Kultur

Religion und Gesellschaft | Thema der Woche : Kirche und Homosexualität

Die Kirche hat sich mit Homosexualität schon immer schwer getan. In Sachsen droht sie jetzt die Kirche gar zu spalten. Hintergrund sind die Pläne der Evangelischen Landeskirche, die Pfarrhäuser, wie in anderen Landeskirchen bereits üblich, für homosexuelle Paare zu öffnen - vorausgesetzt, sie leben in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft und haben den Segen ihres jeweiligen Kirchenvorstands.

Ein homosexuelles Paar küsst sich nach derTrauung

Die Befürworter sehen in der Entscheidung der Evangelischen Landeskirche Sachsens eine längst überfällige Reform. Für ihre Kritiker hingegen stellt sie alles in Frage, allen voran das biblische Verständnis von Ehe und Familie. Familie ist in diesem Sinn ein Bund zwischen Mann und Frau. Im 21. Jahrhundert ist es jedoch längst Alltag, dass Männer nicht nur Frauen lieben und Frauen nicht nur Männer. Und viele Gemeinden haben sich mit den modernen Lebensformen gut arrangiert: Es gibt Pfarrerinnen und Pfarrer, die allein leben, geschieden, neu verheiratet oder kinderlos. Hauptsache sie sind glaubwürdig in ihrem Tun. Doch wie soll man Sonntag für Sonntag predigen, was im Widerspruch zum eigenen Leben steht?

Neubestimmung eigener Standpunkte

Versteht man die Verkündigung von Gottes Wort als theologisches Nachdenken über die Heilige Schrift in einer sich ständig verändernden Gesellschaft, so bedeutet dies auch immer die Neubestimmung eigener Standpunkte. Schließlich sind biblische Texte auch als immer wieder interpretatorisch überarbeitete Überlieferungen zu sehen. Klare "Schriftbeweise" werden nicht immer der Komplexität des Lebens gerecht.

"Markersbacher Erklärung"

Die Kirchenvorstände von mehr als 120 Gemeinden vornehmlich aus dem als konservativ bekannten Erzgebirge haben sich jedoch gegen die geplante Öffnung der sächsischen Pfarrhäuser für homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer ausgesprochen. In der so genannten "Markersbacher Erklärung" bitten sie die Kirchenleitung um die Beibehaltung der bisherigen Regelung nach der "eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird".

Im nah_dran-Magazin (23. Februar, 22:35 Uhr) kommen sie zu Wort ebenso wie ihre Kritiker, z.B. die Verfasser einer Erklärung aus dem Kirchenbezirk Leipziger Land. Sie trägt den Titel "Auch unter Christen - Liebe zum gleichen Geschlecht." Darin heißt es:

"Da wir davon ausgehen, dass kurzfristig keine überall in der Landeskirche akzeptierte Regelung gefunden werden wird, regen wir an, sehr bald Möglichkeiten sowohl für eine gelebte homosexuelle Partnerschaft im Pfarrhaus und als auch für die Segnung homosexueller Paare dort zu eröffnen, wo die Gemeinden dem nicht entgegenstehen."

Verfasser einer Erklärung aus dem Kirchenbezirk Leipziger Land

nah_dran-Reportage "Steffen und Stefan"

Auch Stefan träumt von einer Segnung. Seit 20 Jahren sind er und sein Freund Steffen die Protagonisten der aktuellen nah_dran-Reportage ("Steffen und Stefan", 16. Februar, 22:35 Uhr), ein Paar, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Steffen ist streng katholisch und fromm. Er betet mehrmals täglich und beichtet jede Form von Sexualität. Sein Freund Stefan ist evangelisch und als bunter Vogel im Ort bekannt. Sein Glaube ist ihm weniger wichtig als seine äußere Erscheinung - das richtige Make-up, die passenden Schuhe, das passende Kleid. Nach 20 Jahren Beziehung möchte Stefan endlich "Ja" sagen. Von Heirat jedoch will sein Freund Steffen nichts wissen. Schließlich ist eine Eheschließung zwischen Mann und Mann in der katholischen Kirche nicht erlaubt.

Homosexualität in der Kirche wird wohl immer Fragen aufwerfen, vor allem die nach dem eigenen Verständnis von der Bibel und von Kirche an sich.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2012, 20:15 Uhr

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