Georg Friedrich Händel - Neun Deutsche Arien - Marie Friederike Schöder - Batzdorfer Hofkapelle
Marie Friederike Schöder interpretiert Händel - das ist eine von unseren sechs Musikneuvorstellungen aus Klassik und Pop. Bildrechte: Accent

Neue Alben | 06.06.2017 Die perfekte Händel-Referenz von Sopranistin Schöder

Marie Friederike Schöder hat eine der beeindruckendsten Stimmen in Mitteldeutschland. Nun hat sch die Sopranistin aus Halle mit "Neun Deutsche Arien" Händel gewidmet und ihm und ihrer Heimatstadt voller Wärme und stimmlicher Flexibilität ihre Referenz erwiesen. Ihre neue CD ist eine unserer Neuvorstellungen der Woche. Außerdem dabei: Neue Alben von Miles Mosley, Camille, Diagrams, Kammerakademie Potsdam und Eduard Künneke.

von Claus Fischer und Heidi Eichenberg

Georg Friedrich Händel - Neun Deutsche Arien - Marie Friederike Schöder - Batzdorfer Hofkapelle
Marie Friederike Schöder interpretiert Händel - das ist eine von unseren sechs Musikneuvorstellungen aus Klassik und Pop. Bildrechte: Accent

Miles Mosley: "Uprising"

Label: Verve, 00602557587883

Miles Mosley - Uprising
Miles Mosley - Uprising Bildrechte: Verve

Mit dem Namen Miles Mosley verbindet sich vor allem die Erfolgsgeschichte eines Jazzkollektivs, das den Namen "The West Coast Get Down" (WCGD) trägt. Ihr Saxophonist Kamasi Washington sorgte 2015 mit seinem Album "The Epic" für sensationelle Begeisterung, vor allem weil er mit seiner Highschool- Band wie aus dem Nichts in  die Charts schoss. Nun tritt ein weiterer Gigant aus der zweiten Reihe dieser Band nach vorn: der Kontrabassist Miles Mosley .

Seit fast zehn Jahren sorgt der Musiker und Sänger mit der unverwechselbaren Ausdruckskraft von Funk, Soul, Gospel, Rhythm & Blues für Erstaunen unter anderem bei Kollegen wie Jeff Beck, Lauryn Hill oder Christina Aguilera. "Uprising" ist ein deutlicher Beweis, dass die kreativen Stilelemente des Jazz der jungen Stars aus Los Angeles längst im Pop angekommen sind. Dass Kamasi Washington am Saxophon mit von der Partie ist, versteht sich von selbst. (he)

Camille: "OUI"

Label: Because Music, 9029580642

Das faszinierendste an den meisten Stücken der französischen Sängerin ist, dass sie selten sofort ins Ohr gehen. Wenn sie dort aber einmal angekommen sind, hinterlassen sie einen starken Nachhall.

Camille - OUI
Camille - OUI Bildrechte: BECAUSE MUSIC

Dafür verantwortlich sind ihre spielerischen Versuche, sich selbst und die Welt im Innersten zu erkennen und dabei zu erkunden, was Sprache, Stimme und Instrumentarium an Möglichkeiten hergeben. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen konnte die Sängerin und Schauspielerin mit ihren vier einzigartigen Studioalben bis jetzt einheimsen.

In einer atemberaubenden Spanne zwischen puren Trommel-Rhythmen, schwebenden a capella Linien und Electro Beats ergießt sich Camilles Füllhorn aus Folk-Hymnen, Wiegenliedern und Pop-Balladen. Ausgelotet hat Camille ihre Schnittstellen zwischen Tradition und Moderne im ehemaligen Kloster La Chatreuse in Avignon,  das heute eine Künstlerresidenz ist. (he)

Diagrams: "Dorothy"

Label: Bookshop Records Limited, BKSHP1CD

Cool überspringt eine Generation, heißt es. Wieso sollte man dann nicht mal ein Album gemeinsam mit seiner Großmutter aufnehmen? Selbst wenn die 90-jährige Dorothy Trogdon aus der Gegend um Washington nicht wirklich die Großmutter von Singer Songwriter Sam Genders aus England ist – für sein neues Album haben sie eine ungewöhnliche Zusammenarbeit gewagt.

Diagrams - Dorothy
Diagrams - Dorothy Bildrechte: Bookshop Records Limited

Die Freundin von Genders las ein Buch mit Gedichten von Dorothy Trogdon. Inspiriert durch ihre Lektüre nahm der britische Musiker Kontakt auf zu der Dichterin und erkundete gemeinsam mit ihr das Leben, die Natur, Zweifel, Ängste und Unsicherheiten. Sie stellten fest, dass sie mehr miteinander teilten, als sie trennte. Gemeinsam feierten sie ihren Faible für das Wissenschaftliche, das Staunen angesichts der vielen Wunder, die die Welt zu bieten hat, und nicht zuletzt ihr Gefühl für Dankbarkeit.

Die gemeinsam entstandenen Songs sind so über Raum und Zeit hinweg zu einem Ort für beide geworden, der die Welt trotz aller Sorgen etwas freundlicher macht. (he)

Kammerakademie Potsdam: Felix Mendelssohn-Bartholdy

CD: Mendelssohn-Bartholdy, Sinfonie Nr. 3 "Schottische", Sinfonie Nr. 5 "Reformation"
Interpreten: Kammerakademie Potsdam, Antonello Manacorda
Label: Sony Classical 88985433222

Felix Mendelssohn-Bartholdy - Sinfonie Nr. 3 Schottische - Sinfonie Nr. 5 Reformation - Kammerakademie Potsdam, Antonello Manacorda
Felix Mendelssohn-Bartholdy - Sinfonie Nr. 3 Schottische - Sinfonie Nr. 5 Reformation - Kammerakademie Potsdam, Antonello Manacorda Bildrechte: Sony Classical

Es ist nicht übertrieben, hier von einer Offenbarung in Sachen Mendelssohn-Interpretation zu sprechen! Die Musiker der Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda blasen den Staub, der sich über diese Musik gelegt hat, vollkommen weg, indem sie wesentlich schlanker, durchsichtiger und prägnanter spielen als zum Beispiel das Leipziger Gewandhausorchester.

Die Kammerakademie Potsdam ist inzwischen klanglich das Aushängeschild der brandenburgischen Landeshauptstadt. Vor zwei Jahren hat es für die Einspielung der Sinfonien Franz Schuberts unter Antonello Manacorda den ECHO-Klassik bekommen. Für Mendelssohn ist zu hoffen, dass auch der weit seriösere Preis der Deutschen Schallplattenkritik bald einmal fällig wird! (cf)

Georg Friedrich Händel: Neun Deutsche Arien

CD: Georg Friedrich Händel, Neun Deutsche Arien
Interpreten: Marie Friederike Schöder, Batzdorfer Hofkapelle
Label: Accent ACC 24326

Georg Friedrich Händel - Neun Deutsche Arien - Marie Friederike Schöder - Batzdorfer Hofkapelle
Georg Friedrich Händel - Neun Deutsche Arien - Marie Friederike Schöder - Batzdorfer Hofkapelle Bildrechte: Accent

Die Hallenserin Marie Friederike Schöder ist eine der besten Koloratursopranistinnen, die wir im Bereich der Alten Musikszene in Mitteldeutschland haben. Im Jahr 2008 hat sie beim Leipziger Bachwettbewerb den ersten Preis gewonnen und seither an einer soliden Karriere gearbeitet. Direkt nach dem Studium bekam die Hallenserin erstes Engagement am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt. Von 2009 bis 2013 gehörte sie dem Solistenensemble der Oper Halle an. Seither ist sie freischaffend tätig und singt an großen Häusern wie der Semperoper Dresden und auf renommierten Konzertpodien wie dem Leipziger Gewandhaus.

Große Flexibilität, aber auch eine Wärme und Grundtönigkeit, die man bei Sopranistinnen seltener hat, zeichnen diese Stimme aus. Mit dieser CD erweist Marie Friederike Schöder Händel und ihrer Heimatstadt Halle die perfekte Referenz. (cf)

Eduard Künneke: Piano Concerto op. 36

CD: Eduard Künneke, Piano Concerto op. 36 – Serenade – Zigeunerweisen
Interpret: Oliver Triendl, Münchner Rundfunkorchester, Ernst Theis
Label: classic production Osnabrück cpo  555015-2

Mit dem Meisterwek "Der Vetter aus Dingsda" katapultierte sich Eduard Künneke in die erste Riege der Operettenkomponisten. Das war 1921. Bereits im Alter von sieben Jahren spielte der Kaufmannsohn aus Emmerich am Niederrhein bereits Klaviersonaten von Haydn, Mozart und Beethoven und versetzte damit die Eltern in Erstaunen. Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium erlaubten sie ihm denn auch, in Berlin Musikwissenschaft zu studieren. Nebenbei ließ er sich an der Hochschule für Musik zum Komponisten und Dirigenten ausbilden, sein bekanntester Lehrer war Max Bruch.

Eduard Künneke - Piano Concerto op. 36 - Serenade - Zigeunerweisen - Oliver Triendl - Münchner Rundfunkorchester, Ernst Theis
Eduard Künneke - Piano Concerto op. 36 - Serenade - Zigeunerweisen - Oliver Triendl - Münchner Rundfunkorchester, Ernst Theis Bildrechte: Classic Produktion Osnabrück

In dieser Zeit schrieb Eduard Künneke seine ersten Kompositionen, die er aber – leider aus heutiger Sicht – zum großen Teil später verbrannt hat. Die Zigeunerweisen, die sich unter anderem auf dieser neuen CD mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ernst Theis finden, sind zum Glück erhalten geblieben. Das Konzert für Klavier und Orchester hat Künneke dagegen erst 1935 in Berlin komponiert – auf der Höhe seines Schaffens als Unterhaltungskomponist.

Er kannte den Swing, den Blues, die amerikanische Tanzmusik und hat solche Elemente bewusst in dieses Klavierkonzert eingebaut, trotz Zensur durch die Nazis. Es ist ein großer Gewinn, dass der geniale Münchner Pianist Oliver Triendl dieses Werk jetzt in digitaler Qualität mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ernst Theis neu aufgenommen hat. (cf)

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 06.06.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 13:46 Uhr

Musik Neuvorstellungen Jeden Montag stellt Ihnen MDR KULTUR - Das Radio Neuerscheinungen vom Musikmarkt vor

Jeden Montag stellt Ihnen MDR KULTUR - Das Radio Neuerscheinungen vom Musikmarkt vor

Insgesamt gibt es sechs Empfehlungen aus Jazz, Pop, Weltmusik, Chanson, Klassik, Barock etc. - zu hören montags zwischen 18:05 und 19:00 Uhr und in der Wiederholung sonntags zwischen 17:05 und 18:00 Uhr.