Mann (Pater Trabner als Dr. Falko Lammert) am Telefon
Peter Trabner als Dr. Falko Lammert Bildrechte: MDR/Wiedemann & Berg

Regisseur Ralf Husmann im Gespräch "'Lammerts Leichen' könnte sogar dauerhaft funktionieren"

Der MDR startet am Montag eine neue Miniserie zum Tatort Dresden. Im Mittelpunkt der kleinen, schwarzhumorigen Storys steht der Pathologe, Dr. Falko Lammert.Auf der Flucht vor der verrohten Welt und seiner anstrengenden Familie kann Falko Lammert seinen Toten stundenlang seine Sicht auf die Dinge erklären, während er sie untersucht und über ihr Schicksal sinniert. Regisseur der Serie ist Ralf Husmann, der vor allem für seine Serie "Stromberg" bekannt wurde. MDR KULTUR hat mit ihm gesprochen.

Mann (Pater Trabner als Dr. Falko Lammert) am Telefon
Peter Trabner als Dr. Falko Lammert Bildrechte: MDR/Wiedemann & Berg

MDR KULTUR: Herr Husmann, wie war ihre erste Reaktion, als sie von der Idee der Webserie gehört haben?

Ralf Husmann: Ich war am Anfang etwas überrascht, als der MDR mit der Idee zu mir kam, weil ich es ungewöhnlich fand, dass man aus dem altehrwürdigen Tatort einen Spin-Off machen wollte, der dann auch noch so klein ist also pro Folge nur fünf Minuten lang. ... Mir war schnell klar, dass es trotz der Kürze ja keine Sketche werden sollten, wie vor 20 Jahren, sondern ein kurzes Format, was nicht nur lustig ist. Das hatte ich so noch nie gemacht. Das war eine Premiere für mich.

Bei einem Spin-Off nimmt man eine Figur aus einer Serie und macht sie zur Hauptfigur einer eigenen. Warum haben Sie sich für den Gerichtsmediziner Dr. Falko Lammert entschieden? 

Es war schnell klar, wir machen kein Spin-Off mit einer Hauptfigur. Das macht keinen Sinn. Es gibt ansonsten wenig durchgehende Figuren im Dresdner Tatort, die immer dabei sind. Und noch ein Grund, der für Lammert sprach: Der Gerichtsmediziner ist die Figur, die am meisten Drama mitbringt. Der hat immer mit jemandem zu tun, der bei ihm im Kühlfach liegt und vielleicht sogar umgebracht worden ist.

Aktuell gibt es Diskussionen um das Thema, wie experimentell man mit dem Format Tatort umgehen darf. Hintergrund war der Gruseltatort aus Frankfurt. Ist die neue Form der Webserie auch ein Experiment?

Ralf Husmann, 2015
Ralf Husmann, Autor und Regisseur des Dresdner Tatorts Bildrechte: IMAGO

Ich glaube, das ist ein eigenständiges Format. Es hat zwar das Label Tatort Plus – aber es  ist kein klassischer Tatort, der 90 Minuten lang ist. Es ist eine andere Form und da darf man experimentieren. Ich finde es spannend, dass man mit so einer etablierten Marke mal schaut: Was ist möglich? Was kann man rechts und links vom Etablierten machen? Ähnlich wie bei anderen Formaten, wo aus "Cheers" am Ende "Frazier" geworden ist. Und "Lammerts Leichen" ist vielleicht sogar etwas, was dauerhaft funktioniert.

Die sechs Folgen sind jeweils fünf Minuten lang und nur online zu sehen. Auch das ist ungewöhnlich. Folgt die Serie dann den Sehgewohnheiten im Netz?

Ich denke, das ist etwas, das die Leute, die es ja gewohnt sind im Netz kurze Sachen zu konsumieren, schauen wollen. So geht’s mir ja auch: Ich gucke nicht zwingend 90-Minüter im Netz, sondern die knappen Formate. Ich finde es spannend, dass man mit den neuen Plattformen die Möglichkeit hat, die Genres aufzubrechen. Also ich habe jetzt den Versuch gemacht, ein Minidrama zu schreiben, was auch in fünf Minuten funktioniert. ... Diese Plattformen im Netz bieten die Möglichkeiten von der klassischen Einteilung in 60 oder 90 Minuten wegzukommen. Und das finde ich spannend. ... Es gibt in der Regel nur zwei Darsteller - man muss also hier ein Kammerspiel konzipieren. Ich hab da auch meine Zeit gebraucht, um mich da reinzufinden.

Ist die Webserie "Lammerts Leichen" ein Vorreiter?

Es gibt Serien über Gerichtsmediziner - das ist nicht neu. Aber diese kurze Form schon. In letzter Zeit hat es ein paar Sachen gegeben, ... wo man sagt, man macht so ein Kammerspiel. "Der Tatortreiniger" ist so ein Beispiel. Man bewegt sich pro Episode in einem festgelegten Raum, wo eine Tat stattgefunden hat. Oder in "Culpa": Da sitzt man in einem Beichtstuhl, was die Sache ja noch enger macht. Das fand ich auch spannend. Und die Amerikaner haben jetzt eine Serie produziert, die sich nur in einem Hotelzimmer abspielt, sich aber die Gäste sich ändern. Also ich finde die Idee, sich auf einen Raum zu beschränken und zu gucken, was passiert, interessant. Das kann mal lustig sein, das kann mal brutal sein oder eine Mischung. Das haben wir auch so gemacht.

Bleibt die Serie ein Unikat oder gibt es eine zweite Staffel von "Lammerts Leichen"?

(lacht) Das entscheide ich ja nicht, aber es steckt noch mehr drin. Ich könnte mir das vorstellen. Je mehr ich geschrieben habe, desto mehr Ideen habe ich bekommen. Das ist ja auch nicht immer der Fall. Man kann in einem kleinen Kammerspiel eigentlich relativ schnell auf den Punkt kommen. Das ist ja das, wonach man immer strebt, wenn man Drama macht, schnell dahin kommen, wo es ans Eingemachte geht. ... Und wenn man in der Gerichtsmedizin ist, geht's eigentlich immer um den Tod. Da ist jemand gestorben. Warum? Das macht was mit uns, selbst als unbeteiligter Zuschauer? Wir enden alle hier irgendwann auf so einem Metalltisch. Die Quintessenz von Drama ist immer in diesem Raum. Da kann man schon noch ein paar Folgen von machen.

Das Interview führte MDR KULTUR-Redakteurin Claudia Bleibaum.

Mehr zu "Lammerts Leichen"

Eine Frau mit Bierflasche und ein Mann neben einer Leiche
Bildrechte: MDR/Wiedemann & Berg

Alle Folgen online verfügbar ab 6. November 2017 Trailer: Lammerts Leichen

Trailer: Lammerts Leichen

Mo 06.11.2017 13:24Uhr 01:09 min

https://www.mdr.de/lammerts-leichen/video-147754.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Mittag | 06. November 2017 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 11:52 Uhr

"Lammerts Leichen" - Alle Folgen der Webserie

Pathologen und JAKOB
Bildrechte: MDR/ Wiedemann & Berg

Manchmal können Tote wie Jakob (Holger Handtke) eine echte Plage sein. Manchmal aber auch eine große Hilfe ...

MDR+ Mo 06.11.2017 00:01Uhr 04:53 min

https://www.mdr.de/lammerts-leichen/lammerts-leichen-jakob100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Pathologe und Vanessa
Bildrechte: MDR/ Wiedemann & Berg

Ach "Vanessa" (Katharina Heyer) - so jung, so schön, so tot! Als Vanessa allerdings hört, was Lammert über sie zu Protokoll gibt, reicht es ihr ...

MDR+ Mo 06.11.2017 18:00Uhr 05:37 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Pathologen und Nick
Bildrechte: MDR/ Wiedemann & Berg
Pathologe und ARSLAN
Bildrechte: MDR/ Wiedemann & Berg

Aktuelle Film-Kritiken

Meistgelesen bei MDR KULTUR