Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau öffnet einen Band aus dem Hans-Sachs-Nachlass.
Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau öffnet einen Band aus dem Hans Sachs-Nachlass Bildrechte: dpa

Stadtarchiv Zwickau Hans-Sachs-Nachlass wird digitalisiert

Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau öffnet einen Band aus dem Hans-Sachs-Nachlass.
Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau öffnet einen Band aus dem Hans Sachs-Nachlass Bildrechte: dpa

Im Zwickauer Stadtarchiv wird der künstlerische Hans-Sachs-Nachlass digitalisiert. 1.900 Spruchgedichte, mehr als 120 Tragödien und Komödien sowie 85 Fastnachtsspiele werden Seite für Seite mit einer hochauflösenden Digitalkamera abfotografiert. Konnte der Nachlass bisher nur auf Mikrofilm vor Ort angesehen werden, ist er nach Beendigung der Digitalisierung per Internet weltweit nutzbar.

Rund die Hälfte der insgesamt 9.432 Seiten sind bereits digitalisiert. Im Auftrag der Sächsischen Landesbibliothek betreut die Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau das Projekt, gemeinsam mit ihrem Kollegen Alexander Tröger von der Berliner Firma Kulturgutscanner. Finanziert wird es über das Landes-Digitalisierungsprogramm des Freistaats.

Unglaubliche Schätze wie rohe Eier behandelt

Aufgrund der Beschaffenheit und Einmaligkeit müssen wir sehr vorsichtig vorgehen. So öffnen wir die Bücher zum Beispiel nur in einem Winkel bis 90 Grad.

Viola Rosenau

Weil die 500 Jahre alten Originale hochempfindlich sind, können zum Beispiel keine handelsüblichen Scanner verwendet werden, da bei diesen der Buchrücken durchgedrückt werden würde. Stattdessen haben die Spezialisten eine keilförmige Vorrichtung entwickelt, die mit schwarzem Stoff bespannt ist. Dort wird jeder der 15 Bände hingelegt und gut ausgeleuchtet.

Die wertvollen Bücher mit Holzeinband sind normalerweise unter Verschluss und lagern bei konstanten 18 Grad und 50 bis 55 Prozent Luftfeuchte im Magazin, verrät Archivleiterin Silva Teichert.

Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen alle Seiten über die Website der Landesbibliothek abrufbar sein. Bis dahin haben die Digitalisierer noch alle Hände voll zu tun. Denn die Präzisionsarbeit wird nicht nur durch verzogene Holzeinbände oder verklebte Buchseiten erschwert. Eine benachbarte Baustelle und vorbeidonnernde Laster sorgen durch Erschütterungen für zusätzlichen Aufwand.

Der Nachlass zählt zu den absoluten Schätzen des Archivs und ist von internationalem Wert.

Projektleiter Benny Dressel

Über Hans Sachs

Hans Sachs gilt als bedeutender deutscher Dichter, Meistersinger und Dramatiker. Er schuf mehr als 6.000 einzelne Werke. Im Zuge der Nachlassregelung seines Urenkels Johann Pregels gelangte im Jahre 1633 ein Großteil der Bände durch Ankauf in den Besitz der Stadt Zwickau.

Die Meistersingerlieder machen den Großteil des Gesamtwerkes von Hans Sachs aus. Mehr als 2.000 geistliche und 2.300 Lieder weltlichen Inhalts sind erhalten geblieben. Entsprechend der Statuten der Meistersingergesellschaften durften diese nicht gedruckt werden. Daher blieben sie weitgehend unbekannt.

Zu den wohl bekanntesten von Sachs' Spruchgedichten gehört das 1523 als Flugschrift veröffentlichte Spruchgedicht "Die Wittenbergisch Nachtigall", in dem er sich zur lutherischen Lehre bekannte. Ab 1523 trat Sachs als engagierter Befürworter der Reformation hervor.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kultur Kompakt | 31.03.2017 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2017, 16:52 Uhr

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