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18. Juli 2013 : Nelson Mandela - Südafrikas Ikone wird 95 Jahre alt

Die Öffentlichkeit nicht nur in Südafrika schreckte hoch, als vor wenigen Wochen die Meldung um die Welt ging, Nelson Mandelas gesundheitlicher Zustand sei kritisch. Schon bereitete sich das Land auf das Schlimmste vor. Unvorstellbar erscheint ein Südafrika ohne ihn. Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident Südafrikas, feiert am Donnerstag seinen 95. Geburtstag.

Nelson Mandela

Nelson Mandela ist die unumstrittene Symbolfigur des friedlichen Übergangs von der Apartheidpolitik zu einem freiheitlich-demokratischen Südafrika. Darüber hinaus gilt der erste demokratisch gewählte schwarze Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger neben Martin Luther King und Malcolm X als wichtigster Vertreter des Kampfes gegen die Unterdrückung der Schwarzen weltweit.

"Der, der die Äste bricht"

Nelson Mandela, geboren am 18. Juli 1918 als Sohn eines Häuptlings , ist der, "der die Äste bricht". Das zumindest ist sein eigentlicher Name Rolihlahla in der Sprache seines Xhosa-Volkes - und das bedeutet soviel wie Unruhestifter. Erst auf einer Missionsschule gibt ihm seine erste Lehrerin den Namen Nelson. Mit 21 Jahren fängt er ein Jurastudium an der Universität Fort Hare an, der bis in die 1960er-Jahre einzigen höheren Bildungsanstalt für schwarze Afrikaner in Südafrika. Hier beginnt als Mitglied des Studentenrates seine politische Laufbahn. Eine Protestaktion und eine bevorstehende arrangierte Hochzeit führen schließlich dazu, dass er 1941 die Universität und die Region verlässt. In Johannesburg findet er als Anwaltsgehilfe Arbeit, nimmt ein Fern- und schließlich ein Direktstudium auf. Zusammen mit seinem Weggefährten Oliver Tambo eröffnet Mandela 1952 das erste von Schwarzen geführte Rechtsanwaltsbüro in Johannesburg.

Engagement im ANC und Arbeit im Untergrund

Mit 26 Jahren wird Mandela 1944 Mitglied des African National Congress (ANC), der sich für die Abschaffung aller diskriminierenden Gesetze gegenüber Schwarzen und volle Bürgerrechte für alle Südafrikaner einsetzt. Mandela – stets diszipliniert arbeitend – steigt bereits wenige Jahre später zum Vizepräsidenten der schwarzen Widerstandspartei auf. Doch der weißen Minderheitsregierung ist die Emanzipationsbewegung der Schwarzen ein Dorn im Auge: Nach einer in schweren Krawallen endenden Protestaktion nahe Johannesburg wird der ANC 1960 verboten.

Mandela arbeitet daraufhin im Untergrund weiter und gründet den militanten Flügel des ANC, der von politischen Kadern aus der Sowjetunion, aber auch der DDR geschult wird. Wegen seiner Untergrundarbeit wird der Anti-Apartheid-Kämpfer 1962 erst zu einer mehrjährigen und 1964 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ingesamt 27 Jahre verbringt Mandela im Gefängnis, den Großteil davon auf der berüchtigten Gefängnis-Insel Robben Island. Dort ist er in einer lediglich vier Quadratmeter großen Einzelzelle untergebracht. Die zumeist politischen Gefangenen müssen auf der Insel in einem Steinbruch arbeiten, bis ihr Wille zur Freiheit gebrochen ist. Das Gefängnis ist heute ein Museum.

Friedensnobelpreis für eine Aussöhnung in Südafrika

Händedruck zwischen den beiden Friedens-Nobelpreisträgern Nelson Mandela (l) und Frederik de Klerk am 10. Dezember 1993 in Oslo.
Händedruck zwischen den beiden Friedens-Nobelpreisträgern Nelson Mandela (l) und Frederik de Klerk am 10. Dezember 1993 in Oslo.

Auch wenn es keine Fotos aus seiner Haftzeit gibt, wird Mandela zur Symbolfigur für Aussöhnung und Gewaltlosigkeit in Südafrika schlechthin und muss 1990 auf jahrelangen Druck der Weltöffentlichkeit freigelassen werden. Durch seine Verhandlungen mit dem südafrikanischen Präsidenten Frederik Willem de Klerk trägt Mandela wesentlich zu einem friedlichen Ende der Rassentrennung in Südafrika bei. Beide Männer einigen sich bei ihren Gesprächen auf die Abschaffung aller Apartheidgesetze, die unter anderem vorsehen, dass Schwarze und Weiße in getrennten Wohngebieten leben, auf getrennte Schulen gehen und gesonderte Verkehrsmittel nutzen müssen. Für ihr Bürgerrechtsengagement werden Mandela und de Klerk 1993 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Der erste schwarze Präsident Südafrikas

Ein Jahr später - 1994 - finden die ersten freien Wahlen in Südafrika statt. Erstmals dürfen Schwarze eigene Parteien zur Wahl stellen, und da 76 Prozent des Landes Schwarze sind, kommt es erwartungsgemäß zum Wahlsieg des ANC. Nelson Mandela wird der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Für Schlagzeilen sorgt Mandela mit der Einrichtung einer Kommission für Wahrheitsfindung und Aussöhnung, die frühere Menschenrechtsverletzungen des südafrikanischen Apartheid-Staates, aber auch des ANC, aufklären sollte. Insgesamt werden 20.000 Opfer und Täter gehört, doch müssen kritische Passagen über den letzten weißen Präsidenten de Klerk zwischenzeitlich gestrichen werden. Auch der ANC versucht vor Gericht, die Veröffentlichung des Berichtes zu verhindern – allerdings erfolglos. Besonders scharf kritisiert die Kommission Mandelas Ehefrau Winnie. Sie steht im Verdacht, ihre Parteiposition genutzt zu haben, um Gelder zu veruntreuen, und wird wegen der Entführung von vier Jugendlichen verurteilt. Nelson Mandela lässt sich 1996 nach mehrjähriger Trennung von ihr scheiden. Später heiratet er die Witwe des mosambikanischen Präsidenten Grazia Machel. 

Gesundheitszustand kritisch

Aus gesundheitlichen Gründen steht Mandela nur eine Amtszeit lang zur Verfügung. 1999 gibt er das Präsidentenamt ab. Noch einmal erscheint er zur Abschlussfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in der Öffentlichkeit, als er den Rasen des Stadions betritt. Bei den knapp 85.000 Zuschauern löst er damit einen Sturm der Begeisterung aus.

Mandela wird seit mehreren Wochen wegen einer Lungeninfektion in einer Privatklinik in der Hauptstadt Pretoria behandelt. Tausende Menschen pilgern seitdem zu der Klinik, um für Mandelas Gesundheit zu beten.

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Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2013, 09:17 Uhr

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