Szene aus der Serie 'Game of Thrones'
Szene aus der Serie "Game of Thrones", 6. Staffel Bildrechte: IMAGO

Neue Staffel "Game of Thrones" startet Wie sich "Game of Thrones" an der Geschichte bedient

"Game of Thrones" startet in die nächste Runde. Die Serie, die mit so großem Erfolg Fantasy mit dem Mittelalter zusammenführt, geht bei SKY in die siebte Staffel. Was die historische Seite dieser Paarung angeht, orientiert sich "Game of Thrones" an sehr konkreten Vorbildern. Wir zeigen, an welchen. Vorsicht: Wer noch nicht alle Staffeln durch hat - Spoiler!

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR-Autor

Szene aus der Serie 'Game of Thrones'
Szene aus der Serie "Game of Thrones", 6. Staffel Bildrechte: IMAGO

Lord Eddard Stark, Ich möchte Euch zur rechten Hand des Königs ernennen. Ich habe diese Ehre nicht verdient. Ich habe nicht vor, Dich zu ehren. Ich will, dass Du mein Königreich lenkst. Während ich esse, trinke und mich vorzeitig in die Gruft hure.

Robert Baratheon in "Game of Thrones", Staffel 1 Folge 1

Wider besseren Wissens und wider seinem Wunsch wird Lord Stark diesem Auftrag Folge leisten. Und wird dafür bezahlen. Selbst film- und fernseherfahrene Zuschauer dürften einigermaßen überrascht sein, als der gute und bis dato als Held ausgemachte Mann am Ende der ersten Staffel von "Game of Thrones" seinen Kopf verliert.

George R. R. Martin hat intensive Recherchen betrieben in Europa. Und er ist häufig in Deutschland gewesen. Was ihn reizte, war deutsche Burgen zu besuchen. Er hat eine Burg nach der anderen besucht, und vor jeder Burg ist er niedergekniet. Hat die Erde geküsst und gesagt: ein großartiges Zeugnis der Vergangenheit.

Rolf Giesen, Fantasy-Experte

George R. R. Martin, das ist der Verfasser der Vorlage von "Game Of Thrones", der Verfasser von "Das Lied von Eis und Feuer". Der Umsetzung dieser Sage steht Rolf Giesen allerdings eher zwiespältig gegenüber:

Leider steht die Serie etwas zu sehr im Gefolge dieser Visual Effects-Blockbuster und auch der Computerspiele und zu wenig in der literarischen Tradition von Martin und Tolkien.

Rolf Giesen, Fantasy-Experte

Nichtsdestotrotz: Noch nie setzten sich ein Fantasyfilm oder eine Fantasyserie auf solch komplexe Weise wie bei "Game of Thrones" mit dem Mittelalter auseinander. Dabei führten solche Arbeiten oft in jene Epoche oder in von dieser Zeit inspirierte Welten.

Die Schattenseiten, Intrigen und Verrat wurden durchaus ins Bild gerückt und wirkten doch zumeist von romantischem Puderzucker überstreut. Bei der HBO-Serie werden sie gnadenlos ausgeleuchtet: die Prostitution, der Dreck, die formvollendete Bosheit. Und was die differenzierten Charaktere betrifft, sind sie im Fantasybereich absolute Ausnahmeerscheinungen.

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lanniser und Lena Headey als Cersei Baratheon
Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister und Lena Headey als Cersei Baratheon Bildrechte: IMAGO

Für gewichtige Elemente der Serie steht die Geschichte der Menschheit selbst Pate. Das ist bereits verschiedentlich dargestellt worden: so fänden sich die Rosenkriege zwischen den Yorks und den Lancasters, die Konflikte um die englische Krone im 15. Jahrhundert, in der Serie wieder - natürlich aufgearbeitet. Die gigantische Mauer in "Game of Thrones" im Norden der sieben Königslande orientiere sich an dem im zweiten Jahrhundert errichteten Hadrianswall: der nördlichen Grenzbefestigung der Römer im heutigen Großbritannien. Königsmund wiederum, die Hauptstadt von Westeros, bedeute die Wiederaufstehung des historischen Konstantinopel. Rolf Giesen entdeckt indes noch andere Inspirationsquellen der Serie:

Es gibt Elemente der Untergangsmythologie, die hier sehr gut dargestellt werden, Ragnarök, die nordische Vorstellung vom Ende der Welt und im Heldentum, dass da reflektiert wird, in den letzten Relikten des Heldentums, ist sozusagen die britische Geschichte vom König Artus.

Rolf Giesen, Fantasy-Experte

Hadrian Wall
Der Hadrianswall war eine römisches Grenzbefestigung über eine Länge von über 117 Kilometer und eine Höhe von 5 Metern. Bildrechte: IMAGO

Trotz der mittelalterlichen Szenerie von "Game of Thrones" ist Fantasy-Experte Rolf Giesen der Überzeung, dass sich die Serie grundsätzlich um das Jetzt dreht. Und das mache auch ihren Erfolg aus:

'Game of Thrones' erzählt mehr über uns heute als über das Mittelalter: Über unsere Ideale, von denen wir wissen, dass sie verloren sind wie Ritterlichkeit und Tugend. Und über unsere Ängste. Im Grunde ist die Serie eine Unterweisung in Hoffnungslosigkeit. Ich würde sagen, sie ist eine Metapher für den Untergang unserer eigenen, westlichen Kultur in mittelalterlicher Fassade.

Rolf Giesen, Fantasy-Experte

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 18.07.2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 15:26 Uhr

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