker

Silje Nergaard
Silje Nergaard Bildrechte: IMAGO

Silje Nergaard

In Japan ist Silje Nergaard so populär, dass man sie im Heian-Schrein in Kyoto auftreten lässt, dem japanischen Äquivalent zum Vatikan. Einen Wein haben die Japaner ebenfalls nach ihr benannt und nur in Skandinavien wird sie häufiger im Radio gespielt, als im Land der aufgehenden Sonne.

13 Alben hat die Sängerin inzwischen veröffentlicht. Mit dem neuen Album "For You a Thousand Times" gelingt ihr das Kunststück, neue Wege zu gehen und dabei doch unverkennbar Silje Nergaard zu bleiben. Ihre Stimme zieht in den Bann - ein wenig Billie Holiday, etwas Joni Mitchell oder Rickie Lee Jones, aber auch Björk oder Sinead O’Connor werden gern erwähnt, um Silje Nergaard irgendwo einzuordnen. Ob das nun Pop ist oder Jazz, das fragt ja bei Diana Krall oder Norah Jones auch niemand - und in genau dieser Liga spielt auch Silje Nergaard. Auch ihre aktuelle Live-Band ist großartig, mit dabei ist u.a. der Trompeter Matthias Eick.

Termine: 07.11.2017 | Berlin, A-Trane

08.11.2017 | Dresden, Jazzfestival


Manfred Maurenbrecher

Es gibt neben Manfred Maurenbrecher niemanden, der so uneitel, so klug und so poetisch zugleich sein kann, der so genau beobachtet. Und das Allerschönste: Er kennt sie alle, diese langweiligen Posen des Sichnichtbekennenwollens, diese alberne Distanz zu allem, die der Turbokapitalismus gerne als cool verkauft. Maurenbrecher gibt da nichts drauf, er ist dicht dran. Er braucht sie nicht, die Macht der distanzierten Überlegenheit, er ist lieber mittendrin.

Ein Mann an einem Keyboard
Manfred Maurenbrecher Bildrechte: IMAGO

In den USA, wo ja bekanntlich nicht alles schlecht ist, wäre Manfred Maurenbrecher der kleine Bruder von Randy Newman. Man würde seine Lieder in Hollywood-Produktionen über dekadente Neureiche in Beverly Hills einsetzen und man würde ihn bei Jay Leno befragen, weil der Mann nicht nur gebildet ist, sondern auch diese besondere Gabe hat, die Dinge unter ihrem skurrilen Aspekt zu betrachten.

"Brennende Bote" war eins von diesen Liedern, das noch heute Gänsehaut macht. Ohne Versteck zu spielen hat Maurenbrecher den Schutzmantel der Kleinkunst übergeworfen, der ihn für gewisse Medien unsichtbar und unhörbar machte. Das hat ihn vor einigem bewahrt, leider auch vor manchem, das man ihm gewünscht hätte. Sich auf kleinen Bühnen öffentlich zu verstecken, das scheint  sein Credo zu sein. Sei’s drum, die Lieder des Manfred Maurenbrecher haben größere Aufmerksamkeit verdient, auch wenn man sich an seine knarzige Stimme, den Sprechgesang und seine Direktheit mitunter erst gewöhnen muss. "Flüchtig" heißt sein neues Album - es geht um Flucht genauso, wie um die Flüchtigkeit der Welt. Die Sackgassen von Links und Rechts, keiner kann das dialektisch so in Songs verpacken wie Maurenbrecher. Und mit dem neuen Album kommt er am 2. Dezember auch zur MDR KULTUR-Studiosession.

Termine: 26./27./28.11.2017 | Berlin, Mehringhoftheater
03.11.2017 | Dresden, Kunsthof Gohlis
04.11.2017 | Görlitz, Apollo-Theater
09.11.2017 | Leipzig, Neues Schauspiel

Andrea Schroeder

Andrea Schroeder
Andrea Schroeder Bildrechte: dpa

"Where the Wild Oceans End" hieß das zweite Solowerk von Andrea Schroeder, die eigentlich aus Ostwestfalen stammt und heute in Berlin lebt. Es wurde wieder produziert von Chris Eckmann von den Walkabouts, genau wie das Debut "Blackbird". Schroeder arbeitet seit ein paar Jahren mit dem skandinavischen Gitarristen Jasper Lehmkuhl zusammen und gemeinsam erschaffen die beiden Lieder, deren Stimmung irgendwo zwischen Nick Cave und Nico zu verorten sind: Folk Noir, Großstadtlieder, Musik für die Dämmerung und die Nacht, man könnte es sich auch als Filmmusik vorstellen.

Kein Wunder, dass Andrea Schroeder auch die deutsche Version von David Bowies "Heroes"/"Helden" covert, sehr atmosphärisch, sehr gelungen. "Where the Wild Oceans End" ist ein echtes Kunstwerk. Sinnlich, elegant, stilsicher, zeitlos. Auch mit ihrem dritten Album "Void" hält Schroeder das Niveau. Ein Höhepunkt ihrer Karriere ist sicher die Beteiligung am Jeffrey Lee Pierce Session Project-Album "Axels and Sockets", wo sie neben Iggy Pop, Blondie, Nick Cave und anderen zu hören ist. Live ist Frau Schroeder ein Erlebnis - und Achtung, die Handtasche in der sie dauernd rumfummelt ist ein Instrument.

Termine: 18.11.2017 | Dresden, Beatpol
19.11.2017 | Berlin, Frannz Club
22.11.2017 | Zwickau, St. Barbara Kirche
24.11.2017 | Leipzig, UT Connewitz

Stacey Kent

Stacey Kent
Stacey Kent Bildrechte: dpa

Geboren in New York, wollte Stacey Kent einstmals Literaturwissenschaftlerin werden, hat sich dann aber doch fürs Singen entschieden. Inzwischen gehört die 49-jährige zur Gruppe der angesagten Star-Sängerinnen wie Diana Krall oder Patricia Barber. Kent kann auf etliche Bestseller-Alben, eine Aufreihung von Preisen - unter anderem den "British Jazz Award" (2001) und den "BBC Jazz Award als "Best Vocalist" (2002) - sowie ausverkaufte Konzerthallen auf dem ganzen Globus blicken.

Sie singt sauber, klar und mit einer perfekten Betonung - eher britisches  als amerikanisches Englisch, das mag auch daran liegen, dass sie größtenteils in London lebt. "I Know I Dream" ist Kents erstes Album mit großem Orchester und Songs von u.a. Antonio Carlos Jobim, Juliette Greco/Serge Gainsbourg, Nino Ferrer sowie vier eigenen Kompositionen. Zwei Songtexte hat übrigens der Literaturnobelpreisträger 2017 Kazuo Ishiguro mitgeschrieben.

Termine: 06.11.2017 | Dresden, Jazztage

11.11.2017 | Landsberg, Stadttheater

29.01.2017 | Berlin, Philharmonie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Tourkalender | 01. November 2017 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 15:28 Uhr

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