Die 27-bändige Werkausgabe des Gesamtwerkes von Heinrich Böll steht in Köln in einem Büro der Heinrich Böll-Stiftung.
Diese Werkausgabe Heinrich Bölls schafft es immerhin auf 27 Bände Bildrechte: dpa

MDR KULTUR Spezial Literatur: Das Prinzip Gesamtausgabe Wenn Schriftsteller zu Klassikern werden

Die 27-bändige Werkausgabe des Gesamtwerkes von Heinrich Böll steht in Köln in einem Büro der Heinrich Böll-Stiftung.
Diese Werkausgabe Heinrich Bölls schafft es immerhin auf 27 Bände Bildrechte: dpa

Schon 1806, also noch zu Lebzeiten des Dichters, erschien in der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung eine Gesamtausgabe der Werke Johann Wolfgang Goethes – eine Ausgabe, die natürlich nur eine vorläufige Gesamtausgabe sein konnte, da Goethe sein Werk ja noch längst nicht abgeschlossen hatte.

Literaturgeschichtlicher Adelsschlag

Ein Teil der insgesamt 45 Bände einer neuen Goethe-Gesamtausgabe des Deutschen Klassiker Verlages (Suhrkamp/Frankfurt) ist bei einer Pressekonferenz in Weimar ausgelegt. Die Bände umfassen insgesamt 50.000 Seiten.
45 Bände und insgesamt 50.000 Seiten umfasst diese Goethe-Gesamtausgabe Bildrechte: dpa

Bis heute gilt die Gesamtausgabe oder die ähnlich ausgerichtete Werkausgabe als literaturgeschichtlicher Adelsschlag. Die Gesamtausgabe, geordnet und kommentiert, inklusive nicht nur der Romane, Erzählungen, Gedichte, Dramen oder Aufsätze, sondern vervollständigt auch durch Briefe oder nur Fragment gebliebene Texte, markiert die Aufnahme des Autors in den literaturgeschichtlichen Kanon. Zugleich bezeugt die Gesamtausgabe zumeist auch die Begeisterung eines Verlegers für diesen oder jenen Autor – für den sich der Verleger in ökonomische Wagnisse stürzt und eine oft mehrere Jahre andauernde Detail-Arbeit auf sich nimmt: Rechtsansprüche sind zu klären, Text-Varianten zu vergleichen, Quellen und handschriftliche Notizen sind zu entziffern und zu deuten.

Werkausgaben heute

Den ersten Teil einer Werkausgabe von Uwe Johnson hält Holger Helbig, Inhaber der Uwe-Johnson-Stiftungsprofessur, in den Händen.
Auf 40 Bände ist die Werkausgabe von Uwe Johnson angelegt. Bildrechte: dpa

Trotz dieser Risiken ist die (gedruckte) "Gesamtausgabe" auch im digitalen Zeitalter in vielen Verlagsprogrammen nach wie vor zu finden. Wolfgang Hilbig, Rose Ausländer, Uwe Johnson oder Ingeborg Bachmann – zu all diese Dichterinnen und Dichter werden derzeit von deutschen Verlagen Gesamt- bzw. Werkausgaben erarbeitet.

In unserem Spezial sprechen wir darüber – und somit zugleich über die heutigen Bedingungen des Bücher-Machens und der Literaturvermittlung. So sind wir im Gespräch mit Holger Helbig, der eine große Uwe-Johnson-Werkausgabe zusammenstellt, und wir befragen den Leipziger Buchhändler und Verleger Peter Hinke zu der von ihm edierten Ausgabe der Werke des Dichters Andreas Reimann. Und weil jedes Gesamt-Werk natürlich auch seine beseelten Leser braucht, lassen wir uns von dem Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt erzählen, wie er ein ganzes Jahr lang Marcel Proust auf seiner "Suche nach der verlorenen Zeit" gefolgt ist!

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | Spezial | 11.04.2017 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2017, 20:11 Uhr

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