Isabel Allende
Die gebürtige Chilenin Isabel Allende ist eine der meistgelesenen Autorinnen in spanischer Sprache. Weltweit verkaufte sie 65 Millionen Bücher. Ihr bekanntestes ist "Das Geisterhaus". Bildrechte: dpa

Isabel Allende zum 75. Geburtstag Was wäre ein Leben ohne Kitsch?

Sie ist die berühmteste chilenische Schriftstellerin und genießt seit ihrem Debüt "Das Geisterhaus" von 1984 Weltruhm. Allein in Deutschland wurde der Roman fast drei Millionen Mal gedruckt. Am 2. August 1942 wurde Isabel Allende geboren.

Isabel Allende
Die gebürtige Chilenin Isabel Allende ist eine der meistgelesenen Autorinnen in spanischer Sprache. Weltweit verkaufte sie 65 Millionen Bücher. Ihr bekanntestes ist "Das Geisterhaus". Bildrechte: dpa

Ihren ersten Roman begann Isabel Allende 1981 ohne es zu wissen. Denn ursprünglich sollte es ein imaginärer Brief an ihren verstorbenen Großvater werden. Daraus entwickelte sich dann das Manuskript zum Weltbestseller "Das Geisterhaus" (1982), der Chronik einer südamerikanischen Familie bis hin zum Militärputsch von Pinochet. 1993 wurde der Debütroman unter anderem mit Meryl Streep, Glenn Close, Winona Ryder und Armin Mueller-Stahl verfilmt. Bis heute ist es Allendes erfolgreichstes Werk – allein in Deutschland wurde es drei Millionen Mal gedruckt. Bis heute hat Allende 22 Romane verfasst, darunter auch die Titel "Eva Luna" (1987) oder "Inés meines Herzens" (2006). Sie verfasste aber auch Jugendbücher wie "Die Stadt der wilden Götter" (2002). Viele davon drehen sich um starke Frauen, die Liebe und das Leben über Generationen hinweg. 2010 hat Isabel Allende den chilenischen Nationalpreis für Literatur erhalten.

Allende gilt als eine Vertreterin des Magischen Realismus, der vor allem auch vom südamerikanischen Schriftsteller Gabriel García Márquez ("Hundert Jahre Einsamkeit") geprägt wurde; rationale Wirklichkeit und Fantasie werden in ihren Texten verwebt – die nüchterne Realität trifft auf den Mythen- und Geisterglauben Lateinamerikas. Insgesamt verkaufte Isabel Allende 67 Millionen Bücher. Ihre jüngeren Romane kamen bei vielen Literaturkritikern allerdings nicht mehr gut an. Sie sei ein "kommerzielles Phänomen", schrieb etwa eine mexikanische Kritikerin.

Was wäre ein gelungenes, intensiv geführtes Leben ohne die Momente von Kitsch und Selbsttäuschung darin? Allendes Romane beglaubigen die Macht der Gefühle und erfinden der Seele dazu die passende Landschaft: Seite für Seite, Roman für Roman, zur Freude der Leser überall auf der Welt.

Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Kurzfassung eines bewegten Lebens

Isabel Allende wurde am 2. August 1942 als Tochter eines chilenischen Diplomaten in Lima, Peru geboren. Nach der Trennung der Eltern verbrachte sie jedoch den Großteil ihrer Kindheit bei der Mutter und dem Großvater in Santiago de Chile. Da ihre Mutter später erneut einen Diplomaten heiratete, besuchte Isabel sowohl Schulen in  lateinamerikanischen als auch in europäischen und arabischen Städten.

Anfang der 60er-Jahre war Isabell Allende eine bekannte Fernsehjournalistin. Sie war Moderatorin einer Fernsehsendung über die Weltkampagne gegen den Hunger von den Vereinten Nationen. Später entwickelt sie sich zu einer engagierten Frauenrechtlerin und gründete die erste feministische Zeitschrift Chiles "Paula", benannt nach ihrer Tochter, welche bereits mit 28 an einer Stoffwechselerkrankung starb und Allende zu ihrem Roman "Paula" inspirierte.

Schon gewusst? Der Vater von Isabell Allende war der Cousin von Salvador Allende, dem chilenischen Präsidenten, der beim Militärputsch 1973 ums Leben kam, welcher den Diktator Augusto Pinochet an die Macht brachte.

Nach dem Militärputsch in Chile durch Pinochet, bei dem Präsident Allende gestürzt wurde, verließ Isabell Allende zusammen mit ihrer Familie das Land und lebte daraufhin mehr als zehn Jahre in Venezuela. Seit 1988 lebt Isabel Allende in Kalifornien und ist seit 2003 US-amerikanische Staatsbürgerin. Auch aktuell engagiert sie sich noch politisch. Den US-Präsidenten Trump beschreibt sie als einen "wild gewordenen Stier" und als Mann "skrupelloser Geschäfte"; er sei "das Schlimmste, was dem Land passieren konnte". Bei ihrem letzten Besuch in Deutschland während der Frankfurter Buchmesse 2015 zeigte sie sich besonders bewegt von der europäischen Flüchtlingskrise:

Die Menschen sind verzweifelt. Man verlässt seine Heimat nicht einfach so. Man steigt nicht in ein Boot mit den kleinen Kindern und riskiert sein Leben, wenn das Zuhausebleiben nicht viel, viel schlimmer wäre.

Isabel Allende, 2015

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kultur Kompakt | 02.08.2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 10:48 Uhr

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