Der Pokemon-Trainer Ash Ketchum und sein kleiner Freund, das Pokemon Pikachu
Pokemon-Trainer Ash Ketchum und sein kleiner Freund, das Pokémon Pikachu Bildrechte: dpa

Pop-Kulturgeschichte Wie die Pokémon die Welt eroberten

Im Prinzip ist die Sache mit dem Erfolg von "Pokémon Go" ganz einfach: Es ist eine Geschichte vom Sammeln. Früher waren es Beeren, dann Briefmarken, heute sind es Monster - das macht die Pokémon nun schon seit zwei Jahrzehnten so erfolgreich.

von Sabrina Gebauer

Der Pokemon-Trainer Ash Ketchum und sein kleiner Freund, das Pokemon Pikachu
Pokemon-Trainer Ash Ketchum und sein kleiner Freund, das Pokémon Pikachu Bildrechte: dpa

Zuerst war das Ei da. Aus diesem Ei schlüpfte der Gott aller Pokémon: Arceus. Er schuf weitere göttliche Pokémon, die Zeit, Raum und Materie, sowie Emotionen und Wissen entstehen ließen. Es klingt wie eine griechische Mythologie, und tatsächlich ist die Welt der Pokémon ebenso ein riesiges Fantasiegebilde. Selbst die Evolutionsgeschichte der Pokémon wird innerhalb dieser Welt untersucht, es gibt Forschungszentren etwa in der erfundenen "Marmoria City", die sich mit Pokémon-Fossilien beschäftigen. Aber was sind überhaupt Pokémon?

Die Pokémon sind sozusagen die Tiere in dieser Welt. Es gibt wild lebende Tiere, die von den Menschen in sogenannten Poké-Bällen gefangen und domestiziert werden können. Und verschiedene Menschen treten in Arenen mit ihren Haustieren gegeneinander an – es ist wie ein sportlicher Wettkampf, bei denen kein Pokémon zu Tode kommt. Aber Tierschützer gibt es in diesem Universum sowieso nicht.

Pokémon bevölkern unsere Welt

Das undatierte Handout zeigt den Holzschnitt "Unter der Woge vor der Küste von Kanagawa" des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (1760-1849).
"Unter der Woge vor der Küste von Kanagawa" vom japanischen Künstler Katsushika Hokusai Bildrechte: dpa

In unserer Realität beginnt die Geschichte der Pokémon weder mit dem Schöpfungs-Pokémon Arceus noch beim Anbeginn der Zeit, sondern im Jahr 1996. In diesem Jahr wurde das Gameboy-Spiel in Japan auf den Markt gebracht. 1998 kam es dann nach Deutschland. Es wurde zum Vorzeigeprojekt des Videospiel-Herstellers Nintendo und zu einem der erfolgreichsten Manga-Spiele überhaupt.

Hierzulande kennt man den Begriff Manga zwar schon seit dem 19. Jahrhundert – damals wurde die Kunst des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai so bezeichnet, dessen berühmtester Holzschnitt den Titel "Unter der Woge vor der Küste von Kanagawa" trägt – aber ihren großen Durchbruch erlebten die Mangas in Form von Comics in Deutschland erst Ende der neunziger Jahre. Neben "Dragon Ball" und "Sailor Moon" spielten die Pokémon bei dieser Manga-Erfolgsgeschichte eine entscheidende Rolle. Die Videospiele verkauften sich weltweit über 200 Millionen Mal.    

Das sind sie, die "Pocket Monsters" als vielgestaltige Helden in den Kinderzimmern.
Franchise-Artikel in allen Formen und Farben begleiteten das Erscheinen der "Pokémon"-Spiele. Bildrechte: DPA

Zu diesem Ausnahmeerfolg beigetragen hat ein außerordentliches Marketingkonzept: In der Manga-Branche wurde üblicherweise nämlich erst der Comic veröffentlicht, begleitet von einer Fernsehserie und Fanartikeln wie Sammelfiguren. Bei Pokémon hingegen wurde zuerst das Gameboy-Spiel auf den Markt gebracht, Comic und Serie folgten erst als Teil des PR-Konzepts. Auch die Sammelkarten, die Ende der neunziger Jahre die Schulhof-Kultur prägten, gehörten dazu.

Eine Geschichte vom Sammeln

Aber es war nicht nur dieses Marketing allein, das die Pokémon über Jahre hinweg so erfolgreich macht. Das Konzept des Spiels hat einfach einen Nerv getroffen, der im Menschen seit der Steinzeit stark verankert ist: Die Sammelleidenschaft. Sowohl im Gameboyspiel, bei den Karten als auch jetzt bei der neuesten Variante, der App "Pokémon Go": Es geht immer ums Sammeln. Diejenigen, die verständnislos die Köpfe schütteln, wenn sie derzeit Horden von jungen Menschen mit ihren Smartphones durch die Landschaften und Innenstädte streunen sehen, haben vielleicht Verständnis, wenn man ihnen sagt: Diese jungen Menschen sammeln quasi Briefmarken 2.0. Genauso wie ein Briefmarkensammler von der "Blauen Mauritius" angezogen wird, sehnt sich der Pokémon-Spieler nach einem "Arktos". Mit "Pokémon Go" wird eine Tradition fortgeführt – die Kultur des Sammelns. Und schon Goethe sagte: "Sammler sind glückliche Menschen." – Und er musste es wissen, denn er selbst war Autographensammler.

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2016, 15:03 Uhr

Was heißt Pokémon?

Was heißt Pokémon?

Das Wort Pokémon stammt aus dem Japanischen und ist die Abkürzung für Poketto Monsutā, das heißt Taschenmonster. Die Monster können in der Poké-Welt in der Tasche transportiert werden, weil sie in Bällen gefangen werden.

Schon gewusst?

Schon gewusst?

Die Firma Nintendo gibt es schon seit 1889. Damals stellte sie noch Spielkarten her. Der japanische Name Nintendo heißt soviel wie "Lege das Glück in die Hände des Himmels".