Gemälde "Tischrunde mit Sigmund Freud, Karl Marx, Herbert Marcuse und Julius Grützke" (1969)
Gemälde "Tischrunde mit Sigmund Freud, Karl Marx, Herbert Marcuse und Julius Grützke" (1969) Bildrechte: Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin/A. Psille

Museum Gunzenhauser Chemnitz | 01.10.17-14.01.18 Chemnitz würdigt Männermaler Grützke

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR-Kunstkritikerin

Gemälde "Tischrunde mit Sigmund Freud, Karl Marx, Herbert Marcuse und Julius Grützke" (1969)
Gemälde "Tischrunde mit Sigmund Freud, Karl Marx, Herbert Marcuse und Julius Grützke" (1969) Bildrechte: Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin/A. Psille

Der Maler Johannes Grützke gilt als bekanntester Vertreter der "Schule der neuen Prächtigkeit". Als der Westberliner Maler im vergangenen Mai starb, setzten die Zeitungsredaktionen Schlagzeilen in die Blätter wie "Pathologe und Poet des Körpers" (Welt) oder auch "Opulent und immer ein Schalk" (Tagesspiegel). Johannes Grützke ist weit über Westberlin hinaus für seine figurative Malerei, seine nackten, schwellenden Körper und seine Ironie berühmt. Nun widmen die Kunstsammlungen Chemnitz Grützke erstmals eine große, monografische Schau. Bis Mitte Januar sind rund 200 Werke des Malers zu sehen.

Die Liebe zum Fleisch

Gemälde "Die Schüler der Neuen Prächtigkeit als Schmiede" (1975), Offset auf Papier
"Die Schüler der Neuen Prächtigkeit als Schmiede" (1975), Offset auf Papier Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz/László Tóth

Grützke liebte Fleisch – und zwar möglichst üppig, wie seine Bilder jetzt in Chemnitz bezeugen. Unter den 200 präsentierten Werken befinden sich Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und plastische Arbeiten.  Dabei wird der eigene Bestand mit Hauptwerken wie "Die Erziehung Alexanders" (1978) oder "Faunsbesuch" (1982) um Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen ergänzt. Dazu gehören die Gemälde "Bach, von seinen Kindern gestört" (1975), die "Tischrunde mit Sigmund Freud, Karl Marx, Herbert Marcuse und Julius Grützke" (1969) oder auch "Walter Ulbricht" (1970).

Ironisierung des männlichen Geschlechts

Grützke ironisierte gern das männliche Geschlecht in seiner ganzen Schwäche. Die Ausstellung präsentiert Grützkes groteske Bezugnahmen sowohl zur Antike und zum Mittelalter, als auch zum 19. und 20. Jahrhundert. Anlass der Werkschau ist das zehnjährige Bestehen des Museums Gunzenhauser. Grützke war zudem ein enger Freund des Galeristen und Sammlers Alfred Gunzenhauser. Über mehr als drei Jahrzehnte wurde er von dessen Münchner Galerie vertreten.

Gemälde "Die Erziehung Alexanders" (1978)
"Die Erziehung Alexanders" (1978) Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz/ PUNCTUM/ Bertram Kober

Fakten zur Ausstellung: Johannes Grützke: "Kunst ist nicht modern, sondern immer!"

Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser

01. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 28.09.2017 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2017, 16:48 Uhr

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