Karin Dor
Karin Dor (1938 - 2017) Bildrechte: dpa

Bekannt aus "James Bond" und "Winnetou" Schauspielerin Karin Dor gestorben

Karin Dor
Karin Dor (1938 - 2017) Bildrechte: dpa

Die Schauspielerin Karin Dor ist tot. Sie starb am Montagabend nach mehreren Stürzen in einem Pflegeheim, wie die Komödie im Bayerischen Hof in München am Mittwoch mitteilte. Dor wurde 79 Jahre alt.

Berühmtheit erlangte sie 1967 in "James Bond 007 - Man lebt nur zweimal" an der Seite von Sean Connery. Sie war das einzige deutsche Bond-Girl bislang und hat zudem in mehreren Filmen der Edgar-Wallace-Reihe und in einigen Karl-May-Verfilmungen mitgespielt. 

Erste Rolle: "Rosen-Resli"

1938 wurde sie in Wiesbaden als Kätherose Derr geboren. Ihre Karriere begann früh. Als Jugendliche erhielt sie 1954 ihre erste kleine Rolle in "Rosen-Resli", wo sie nur einen einzigen Satz sprach:

Himmlisch, Frau Chefin, einfach himmlisch!

Karin Dor in "Rosen-Resli"

Regisseur Harald Reinl war hin und weg. Er engagierte sie für sein nächstes Projekt "Der schweigende Engel" und führte sie auch gleich vor den Traualtar.

"Schutzbedürftige Schönheit"

Winnetou (Pierre Brice) versorgt seine große Liebe, die mutige Häuptlingstochter Ribanna (Karin Dor).
Szene aus "Winnetou II": Winnetou (Pierre Brice) versorgt seine große Liebe, die mutige Häuptlingstochter Ribanna (Karin Dor) Bildrechte: ARD Degeto

Karin Dor brillierte besonders in der Rolle "der verfolgten Unschuld, der grundlos Verdächtigten und der schutzbedürftigen Schönheit - eine Idealbesetzung für die Edgar-Wallace-Krimis und Karl-May-Verfilmungen", wie es im Munzinger-Archiv heißt. Dors Paradeblick: große, entsetzt aufgerissene Augen. Ein Image, das ihr irgendwann nicht mehr behagte. Dor wollte diese Rollenklischees hinter sich lassen, was Reinl unterstützte. In "Zimmer 13" besetzte er sie als pathologische Mörderin und in seinem zweiteiligen "Nibelungen"-Epos spielte sie die Brunhilde.

International bekannt wurde sie als James-Bond-Girl Helga Brandt an der Seite von Sean Connery. Die Szene, in der sie dem gefesselten Agenten erst eine schallende Ohrfeige gibt, ihn dann mit einem Skalpell bedroht und schließlich zärtlich küsst, gehört zu den eigenartigsten Momenten in der weltweit erfolgreichen Kinoreihe. Am Ende wird sie von Piranhas gefressen. Danach bekam sie ein Angebot von Alfred Hitchcock, der sie 1969 als Kubanerin für den Spionagethriller "Topas" engagierte.

Krebserkrankung und Scheidung

Privat ging es bei Dor in dieser Zeit auf und ab. 1955, im Jahr nach der Hochzeit mit Reinl, wurde ihr Sohn Andreas geboren. Gut 14 Jahre lang hielt die Ehe mit dem Regisseur, bis sie 1968 geschieden wurde. Außerdem ein Schicksalsschlag: Krebs. Doch Dor ließ sich nicht unterkriegen, auch wenn es ruhiger um sie wurde.

Im US-Fernsehen sah man sie 1970 in der Krimi-Serie "Der Chef". Zuletzt wirkte sie in zwei Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen in den Jahren 1997 und 2000 mit. Im Drama "Ich bin die Andere" von 2006 spielte sie eine alkoholkranke Mutter, deren Tochter (gespielt von Katja Riemann) unter einer Persönlichkeitsspaltung leidet.

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Katin Dor und Trude Herr im Fernsehfilm "Im schwarzen Rössl" Bildrechte: MDR/DEGETO

Gefallen fand Dor auch am Boulevard- und Komödientheater, wo sie unter anderem mit Claus Biederstaedt auftrat in dem Stück "Der Neurosenkavalier". Noch zwei Mal war Dor nach ihrer Trennung von Reinl verheiratet. Eine Kurzehe mit einem Kaufmann, dann ab 1988 mit dem US-Amerikaner und Stuntman George Robotham, der 2007 starb.

Große Filmmomente

Unvergessen bleiben Dors große Filmmomente. Auch Pierre Brice hatte einen eindeutigen Lieblingsmoment mit Dor, die ihn in "Winnetou II" so hingebungsvoll anschmachtet. Das verriet der 2015 gestorbene Brice einmal "Spiegel Online", womit er wohl vielen Dor-Fans aus dem Herzen gesprochen haben dürfte:

Die Szene in der Tropfsteinhöhle ist meine allerliebste, wenn Karin Dor mir zuruft "Was sagt Winnetous Herz?" und ich antworte "Ribanna".

Pierre Brice

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 09. November 2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 10:31 Uhr

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