Der Eingangsbereich zur Elbphilharmonie über die Bogenrolltreppe.
Eingangsbereich zur Hamburger Elbphilharmonie Bildrechte: dpa

Elbphilharmonie nach fast zehn Jahren Bauzeit eröffnet Hamburgs neues Wahrzeichen

Als spektakuläres Wahrzeichen soll die Elbphilharmonie die Hansestadt Hamburg in aller Welt bekannter machen. Doch der Bau geriet zum Desaster: Erst nach drastischen Kostensteigerungen und mit mehrjähriger Verspätung wurde das neue Konzerthaus am Mittwoch mit einem Festakt und einem Konzert eröffnet. Zu den 2.100 geladenen Gästen zählten auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel.

Der Eingangsbereich zur Elbphilharmonie über die Bogenrolltreppe.
Eingangsbereich zur Hamburger Elbphilharmonie Bildrechte: dpa

In Hamburg wurde am Mittwoch die Elbphilharmonie eröffnet. Zum Festakt und zum Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters wurden 2.100 Gäste erwartet; darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel.

Nach Einschätzung der Deutschen Orchestervereinigung wird die Elbphilharmonie die Musikkultur in Deutschland insgesamt beflügeln. Wie Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, mitteilte, wird die Spielstätte in ihrer Architektur und mit ihren Angeboten viele Menschen ansprechen, die bislang "eher wenig klassikaffin waren". Dies zeige sich schon jetzt. Die enorme Nachfrage nach Konzertkarten im In- und Ausland sei ein Beleg für die neue Attraktivität live gespielter klassischer Musik.

Bau wurde zum Desaster

Elbphilharmonie Hamburg
Umstrittenes Großbauprojekt: die Elbphilharmonie in Hamburg Bildrechte: Maxim Schulz

Doch die Eröffnung erinnert auch daran, zu welch einem Desaster der Bau der Spielstätte wurde. Im April 2007 war der Grundstein für die Philharmonie gelegt worden. Eigentlich sollte der Bau 2010 fertig sein. Doch aus drei Jahren Bauzeit wurden beinahe zehn.

Wegen ihrer Bauverzögerung und der enormen Kosten gehört die Elbphilharmonie an den Landungsbrücken in der Hamburger Hafencity zu den umstrittensten Großbauprojekten der vergangenen Jahre. Waren die Baukosten am Anfang auf rund 186 Millionen Euro veranschlagt worden, soll der als Hamburger Wahrzeichen gedachte Neubau am Ende 866 Millionen Euro kosten. Davon muss die Stadt Hamburg laut Senat 789 Millionen Euro beisteuern – zehn Mal so viel, wie zu Beginn diskutiert wurde.

Markenzeichen wie Golden Gate Bridge

Jetzt sind die Ansprüche an die Spielstätte hoch. Das Konzerthaus ist 110 Meter hoch und soll Hamburg mit seinem geschwungenen Wellendach als unverwechselbares "Markensymbol" im globalen Bewusstsein verankern – wie etwa die Golden Gate Bridge in San Francisco oder die Oper in Sydney. Die Idee dahinter ist, dass sich Metropolen im globalen Standortwettbewerb herausheben müssen, um Firmen, Kreative und Touristen anzuziehen.

Die Elbphilharmonie soll künftig die Heimat des NDR-Sinfonieorchesters sein – und ein Musikhaus von Weltrang werden. Ihr Herzstück ist der Große Saal mit 2.100 Plätzen – mit geschwungenen Zuhörerbalkonen nach dem Vorbild von Weinbergterrassen. Flankiert wird der Konzertbetrieb durch kommerziell vermarktete Bereiche, wie zum Beispiel ein Restaurant, ein Hotel und 45 Luxuswohnungen.

Hamburgs neues Wahrzeichen Elbphilharmonie - Konzerthaus der Superlative

Am 11. Januar 2017 wird die Elbphilharmonie Hamburg feierlich eröffnet. Vom Gesamtkunstwerk aus Architektur und optimaler Akustik schwärmen die einen. Über das Millionengrab für Steuergelder schimpfen die anderen.

Elbphilharmonie Hamburg - Nordansicht abends
Mit der Elbphilharmonie bekam Hamburg ein neues Wahrzeichen, so wie 1973 Sydney in Australien mit seinem avantgardistischen Opernhaus. Der Entwurf der "gläsernen Welle" auf einem Kaispeicher stammt vom Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron. International bekannt wurde es u. a. durch den Umbau eines Londoner Kraftwerks zum Kunstmuseum Tate Modern. Bildrechte: Thies Rätzke
Elbphilharmonie Hamburg - Luftbild
Der gläserne Neubau mit seiner geschwungenen Dachlandschaft erhebt sich an der Westspitze von Hamburgs Hafencity über dem Sockel eines entkernten Kaispeichers aus den 60er-Jahren. Er beherbergt zwei Konzertsäle, ein Hotel mit 244 Zimmern, 44 Eigentumswohnungen sowie im Sockel ein 7-stöckiges Parkhaus. Bildrechte: Michael Zapf
Elbphilharmonie Hamburg - Großer Saal
Herzstück der Elbphilharmonie ist der Große Konzertsaal mit 2.100 Plätzen. Aus Gründen des Schallschutzes ruht er, vom restlichen Gebäude entkoppelt, auf über 360 Federpaketen. Das Orchesterpodium ist von Zuschauerrängen umgeben, die ähnlich wie Weinterrassen angeordnet sind. Kein Zuhörer soll weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt sein. Jeder dritte soll ihm ins Gesicht schauen können. Bildrechte: Michael Zapf
Elbphilharmonie Hamburg - Decke im Großen Saal
Wand und Decke des Konzertsaales gehen bruchlos ineinander über. Beide sind verkleidet mit den Akustikplatten, der sogenannten "weißen Haut". Unter der nach oben spitz zulaufenden Decke hängt, wie eine riesige Schalmei, der Reflektor, welcher den Schall im Saal gleichmäßig verteilen soll und zugleich einen Teil der Bühnen- und Lichttechnik aufnimmt. Bildrechte: Michael Zapf
Elbphilharmonie Hamburg
Die "weiße Haut" an Wand und Decke des Großen Konzertsaales besteht aus 10.000 Gipsfaserplatten verschiedener Stärke und mit unterschiedlicher Oberflächenstruktur, die aufgrund von 3-D-Berechnungen computergesteuert millimetergenau gefräst wurden. Entwickelt hat sie gemeinsam mit den Architekten und Brandschutz-Experten der renommierte japanische Akustiker Yasuhisa Toyota. Bildrechte: Bertold Fabricius
Elbphilharmonie Hamburg - Nordansicht abends
Mit der Elbphilharmonie bekam Hamburg ein neues Wahrzeichen, so wie 1973 Sydney in Australien mit seinem avantgardistischen Opernhaus. Der Entwurf der "gläsernen Welle" auf einem Kaispeicher stammt vom Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron. International bekannt wurde es u. a. durch den Umbau eines Londoner Kraftwerks zum Kunstmuseum Tate Modern. Bildrechte: Thies Rätzke
Baukräne stehen um die Baustelle der Hamburger Elbphilharmonie.
Nach dem ersten Spatenstich im April 2007 wurde zunächst der backsteinerne Kaispeicher aus den 60er-Jahren entkernt und saniert. Schon 2008 musste die Stadtverwaltung eine Kostensteigerung von 209 Millionen Euro für den Steuerzahler und eine Verzögerung um zwei Jahre einräumen. 2011 verhängte die Firma Hochtief einen weitgehenden Baustopp. Bildrechte: dpa
Der ehemalige CDU-Bürgermeister Ole von Beust sitzt am 14.02.2013 in Hamburg im Rathaus im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie.
Im Mai 2010, kurz vor dem Richtfest der Elbphilharmonie, setzte die Hamburger Bürgerschaft einen Untersuchungsausschuss zu den Ursachen der Mehrkosten ein. Ole von Beust (CDU), bis August 2010 Hamburgs Erster Bürgermeister, übernahm 2012 die politische Verantwortung. Im Abschlussbericht wurden außerdem schlechte Planung und Chaos auf der Baustelle genannt. Bildrechte: dpa
Elbphilharmonie Hamburg - Querschnitt
Der Querschnitt durch die Elbphilharmonie zeigt im Sockelbereich das Parkhaus und das Kaistudio für experimentelle Musik und Workshops (links unten) sowie die bogenförmige Rolltreppe ("Tube") zur Plaza zwischen Sockel und gläsernem Überbau. Oben in der Mitte liegt der Große Saal, links davon der Kleine Saal, darüber die Foyer-Bar. Hinter der Glasfassade befinden sich links Hotelzimmer und rechts Wohnungen. Bildrechte: Herzog & de Meuron /bloomimages
Elbphilharmonie Hamburg - Kleiner Saal
Der Kleine Saal der Hamburger Elbphilharmonie hat die klassische Schuhkartonform. Er ist ebenfalls akustisch vom Gebäude entkoppelt, und auch hier sorgen Akustik-Wände für einen optimalen Klang. Durch flexible Podest-Technik und eine Bestuhlung für bis zu 550 Besucher eignet er sich besonders für Kammermusik, Jazz oder Soloabende. Bildrechte: Michael Zapf
Das NDR Elbphilharmonie Orchester
Residenzorchester in Hamburgs imposantem neuem Konzerthaus ist das Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks unter Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock. Seit April 2016 trägt es den Namen Elbphilharmonie Orchester Hamburg. Im November 2016 es seine neuen Arbeitsräume bezogen – Stimmzimmer, Instrumenten- und Notenlager. Erstmals in der über 70-jährigen Orchestergeschichte können die Musiker jetzt in demselben Saal proben und konzertieren. Bildrechte: Marcus Höhn
Elbphilharmonie Hamburg - Orgel im Großen Saal
Die Orgel aus der Werkstatt von Johannes Klais in Bonn ist vor allem für die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Kompositionen zugeschnitten. Sie hat vier Manuale und 69 Register mit 4.765 Pfeifen. Diese sind in, neben und hinter den Zuschauerrängen untergebracht, das Fernwerk der Orgel im Deckenreflektor des Konzertsaals. Bildrechte: Michael Zapf
Iveta Apkalna an der Orgel in der Elbphilharmonie
Die Orgel verfügt über zwei Spieltische: einen mechanischen, der fest mit dem Instrument verbunden ist und einen mobilen, der vom Orchesterpodium aus gespielt werden kann. Betreut wird das außergewöhnliche Instrument von der Titularorganistin der Elbphilharmonie Iveta Apkalna aus Lettland. Bildrechte: dpa
Der Eingangsbereich zur Elbphilharmonie über die Bogenrolltreppe.
Der Hauptzugang für die Besucher von der Straße her oder aus dem Parkhaus mit seinen rund 500 Stellplätzen erfolgt über eine 82 Meter lange gebogene Rolltreppe durch die Sockelgeschosse des einstigen Speichers, die sogenannte "Tube". Bildrechte: dpa
Elbphilharmonie Hamburg
Die frei zugängliche Plaza in 37 Metern Höhe zwischen Sockel und Glasfassade ist das Aussichtsgeschoss, das die gesamte Elbphilharmonie umgibt. Mit rund 4.000 Quadratmetern ist es fast so groß wie der Hamburger Rathausmarkt und erlaubt Konzertbesuchern, Touristen und Hotelgästen einen Blick über die Stadt und den Hafen. Innen liegen die Foyers der Konzertsäle und die Lobby des Hotels. Bildrechte: Iwan Baan
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Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 11.01.2017 | 18:05 - 19 Uhr sowie ab 20 Uhr in der Liveübertragung

Ab Donnerstag Vormittag können Sie das Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie eine Woche lang im MDR KULTUR-Webchannel hören.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 21:18 Uhr

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