Kreideklippen von Étretat
Gustave Courbet: Die Klippen von Etretat nach dem Sturm (Ausschnitt), 1870 Bildrechte: IMAGO

Lesezeit | 27.02.-14.03.2017 Guy de Maupassant: Pierre und Jean

Guy de Maupassant gilt als Meister der Novellistik im 19. Jahrhundert. In seinem Roman "Pierre und Jean" erzählt er die Geschichte zweier rivalisierender Brüder vor der faszinierenden Kulisse der normannischen Küste. In der Lesezeit auf MDR KULTUR senden wir eine Lesefassung mit Hans-Helmut Dickow.

Kreideklippen von Étretat
Gustave Courbet: Die Klippen von Etretat nach dem Sturm (Ausschnitt), 1870 Bildrechte: IMAGO

Die Küste der Normandie mit ihrer faszinierenden Landschaft entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Aufenthaltsort für Künstler und Sommergäste. Guy de Maupassant (1850-1893), der hier seine Kindheit verbrachte und später zurückkehrte, machte das Meer und die heimatliche Küstenregion häufig zum Handlungsort seiner Romane und Novellen. 

Der Roman "Pierre und Jean", erschienen 1888, erzählt vom Leben der bürgerlichen Familie Roland in der normannischen Hafenstadt Le Havre. Im Zentrum der Handlung stehen zwei charakterlich gänzlich unterschiedliche Brüder: Pierre Roland, ein verschlossener und nervöser Arzt, und der lebensfrohe Jean, der soeben sein Jurastudium abgeschlossen hat.

Jean war ebenso blond wie sein Bruder dunkel, ebenso ruhig wie sein Bruder leidenschaftlich, ebenso sanft wie sein Bruder nachtragend.

Guy de Maupassant Pierre und Jean

Als der längst vergessene Freund der Familie Léon Maréchal überraschend Jean sein beträchtliches Vermögen hinterlässt, regen sich in Pierre Mißtrauen und Neid. Nach einigen Nachforschungen kommt die Wahrheit ans Licht: Seine Mutter Louise hatte einst eine Affäre mit Maréchal, der Jeans leiblicher Vater ist. Als Jean schließlich noch die attraktive Kapitänswitwe Rosémilly erobert, die auch von Pierre begehrt wird, reift in dem sich zurückgesetzt fühlenden Bruder ein radikaler Entschluss.

Als ein stummer, zurückhaltender, fremder Gast lebte er jetzt im Vaterhause. Seit jenem Abend, da er sich das fürchterliche Geheimnis seinem Bruder gegenüber hatte entschlüpfen lassen, fühlte er jedes Band zwischen sich und den Seinigen zerschnitten.

Guy de Maupassant Pierre und Jean

Der Schriftsteller Guy de Maupassant

Guy de Maupassant (1850-1893) gilt neben Stendhal, Balzac, Flaubert und Zola als einer der großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts. Er stammt aus einer alten lothringischen Adelsfamilie und wurde 1850 auf Schloss Miromesnil in der Normandie geboren.

Der Dichter Guy de Maupassant
Guy de Maupassant Bildrechte: IMAGO

Mauspassant studierte einige Zeit Jura in Paris, nahm am deutsch-französischen Krieg von 1870-1871 teil und war ab 1871 Beamter in Pariser Ministerien. Mit dreißig Jahren wurde er auch literarisch tätig. Gustave Flaubert unterstützte den jungen Dichter und brachte ihn in Kontakt mit Pariser Schriftstellern und Verlegern.

1880 erschien seine meisterhafte Novelle "Fettklößchen" und machte ihn schlagartig berühmt. Es folgte die Novellensammlung "Das Haus Tellier" (1881). In den folgenden zehn Jahren verfasste Maupassant rund 260 Novellen und sechs Romane, zu seinen bekanntesten zählen heute "Ein Leben" (1883) und "Bel Ami" (1885).

In seinen Werken verbindet Maupassant eine nüchterne Darstellung der Lebenswirklichkeit mit einem impressionistisch gefärbten Stil. Existentielle Konflikte, Milieuschilderungen und psychologische Analyse machen seine Novellen und Romane auch heute noch zur fesselnden Lektüre. Maupassant starb 1893 nach zweijähriger geistiger Umnachtung in Paris.

Der Sprecher Hans-Helmut Dickow

Hans-Helmut Dickow, 1927 geboren, absolvierte seine Schauspielausbildung am Dresdner Konservatorium sowie an der Hochschule für Musik und Theater in Dresden bei Erich Ponto und Paul Hoffmann. Nach seinem Bühnendebüt in Dresden folgten Engagements in Köln, Zürich und Stuttgart. Ab 1972 arbeitete Dickow fast ausschließlich für Fernsehproduktionen und war oft in TV-Serien wie Tatort und SOKO 5113 zu sehen.

Dickow war außerdem ein vielbeschäftigter Hörspielsprecher, er wirkte u.a. in einem der berühmten Paul-Temple-Hörspiele von Francis Durbridge mit und lieh dem Hobbydetektiv Paul Cox in der Hörspielreihe "Mein Name ist Paul Cox" (1956/1958) seine Stimme. Dickow starb 1989 in Stuttgart.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Lesezeit
Guy de Maupassant: Pierre und Jean
Es liest Hans-Helmut Dickow

Produktion: NDR 1982

Sendung:
27.02.- 14.03.2017 | 09:05-09:35 Uhr
12 Folgen

Wiederholung:
27.02.- 14.03.2017 | 19:05-19:35 Uhr
12 Folgen

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen diese Sendung leider nicht im Internet zum Hören anbieten. Das private Aufzeichnen von Radiobeiträgen ist zulässig. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite "Radiobeiträge aufnehmen mit Computer oder Smartphone".

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2017, 14:23 Uhr

Guy de Maupassant: Pierre und Jean
Bildrechte: Insel Verlag

Buchtipp

Buchtipp

Guy de Maupassant: Pierre und Jean
Insel Verlag 2004
ISBN: 978-3458347279
7,50 Euo

Meistgelesen bei MDR KULTUR