Lenin
Lenin im Mausoleum Bildrechte: IMAGO

Lesezeit | 10.-17. November 2017 Lenin und andere Leichen - Mein Leben im Schatten des Mausoleums

Von Ilya Zbarski und Samuel Hutchinson

Lenin
Lenin im Mausoleum Bildrechte: IMAGO

Ende Januar 1924: Bei minus 30 Grad trifft Lenins Leiche tiefgefroren in Moskau ein. Es war Stalins Idee, den Leichnam zu konservieren. Der ehrgeizige Biochemiker Boris Zbarski (1885-1954) versichert der Parteiführung, er könne den toten Lenin konservieren. Zusammen mit einem renommierten Pathologen erhält er den exklusiven Geheimauftrag, mit dem er seine Familie auch vor antisemitischen Repressalien im Lande zu bewahren versucht. Die Sowjets sind nervös, und gefährlich sind sie auch. Glückt den Wissenschaftlern die Einbalsamierung nicht, bedeutet das ihren Tod. Doch die Konservierung gelingt so gut, dass die Besucher des Lenin-Mausoleums sagen: "Der Mann schläft nur".

Nicht allein Lenin wurde einbalsamiert, später auch Staatsoberhäupter wie Georgi Dimitrow (Bulgarien), Klement Gottwald (Tschechoslowakei), Mao Tse-tung (China), Ho Chi Minh (Vietnam) oder Agostinho Neto (Angola). Und inzwischen konservieren die Spezialisten des Lenin-Mausoleums auch die ermordeten Paten der russischen Mafia. Ihre grotesken Schauspiele schreibt die Geschichte selbst ...

Die Autoren Ilya Zbarski und Samuel Hutchinson

Lenin
Das Lenin-Mausoleum Bildrechte: IMAGO

Ilya Borisowitsch Zbarski (1913 -2007) war einer der herausragenden Biochemiker der ehemaligen Sowjetunion und weltbekannter Spezialist für die Erforschung des Zellkerns. Gemeinsam mit seinem Vater Boris Zbarski, der lange Zeit das Lenin-Mausoleum leitete, war er 18 Jahre lang für die Konservierung und Erhaltung von Lenins Leichnam mitverantwortlich. Zusammen mit Samuel Hutchinson veröffentlichte er 1997 sein autobiographisches Buch "A l'ombre de'embaumeurs - Une dynastie d'embaumeurs".

Samuel Hutchinson ist Leiter von Moscoop, einer Fotoagentur mit Sitz in Moskau. Außerdem arbeitet er als Russland-Korrespondent des spanischen Magazins "Tiempo". Seine zahlreichen Reportagen für Zeitungen und Fernsehen beziehen sich vorwiegend auf die schwierige Einführung der Marktwirtschaft in Russland.

Es spricht: Ilja Richter

Ilja Richter als Erwin Wangenroth bei der Produktion  des Hörspiels "Der Mentor" von Daniel Kehlmann.
Ilja Richter Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Ilja Richter wurde 1952 in Ost-Berlin geboren und wuchs in Köln und West-Berlin auf. Als Achtjähriger sang er erstmals im Rundfunk, als Zehnjähriger stand er auf der Bühne des Renaissance-Theaters Berlin und hatte mit Ende Zwanzig bereits in Dutzenden Hörspielen und zahlreichen Kinofilmen und Fernsehshows mitgewirkt - an der Seite von Theo Lingen, Rudi Carell oder unter der Regie von Peter Zadeck. Ab 1971 moderierte Richter zwölf Jahre lang die legendäre ZDF-Musiksendung "Disco". Seine Vielseitigkeit und Kreativität bewies er als Darsteller auf der Musical-Bühne, als Autor, Regisseur und immer wieder in Synchronrollen. Für die Lesezeit bei MDR KULTUR las Ilja Richter bereits die Memoiren von Axel Eggebrecht (2005), Städteporträts von Dessau und Zerbst (2013) aus der Feder von Karl Emil Franzos, Dietrich Fischer-Dieskaus Buch "Goethe als Intendant" (2014) sowie Karl Mays Frühwerk (2017).

Angaben zur Sendung Lesezeit | 10.-17. November 2017

"Lenin und andere Leichen - Mein Leben im Schatten des Mausoleums"
Von Ilya Zbarski und Samuel Hutchinson

Sprecher: Ilja Richter
Regie: Matthias Thalheim
Bearbeitung: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2017

Sie können die Folgen dieser Lesezeit jeweils 14 Tage nachhören.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Lesezeit | 10. November 2017 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2017, 11:17 Uhr

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