Der Schriftsteller Heinrich Böll
Heinrich Böll, 1982 Bildrechte: IMAGO

Lesung | 7.-22.12.2017 Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort

Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers

Heinrich Böll hat die deutsche Nachkriegsliteratur entscheidend mitgeprägt. Er war der Inbegriff des engagierten Autors und eine wichtige politische Stimme seiner Zeit. Zum 100. Geburtstag widmen wir uns dem Literaturnobelpreisträger in der Lesezeit. Frauke Poolman und Daniel Minetti lesen Heinrich Bölls Roman über eine Liebe in schwierigen Zeiten.

Der Schriftsteller Heinrich Böll
Heinrich Böll, 1982 Bildrechte: IMAGO

Heinrich Böll (1917-1985) stammte einer aus einer Kölner Handwerkerfamilie. Seine Herkunft, das katholische Milieu des Rheinlands und die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs haben seine Leben und Werk entscheidend geprägt. 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen, 1945 kehrte er als überzeugter Kriegsgegner in die zerstörte Heimat zurück. Den Menschen das erlebte Leid zu vermitteln, sah er als seine Aufgabe.

Mühsame Anfänge

Bölls schriftstellerische Anfänge waren mühsam, viele frühe Prosaarbeiten blieben unveröffentlicht. Erst der Preis der "Gruppe 47", den er 1951 erhielt, machte ihn in der Literaturszene bekannt. Sein Roman "Und sagte kein einziges Wort", der zwei Jahre später erschien, wurde Bölls erster großer literarischer Erfolg.

Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Fred Bogner, Telefonist bei einer kirchlichen Behörde, lebt seit Monaten von seiner Frau Käte und den Kindern getrennt. Er trinkt, spielt, hat Geldsorgen und streift durch die zerbombte Stadt. Es liest Daniel Minetti.

MDR KULTUR - Das Radio Do 07.12.2017 09:05Uhr 27:20 min

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Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Käte Bogner lebt nun allein mit den drei Kindern in dem Untermieterzimmer bei Frau Franke. Die fromme Katholikin macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Es lesen Frauke Poolman und Daniel Minetti.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 08.12.2017 09:05Uhr 28:01 min

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Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Fred hat die Nacht auf dem Bahnhof verbracht. Am Morgen beobachtet er eine junge Frau in einer Kirche und folgt ihr zu einer Imbissbude. Es lesen Frauke Poolman und Daniel Minetti.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 11.12.2017 09:05Uhr 28:37 min

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Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Für das Treffen mit Käte versucht Fred, sich Geld zu leihen. In der Stadt trifft er auf die vorbeiziehende Sonntagsprozession und sieht zufällig seine Kinder. Es liest Daniel Minetti.

MDR KULTUR - Das Radio Di 12.12.2017 09:05Uhr 27:51 min

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Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Fred hat in der Nähe des Bahnhofs ein billiges Hotel gefunden. Er telefoniert mit Käte, um sich für den Abend zu verabreden. Es lesen Frauke Poolman und Daniel Minetti.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.12.2017 09:05Uhr 27:58 min

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Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
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Käte bereitet sich auf das Treffen mit Fred vor. Nachdem der junge Mann gekommen ist, der die Kinder beaufsichtigen wird, macht sie sich auf den Weg. Es liest Frauke Poolmann.

MDR KULTUR - Das Radio Do 14.12.2017 09:05Uhr 24:58 min

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Und sagte kein einziges Wort

Das Buch spielt Anfang der 50er-Jahre in einer deutschen Großstadt. Fred Bogner, Telefonist bei einer kirchlichen Behörde, lebt seit zwei Monaten von seiner Frau Käte und den Kindern getrennt, weil er die beengten Wohnverhältnisse in einem einzigen Untermieterzimmer nicht mehr ertragen konnte. Auf Grund seiner zunehmenden Gereiztheit hatte er angefangen, seine Kinder zu schlagen und war, erschrocken über sich selbst, ausgezogen.

Nun streift er ziellos durch die zerstörte Stadt, geht in Kirchen und auf Friedhöfe, trinkt, spielt und hat ständig Geldsorgen. Er borgt sich Geld von seinen Bekannten, um sich von Zeit zu Zeit mit seiner Frau in einem billigen Hotelzimmer zu treffen. Eine Nacht in einem solchen Hotelzimmer in Bahnhofsnähe steht im Mittelpunkt des Romans, der sich auf die Begebenheiten an einem Wochenende konzentriert. Die dreizehn Kapitel des Buches werden abwechselnd aus der Sicht von Fred und Käte erzählt.

Fred und Käte lieben sich, aber die Armut, "die wir seit Jahren einatmen wie weißen Staub, den man nicht schmeckt, nicht spürt", ist dabei, ihr gemeinsames Leben zu zerstören. Vor allem für Käte wird die Situation immer belastender.

Ich weiß, dass du die Kinder liebst, auch mich, du liebst uns sehr – aber niemals denkst du daran, dass dein Zustand, der dir so unerträglich ist, dass du ihn fliehst – uns langsam mordet, weil du nicht bei uns bist.

Heinrich Böll "Und sagte keine einziges Wort"

Der Roman "Und sagte keine einziges Wort" begründete Bölls Ruhm als Chronist der Nachkriegszeit. In klarer, realitätsnaher Sprache schildert er die bedrückenden Lebensumstände, die materielle und seelische Not der Menschen in einer zunehmend unsolidarischen Gesellschaft. Als gläubiger Katholik setzt Böll sich kritisch mit der Institution der Kirche auseinander, die sich in äußerlichen Ritualen ergeht, aber das Leid der Menschen nicht wahrnimmt. Karl Korn, Mitherausgeber der FAZ, schrieb zum Erscheinen des Buches:

Der Roman darf ein Ereignis genannt werden, weil er […] die unmittelbare menschliche Not ehrlich und wahrhaftig ausspricht, nicht gescheit sein will, nur wahr, nichts als wahr, rücksichtslos wahr.

Karl Korn Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. April 1953

Der Schriftsteller Heinrich Böll

Der Schriftsteller Heinrich Böll
Heinrich Böll, 1977 Bildrechte: dpa

Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Nach dem Abitur begann er eine Buchhändlerlehre, die er bald abbrach. Vor seiner Einberufung zur Wehrmacht studierte er ein Semester Literatur und Philosophie. Nach dem Krieg begann Böll, kontinuierlich als Schriftsteller zu arbeiten.

Seit 1947 veröffentlichte er Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele, Theaterstücke und zahlreiche Essays. Zusammen mit seiner Frau Annemarie war er auch als Übersetzer englischsprachiger Literatur tätig. Böll erhielt 1972 den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich/Eifel.

Der Sprecher Daniel Minetti

Daniel Minetti, MDR Hörspielproduktion "So is dat Leven, Herr Schluck" am  05.09.2012
Daniel Minetti Bildrechte: MDR/ Stephan Flad

Daniel Minetti, 1958 in Berlin-Friedrichshain geboren, studierte nach dem Abitur an der Staatlichen Schauspielschule Berlin. 1981 gab er sein Schauspieldebüt am Dresdner Staatstheater.

Es folgten Bühnentätigkeiten an verschiedenen Berliner Bühnen, etwa der Volksbühne Berlin, dem Maxim-Gorki-Theater und dem Hebbel Theater, ehe er 1995 wieder ans Staatsschauspiel Dresden kam, wo er seitdem zum Ensemble gehört. Neben seiner Bühnentätigkeit arbeitet Minetti als Fernsehschauspieler sowie Sprecher für den Rundfunk.

Die Sprecherin Frauke Poolman

Frauke Poolmann als 'Betty Ratzel' bei der MDR Hörspielproduktion 'Ratzel speist im 'Falco'' am 17.03.2009 in der MDR-Hörfunkzentrale in Halle. Foto:
Frauke Poolmann Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Frauke Poolmann, geboren 1961 in Berlin, stammt aus einer niederländischen Theaterfamilie. Sie studierte Schauspiel an der Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig und war anschließend an verschiedenen Bühnen engagiert.

Neben ihrer Theaterarbeit ist sie auch als Synchronsprecherin sowie als Sprecherin für Hörbücher, Hörspiele, Features und Filmdokumentationen tätig. Seit 2007 unterrichtet Poolman an der Otto-Falckenberg-Schule in München Mikrofonsprechen.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Lesezeit
Heinrich Böll: "Und sagte kein einziges Wort"
Es lesen: Frauke Poolman und Daniel Minetti

Produktion: MDR 2005

Sendung:
7.-22.12.2017 | 09:05-09:35 Uhr | 12 Folgen

Wiederholung:
7.-22.12.2017 | 19:05-19:35 Uhr | 12 Folgen

Sie können die einzelnen Folgen dieser Lesezeit hier 7 Tage lang hören.

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 04:00 Uhr

Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
Bildrechte: Der Audio Verlag

Hörbuchtipp

Hörbuchtipp

Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
Ungekürzte Lesung mit Frauke Poolman und Daniel Minetti
1MP3 CD, Laufzeit: ca. 328 Miuten
Der Audio Verlag 2017
ISBN-13: 978-3742402073
10,00 Euro

Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch

Buchtipp

Buchtipp

Heinrich Böll: Und sagte kein einziges Wort
192 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-01333-7
14,90 Euro

Der Schriftsteller Heinrich Böll
Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 11.12.2017 22:00 23:30

MDR KULTUR - Hörspiel Zum Tee bei Dr. Borsig

Zum Tee bei Dr. Borsig

Von Heinrich Böll

Zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll

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