Erde hinter Mond
Der Weltraum ist zwar geheimnisvoll, aber nicht alles ist unerklärlich. Bildrechte: imago/Ikon Images

"Das All und das Nichts – von der Schönheit des Universums" Stefan Klein erklärt uns den Weltraum

von Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Erde hinter Mond
Der Weltraum ist zwar geheimnisvoll, aber nicht alles ist unerklärlich. Bildrechte: imago/Ikon Images

Wie der Titel schon verrät, geht es um die großen und magischen Räume, die uns umgeben – und die wir bis ins letzte Detail niemals werden erkunden können. So jedenfalls erklärt es Stefan Klein, Deutschlands bekanntester Wissenschaftsjournalist, der dieses Buch, "Das All und das Nichts", geschrieben hat. Klein, der Redakteur beim "Spiegel" und bei der Zeitschrift "Geo" war, wurde 2002 mit dem Bestseller "Die Glücksformel" bekannt und veröffentlicht seitdem Bücher, mit denen sich auch der Laie an komplexe naturwissenschaftliche Fragen herantasten kann.

Naturwissenschaft im Alltag

Schon in seinem Vorwort betont er, dass keinerlei Vorkenntnisse nötig sind, um dieses Buch zu verstehen; vielmehr seien es Neugier und Phantasie, die der Leser mitbringen sollte.

Klein erzählt in anschaulicher Sprache vom Urknall, von der Entstehung der Planeten, von dunkler Materie und vom Vergehen der Zeit, und der Autor fügt immer wieder kleine Geschichten ein, die einzelne naturwissenschaftliche Erkenntnisse in alltägliche Erfahrungen übersetzen.

MDR KULTUR-Literaturkritiker Jörg Schiecke

Wissenschaft vs. Poesie

Stefan Klein: 'Das All und das Nichts – von der Schönheit des Universums'
Das Buchcover zu "Das All und das Nichts – von der Schönheit des Universums" Bildrechte: S. Fischer Verlag

Das Buch setzt ein mit einem Nachdenken über den Konflikt zwischen Wissenschaft und Poesie, der seit der Aufklärung vehement verhandelt wird: Wenn wir immer mehr über die Natur und den Menschen wissen, wird unsere Welt dann nicht zu einem langweiligen, weil eben durch und durch enträtselten Ort? Ist die Wissenschaft sozusagen der Killer der Poesie? Und das ist ein geschickt gewählter Ausgangspunkt, denn nun kann Klein demonstrieren, wie sich mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis – sei sie noch so bahnbrechend – doch sofort wieder unendlich viele neue Fragestellungen ergeben. Und die Antworten bzw. die möglichen Antworten übersteigen oft das, was wir uns auch mit allergrößter Phantasie vorstellen können.

Was Weltraummaterie mit Schach zu tun hat

Klein verweist etwa auf die so gern als übermächtige Maschinenhirne angeführten Schachcomputer, die aber auch nur ewige Anfänger sind. Denn der Computer kann summen und rechnen wie er will, auch er kann nur einen Bruchteil aller möglich Varianten des Spielverlaufs erfassen. Zufällig, so schreibt Klein, entspricht die Datenmenge, die sämtliche im Weltall existierenden Teilchen aufnehmen könnten, in etwa der Zahl der möglichen Spielverläufe im Schach. Man bräuchte also die gesamte Materie des Weltraums, um alle möglichen Schachspiel-Verläufe aufzuzeichnen! Dieser Reichtum an Möglichkeiten, ist wiederum noch übersichtlich im Vergleich zu dem, was an Variationen des Wetters möglich ist. Es ist also schlichtweg normal, dass der Wetterbericht oft falsch voraussagt, weil eben die Dynamik in der Atmosphäre von keinem Computer der Welt umfassend berechnet werden kann. Trotz aller Wissenschaft: Der poetische Moment, ohne Schirm in den Regen zu tappen, bleibt uns erhalten.

Eine Welt des Zufalls

Und so ist es mit allem: Wir wissen viel über Energiekreisläufe, können die Entstehung der Erde auf einen Moment vor 4,5 Milliarden Jahren datieren – aber zugleich müssen wir immer noch von dunklen Energien und dunkler Materie sprechen, die die Entstehung der Materie zwar ermöglicht haben – über die wir aber doch wenig wissen. Wir können und müssen davon ausgehen, dass die Welt an vielen Stellen vom Zufall geregelt wird. Die Unordnung ist das Wahrscheinliche, die Ordnung das Unwahrscheinliche. Welch ein Zufall etwa, dass aus toter Materie einst überhaupt Leben entstanden ist: Große Moleküle mussten Zellen bilden und sich so zusammensetzen, dass sie sich fortpflanzen konnten. Die Chance, dass dergleichen von selbst geschieht, sei vergleichbar mit der Chance, dass ein Wirbelsturm, der durch einen Schrottplatz jagt, aus den herumliegenden Teilen einen Jumbojet baut, spottete der englische Astrophysiker Fred Hoyle einmal.

Angaben zum Sachbuch Stefan Klein: "Das All und das Nichts – von der Schönheit des Universums"
240 Seiten, gebunden
S. Fischer Verlag
20,00 Euro
ISBN 978-3-10-397261-0

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Sonntagnachmittag | 05. November 2017 | 13:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2017, 15:24 Uhr

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