Gitterstruktur und gläserne Hülle – eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser
Eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser soll am Kirow-Werk entstehen Bildrechte: Kirow Leipzig

Entwurf von brasilianischem Stararchitekt entsteht in Plagwitz Leipzig bekommt Spätwerk von Oscar Niemeyer

von MDR KULTUR-Kunstredakteur Andreas Höll

Gitterstruktur und gläserne Hülle – eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser
Eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser soll am Kirow-Werk entstehen Bildrechte: Kirow Leipzig

Eines der letzten Werke des brasilianischen Star-Architekten Oscar Niemeyer wird in Leipzig umgesetzt. Am Kirow-Werk im Stadtteil Plagwitz soll eine futuristische Kugel aus Stahlbeton angebaut werden. Der Anbau soll im März 2018 eingeweiht werden.

Ein Visionär futuristischer Gebäude

Oscar Niemeyer im Porträt
Der 2012 verstorbene Oscar Niemeyer Bildrechte: Andre Luiz Mello, File/AP/dapd

Niemeyer gehört zweifellos zu den wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Berühmt geworden ist er für seine visionären Gebäude mit kühnen Formen und kurvenreichen Konturen und als Erbauer der brasilianischen Hauptstadt Brasilia. Er starb 2012 im biblischen Alter von 104 Jahren, aber einen seiner letzten Entwürfe hat der Star-Architekt ausgerechnet für das traditionsreiche Kirow-Werk im Leipziger Stadtteil Plagwitz skizziert. Es ist eine märchenhafte Geschichte, war das Unternehmen doch nach der Wiedervereinigung ein Sanierungsfall und avancierte dann gar zum Weltmarktführer für Eisenbahnkrane und Schlackentransporter. Im März 2018 soll nun Niemeyers Spätwerk – eine futuristische Kugel aus Stahlbeton, die auf einem alten Fabrikgebäude schwebt – eingeweiht werden.

Ein Brief an den Star-Architekten

Ludwig Koehne, der Chef von Kirow Leipzig und Initiator des Niemeyer-Anbaus, in der Werkshalle in Plagwitz.
Ludwig Koehne, der Chef von Kirow Leipzig und Initiator des Niemeyer-Anbaus, in der Werkshalle in Plagwitz. Bildrechte: MDR/Andreas Höll

Initiiert wurde das Bauwerk von Kirow-Chef Ludwig Koehne. Der 50-jährige Unternehmer hat in Oxford studiert, für die Treuhand gearbeitet und seit den 1990er Jahren das Unternehmen zu einem Global Player gemacht. Der großgewachsene Inhaber, der in Jeans, Sneakers und lässigem Sakko eine "bella figura" in der Welt der Industrie macht, hat ein Faible für Kunst und Architektur. Und deshalb hat er sich auch 2011 ein Herz gefasst, einen Brief an den berühmten brasilianischen Baumeister zu schreiben. Er erzählte Niemeyer von dem exzellenten Koch, der die Kantine im Kirow-Werk betreibe und eine neue Herausforderung suche, und von dem Wunsch nach einem Restaurant, das möglicherweise auf dem Dach eines Industriegebäudes aus der Gründerzeit errichtet werden könne.

Der Inhalt des Briefes war der, dass wir einen sehr guten Koch haben, der neben dem Kantinenessen eine Herausforderung sucht und wir dringend eine Erweiterung haben sollten, die möglicherweise auf dem Dach stattfindet.

Ludwig Koehne, Chef von Kirow Leipzig

Der betagte Stararchitekt antwortete prompt, Koehne durfte ihn in Rio de Janeiro besuchen, und drei Wochen später gab es einen Entwurf.

Eine elegante Kugel für Leipzig

Niemeyer skizzierte für Leipzig eine elegante Kugel aus Stahlbeton, die einen Durchmesser von 12 Metern aufweist und mit einer raffinierten Gitterstruktur aus Glas versehen ist. Diese modernistische Hülle schafft Raum für ein Café nebst Lounge und Bar und soll, ganz im Geiste von Bossa Nova und Copacabana, die Leichtigkeit des Seins beschwören. Blauer Teppichboden erinnert an die Farbe des Meers, bequeme Sessel laden zum Betrachten einer Niemeyerschen Zeichnung ein, die aus einer Kachelwand eine Projektionsfläche für brasilianische Strandschönheiten macht.

Oscar Niemeyer entwirft für Leipzig Die futuristische Kugel für das Kirow-Werk

Der verstorbene Star-Architekt Oscar Niemeyer fertigte einen seiner letzten Entwürfe für das Kirow-Werk in Leipzig Plagwitz. Der Entwurf soll nun umgesetzt werden.

Blick in die gläserne Kugel aus Stahlbeton - die modernistische Hülle schafft Raum für ein Restaurant samt Bar im Geiste der brasilianischen Leichtigkeit des Seins.
Blick in die gläserne Kugel aus Stahlbeton - die modernistische Hülle schafft Raum für ein Restaurant samt Bar im Geiste der brasilianischen Leichtigkeit des Seins. Bildrechte: MDR/Andreas Höll
Blick in die gläserne Kugel aus Stahlbeton - die modernistische Hülle schafft Raum für ein Restaurant samt Bar im Geiste der brasilianischen Leichtigkeit des Seins.
Blick in die gläserne Kugel aus Stahlbeton - die modernistische Hülle schafft Raum für ein Restaurant samt Bar im Geiste der brasilianischen Leichtigkeit des Seins. Bildrechte: MDR/Andreas Höll
Gitterstruktur und gläserne Hülle – eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser
Gitterstruktur und gläserne Hülle – eine modernistische Kugel mit 12 Metern Durchmesser Bildrechte: Kirow Leipzig
Eine weiße Stahlbetonkugel schwebt auf dem Dach einer alten Industriehalle – Modell des Anbaus, der im März 2018 eingeweiht wird.
Eine weiße Stahlbetonkugel schwebt auf dem Dach einer alten Industriehalle – Modell des Anbaus, der im März 2018 eingeweiht wird. Bildrechte: Kirow Leipzig
Zwei Probesegmente aus Stahlbeton -  der Stoff, aus dem der Niemeyersche Anbau entsteht
Zwei Probesegmente aus Stahlbeton - der Stoff, aus dem der Niemeyersche Anbau entsteht Bildrechte: Margret Hoppe
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Der Eingang zum Gelände des Weltmarktführers für Eisenbahnkrane – Industriegeschichte trifft auf High Tech
Der Eingang zum Gelände des Weltmarktführers für Eisenbahnkrane – Industriegeschichte trifft auf High Tech Bildrechte: Margret Hoppe
Landeplatz für ein UFO – Auf diesem historischen Fabrikgebäude wird die Kugel schweben
Landeplatz für ein UFO – Auf diesem historischen Fabrikgebäude wird die Kugel schweben Bildrechte: Margret Hoppe
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Im März 2018 soll die architektonische Ode an die Lebensfreude eingeweiht werden – im Herzen eines Industriebetriebs, der noch immer quicklebendig ist und mehrere hundert hochqualitative Arbeitsplätze geschaffen hat. Somit ist es ein reizvolles Kontrastprogramm zum Leipziger Spinnereigelände, das gleich um die Ecke liegt. Dort wurde nach dem Mauerfall die Textilindustrie abgewickelt, die Kunst hielt Einzug und wurde zum Markenzeichen der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft. Ganz anders stellt sich die Lage beim Kirow-Werk dar: für den Unternehmer verkörpert die hedonistische Betonkugel ein Bekenntnis zur Zukunft der Industrie. Und zugleich ist sie auch gebaute Werbung, mit immenser internationaler Ausstrahlung für den Leipziger Weltmarktführer.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 16.03.2017 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2017, 07:50 Uhr

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