Die Sonderausstellung „Gesten – gestern, heute, übermorgen“ (17.11.2017 - 04.03.2018) im Industriemuseum Chemnitz befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Handhabung, Technik und Gesten. Am Beispiel des Spinnens wird dabei deutlich, dass basale Handbewegungen im Laufe der Technik- und Industriegeschichte an Geräte und Maschinen, wie bspw. die im Bild gezeigte Spinning Jenny, delegiert werden.
Die Ausstellung in Chemnitz beleuchtet den Zusammenhang zwischen Handhabung, Technik und Gesten. Bildrechte: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt

Sonderausstellung "Gesten – gestern, heute, übermorgen" Chemnitz spricht mit den Händen

Die Sonderausstellung „Gesten – gestern, heute, übermorgen“ (17.11.2017 - 04.03.2018) im Industriemuseum Chemnitz befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Handhabung, Technik und Gesten. Am Beispiel des Spinnens wird dabei deutlich, dass basale Handbewegungen im Laufe der Technik- und Industriegeschichte an Geräte und Maschinen, wie bspw. die im Bild gezeigte Spinning Jenny, delegiert werden.
Die Ausstellung in Chemnitz beleuchtet den Zusammenhang zwischen Handhabung, Technik und Gesten. Bildrechte: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt

In Chemnitz eröffnet am Freitag die Sonderausstellung "Gesten – gestern, heute, übermorgen" im Sächsischen Industriemuseum. Dort wird der Frage nachgegangen, wie die menschliche Gestik und der Gebrauch von Werkzeugen voneinander beeinflusst sind. Dabei steht der Wandel der industriellen Produktion in Vergangenheit und Zukunft im Fokus.

Die Ausstellung beschreibt unter anderem die Rolle von Gesten in der verbalen und nonverbalen Kommunikation. So zeigen etwa mittelalterliche Darstellungen, wie wichtig Schwur-Gesten für den Abschluss von Verträgen waren. Außerdem gibt es viele Ausstellungsstücke zum Mitmachen - etwa einen Kasten, in den man seine Hand legt, die daraufhin per Software virtuell transformiert wird und zum Beispiel plötzlich sieben Finger hat.

Prof. Dr. Ellen Fricke (Inhaberin der Professur Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation an der TU Chemnitz) und Dr. Oliver Brehm (Museumsleiter des Industriemuseums Chemnitz und Geschäftsführer des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum ) in telefonischem Kontakt: Im Rahmen der Sonderausstellung „Gesten – gestern, heute, übermorgen“ (17.11.2017 - 04.03.2018) im Industriemuseum Chemnitz geht es auch darum, wie Gesten Merkmale historischer Handhabungen im kulturellen Gedächtnis konservieren: Im Bild wird erkennbar, wie die übliche Telefongeste nicht an zeitgenössischen Gerätetypen angepasst wird, sondern die Form alter Apparate bewahrt.
Prof. Dr. Ellen Fricke (TU Chemnitz) und Dr. Oliver Brehm (Sächsisches Industriemuseum) in telefonischem Kontakt: Mit altmodischem Apparat und der noch nicht ausgedienten Geste. Bildrechte: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt

Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes an der TU Chemnitz. Der Zusammenhang zwischen Händen, Dingen und Gesten wird aus einer linguistisch-semiotischen und einer arbeitswissenschaftlichen Forschungsperspektive reflektiert und zugleich künstlerisch beleuchtet. Wie historisch entstandene Gesten im kulturellen Gedächtnis bleiben, obwohl sie eine Tätigkeit eigentlich nicht mehr treffend beschreiben, zeigt die Geste zum Telefonieren: Noch immer ahmen wir mit Daumen und Zeigefinger einen Telefonhörer nach, obwohl Telefone inzwischen ganz anders aussehen.

Eine vom Ars Electronica Futurelab entwickelte Splitscreen-Präsentation erlaubt es dabei, während der Videobetrachtung die Bildebene zu wechseln und zwischen Gestenaufzeichnung und Gestenanalyse hin- und herzuspringen.
Eine Splitscreen-Präsentation erlaubt es, während der Videobetrachtung die Bildebene zu wechseln und zwischen Gestenaufzeichnung und Gestenanalyse hin- und herzuspringen. Bildrechte: Michael Mayr, Ars Electronica Futurelab

Vergangene, gegenwärtige und zukünftige Beispiele illustrieren, wie Objekte und ihre Nutzung in der Gestik zusammenwirken. Ein Rundgang durch die Kulturgeschichte der Werkzeuge offenbart die große Bedeutung der Hand in ihrer Bedienung. Über eine Splitscreen-Präsentation kann man beispielsweise erfahren, wie sprachwissenschaftliche Gestenforschung arbeitet, indem man während der Videobetrachtung zwischen Gestenaufzeichnung und Gestenanalyse wechselt.

Visionär wird es mit Einblicken in die kontaktlose Gestensteuerung unterschiedlichster Anwendungen. So stehen in dieser Ausstellung verlorene und noch nicht etablierte Gesten nebeneinander und bringen Licht in die Kulturgeschichte der Gesten. Für den Blick in die Zukunft steht dabei ein Roboter, der ursprünglich entwickelt wurde, um in einer Fabrik Ventile zu montieren. Für die Ausstellung wurde er so umprogrammiert, dass er auf Gesten reagiert und auf Ja-Nein-Fragen selbst nickt oder mit dem Kopf schüttelt.

Informationen zur Ausstellung Sonderausstellung "Gesten – gestern, heute, übermorgen"
17. November 2017 bis 4. März 2018

Sächsisches Industriemuseum Chemnitz
Zwickauer Straße 119
09112 Chemnitz

Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag: 10 bis 17 Uhr
Montag: geschlossen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 17. November 2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2017, 12:46 Uhr

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