Franz Xaver Mozart
Franz Xaver Mozart (1791-1844) - er wurde sechs Monate vor dem Tod seines Vaters, Wolfgang Amadeus, geboren. Bildrechte: dpa

Neue Alben | 28.08.2017 Musik von Mozarts Sohn

Mozart kennen alle. Aber seinen Sohn? Hatte er überhaupt einen? Ja, er hatte einen Sohn - und der hat sogar trefflich komponieren. Franz Xaver Mozart hat vielleicht sogar den Romantiker Chopin beeinflusst. Keine schlechte Referenz, gilt doch Chopin bis heute als einer bedeutendsten Klavierkomponisten. Weitere Alben-Empfehlungen: Lyambiko mit Liebesbrief-Inspirationen, Fortuna Ehrenfeld gibt sich ernsthaft emotional, Gordi" mit einem beachtenswerten Debüt, Britta Schwarz singt Schemelli und ein großes Kurt-Masur-Paket.

von Claus Fischer und Hendryk Proske

Franz Xaver Mozart
Franz Xaver Mozart (1791-1844) - er wurde sechs Monate vor dem Tod seines Vaters, Wolfgang Amadeus, geboren. Bildrechte: dpa

"Franz Xaver Mozart, Frédéric Chopin - Polonaise"

Yaara Tal und Andreas Groethuysen sind definitiv eines der besten Klavierduos der Welt. Es gibt Kritikerkollegen, die sagen, das beste der Welt. Und sie haben auch eine gemeinsame Professur an der Münchner Musikhochschule im Fach Klavierduo, das ist einmalig in Deutschland!

Cd: "Polonaise" Musik von Franz Xaver Mozart, Frédéric Chopin Yaara Tal, Klavier Label: Sony Classical CD-Bestellnummer: 88985446942
"Franz Xaver Mozart, Frédéric Chopin - Polonaise"
Musik von Franz Xaver Mozart, Frédéric Chopin
Yaara Tal, Klavier
Label: Sony Classical
CD-Bestellnummer: 88985446942
Bildrechte: Sony Classical

Aber schon vor zwei Jahren hat Yaara Tal ein erstes Solo-Album herausgebracht, das von der Kritik einhellig gelobt wurde: Joseph Haydns "Sieben letzte Worte Jesu am Kreuz". Nun hat Yaara Tal noch abseitigeres Repertoire ausgegraben: Mozarts Sohn Franz Xaver Mozart, der, das bezeugen seine Zeitgenossen, ein ordentlicher Komponist war, der zeitlebens von seiner Kunst leben konnte. Mit seinen "Melancholischen Polonaisen", entstanden in Galizien, stieß er die Tür weit auf in Richtung Romantik und hat womöglich auch den jüngeren Frédéric Chopin zu seinen Polonaisen angeregt. Yaara Tals Klavierspiel ist prägnant und transparent, da macht das Zuhören Spaß! (cf)


Britta Schwarz: "Verleih uns Frieden gnädiglich"

Die Mezzosopranistin Britta Schwarz aus Dresden ist eine der profiliertesten Oratoriensängerinnen in Deutschland. Sie besitzt eine volle, warme Mezzosopranstimme, die sehr schnell fasziniert.

Cd: Britta Schwarz: "Verleih uns Frieden gnädiglich" Choräle aus der Sammlung des Georg Christian Schemelli Britta Schwarz, Mezzosopran Maria Graf, Harfe Margret Köll, Harfe Domen Marincic, Viola da Gamba Label: Querstand CD-Bestellnummer: VKJK 1703
Britta Schwarz: "Verleih uns Frieden gnädiglich"
Choräle aus der Sammlung des Georg Christian Schemelli
Britta Schwarz, Mezzosopran
Maria Graf, Harfe
Margret Köll, Harfe
Domen Marinčič, Viola da Gamba
Label: Querstand
CD-Bestellnummer: VKJK 1703
Bildrechte: Querstand

Diese CD mit Chorälen aus dem berühmten Gesangbuch des Zeitzer Kantors Georg Christian Schemelli war der Sängerin ein Herzensanliegen. Dafür hat sie drei befreundete Musiker mit ins Boot geholt: den Slowenen Domen Marinčič, einen der besten Gambisten Europas und die Barockharfenistin Margret Köll, die die Barockharfe spielt, ebenfalls eine Hausnummer in der Alte-Musik-Szene.

Das Ungewöhnliche: Es ist auch noch eine moderne Harfe dabei und die wird von Maria Graf gespielt. Sie war Soloharfenistin bei den Berliner Philharmonikern und ist heute Professorin an der Berliner Hanns-Eisler-Hochschule. So hört man die schlichten, frommen Gesänge neu, unter anderem auch in einem spannenden, modernen Arrangement des Komponisten Steffen Schleiermacher. (cf)


Kurt Masur: "Eurodisc Recordings"

Rund 25 Stunden Musik zur Erinnerung an zweifellos einen der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, der im Dezember 2015 verstorben ist: Kurt Masur.

Cd Kurt Masur: "Eurodisc Recordings" 16 CDs Gewandhausorchester Leipzig Leitung: Kurt Masur Label: Eurodisc CD-Bestellnummer: 88985435862
Kurt Masur: "Eurodisc Recordings"
16 CDs
Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Kurt Masur
Label: Eurodisc
CD-Bestellnummer: 88985435862
Bildrechte: Eurodisc

Die Aufnahmen entstanden zwischen 1970 und 1981, also in der Zeit vor der Einweihung des heutigen, dritten Gewandhauses. Enthalten sind sämtliche Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy, die vier Schumann-Sinfonien und alle Bruckner-Sinfonien. Dazu kommt Beethovens "Fidelio" mit herausragenden Sängern: Siegfried Jerusalem und Theo Adam.

Vieles war bislang noch nicht auf CD zu bekommen. Die Einspielungen entstanden in den Studios in der Leipziger Paul-Gerhardt-Kirche und in der Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis. Das große Manko allerdings: Es gibt kein Booklet, obwohl die Hintergründe dieser spannenden Aufnahmen bestens dokumentiert sind. Man hätte nur mal in der Dramaturgie des Gewandhauses nachfragen müssen. Aber die erstaunliche Leichtigkeit und Transparenz - etwa in den Mendelssohn-Sinfonien - entschädigt. Man staunt, wie visionär Masurs Lesart damals gewesen ist. (cf)


Lyambiko: "Love Letters"                    

Lyambiko: "Love Letters"
Lyambiko: "Love Letters"                    
Label: Sony Music
Bildrechte: Sony Music

Man muss kein hoffnungsloser Kulturpessimist oder bockiger Traditionalist sein, um festzustellen: Es gibt Gefühle, Worte und Sätze, die passen nicht in eine SMS oder einen Tweet. Dafür braucht es Papier, ein paar Seiten und einen Stift. Genauso wie es für guten Jazz ein paar Instrumente, aber eben auch eine gute Stimme braucht. Dass Lyambiko, die vielgepriesene und mit Preisen zu recht geehrte Sängerin mit Wurzeln in Thüringen, eine wunderbare Stimme hat, weiß man. Bevor sie sich an ihr aktuelles Album gemacht hat, fand sie in ihrem Haus in der Schweiz eine Kiste mit alten Liebesbriefen ihrer Schwiegergroßeltern. Briefe, die sich "wie ein Roman lasen", wie Lyambiko berichtet. Keine kurzen Informationen, keine Dates, kein "HDL" oder "ILD". Ausführlich formulierte Gedanken und Gefühle, Begebenheiten, Sorgen und Sehnsüchte. Das las sie und das inspirierte sie. Zu neuen eigenen Songs, aber auch zu Interpretationen bekannter Lieder, die mit den Mitteln des Jazz die Liebe beschreiben. "Love Letters" ist eine großartige Erinnerung an die Liebe und die Kunst, sie in Worte und Töne zu fassen. (hp)


Fortuna Ehrenfeld: "Hey Sexy"      

Das Ende der Coolness. So hieß sein Debüt damals beim Hamburger Label Grandhotel van Cleef. Das hieß für ihn so viel wie: Ich muss das jetzt selber machen. Mich nicht mehr hinterm Pult verstecken, wo ich für andere bisher geschrieben, getextet, produziert habe. Wo ich mich cool und entspannt zurücklehnen konnte. Da war ja keine Verantwortung. Also: raus aus dem Schatten. Ging gut. Jetzt gibt es das zweite Album.

Fortuna Ehrenfeld: "Hey Sexy"
Fortuna Ehrenfeld: "Hey Sexy"      
Label: Grand Hotel Van Cleef
Bildrechte: Grand Hotel Van Cleef

Fortuna Ehrenfeld ist eigentlich nur der Kölner Martin Bechler, unterstützt vom Produzenten Rene Tinner. Und wenn derzeit oft die Schwemme herumjammernder deutscher Popbarden beklagt wird, denen platte Texte und  zu viel inhaltsleere Befindlichkeit ohne Tiefgang vorgeworfen wird, dann ist Bechler der Gegenentwurf. "Was ist nur aus den Punks geworden, alle machen Webdesign", singt er und meint es. Bechler singt wie der Typ bei der Party, dem man auch nach dem dritten Bier noch gern zuhört, weil er gute Geschichten gut und stimmig erzählt. Und weil er Emotionen ernsthaft zeigt und deutet. Mit knarziger, manchmal nöliger Stimme zu bescheiden arrangierten Songs. Wenn Fortuna Ehrenfeld wirklich ein Fußballteam wäre, man würde sich gern eine Dauerkarte kaufen. (hp)


Gordi: "Reservoir"                               

Die Geschichte klingt vertraut: kleines Kind in einem kleinen Kaff. Die großen Metropolen mit ihren Ablenkungen und falschen Verspechen sind weit weg. Der Plattenschrank der Eltern ist real und vor allem näher. Darin steht das, was das Kind als erstes als Musik kennenlernt. Alte Folkhelden der Mutter. So erzählt es Sophie Payten, 1992 in einer Kleinstadt in der Nähe der australischen Ostküste geboren.

Lyambiko: "Love Letters"
Gordi: "Reservoir"                               
Label: Jagjaguwar
Bildrechte: Jagjaguwar

Jetzt veröffentlicht sie unter dem Namen "Gordi" ihr Debütalbum. Natürlich hat sie vorher das Kaff verlassen. Die große Stadt, Sydney, hat die Folk-Erinnerungen im Kopf mit modernen Sounds und Elektronik vermischt. Und so klingen Gordis Songs gleichzeitig seltsam vertraut und entrückt. Ihr Sound ist immer angenehm und warm, nie scharf oder kratzig. Wir hören Ansätze alter Songs, aber mit Lust am Sound-Experiment und Ideenreichtum bei der Instrumentierung formt sie Neues. Gordis angenehme, direkte, dunkle Stimme singt einem direkt ins Ohr, doch ohne sich aufzudrängen. Sie singt von ihrem Innersten und berührt damit ihre Hörer tief. "Ich schreibe, weil ich das brauche", sagt sie. Das möge noch lange so bleiben. (hp)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 28. August 2017 | 18:05 Uhr

Schallplatten, Musik, Platten, Plattensammlung, DJ
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Musik Neuvorstellungen Jeden Montag stellt Ihnen MDR KULTUR - Das Radio Neuerscheinungen vom Musikmarkt vor

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Insgesamt gibt es sechs Empfehlungen aus Jazz, Pop, Weltmusik, Chanson, Klassik, Barock etc. - zu hören montags zwischen 18:05 und 19:00 Uhr und in der Wiederholung sonntags zwischen 17:05 und 18:00 Uhr.