Lu Feng - 13 am Tisch
Lu Feng (China / Deutschland): "13 am Tisch" (Installation 2009, Epoxidharz, Öl)
Der Künstler studierte auch an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Bildrechte: Lu Feng

OSTRALE Biennale 2017 startet in Dresden unter dem Motto "re_form" OSTRALE sucht Brücke zwischen Identitäten

Lu Feng - 13 am Tisch
Lu Feng (China / Deutschland): "13 am Tisch" (Installation 2009, Epoxidharz, Öl)
Der Künstler studierte auch an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Bildrechte: Lu Feng

In Dresden beginnt am Freitag zum elften Mal die Kunstausstellung OSTRALE. 164 eingeladene Künstler aus 25 Nationen präsentieren im Ostragehege insgesamt 1.118 Werke und Werkgruppen. In grenzschreitenden Projekten stehen dabei unterschiedliche künstlerische Positionen im Dialog. Im elften Jahr hat sich die internationale Kunstausstellung zu einer Biennale gewandelt. Die Schau ist für Dresden von besonderer Bedeutung, nicht nur weil die Stadt sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025 bewirbt. Der Titel der diesjährigen OSTRALE lautet "re_form". Das künstlerische Konzept haben die Kuratoren Mykola Dzhychka, Oliver Kratz, Detlef Schweiger und Holger Wendland gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin und Direktorin Andrea Hilger erstellt. Zu sehen ist die Biennale bis zum 1. Oktober.

"re_form" als thematische Klammer

Die Wahl des diesjährigen OSTRALE-Mottos "re_form" hat Geschichte und Zukunft gleichermaßen zum Thema. Da steckt natürlich auch das 500. Reformationsjubiläum, das Lutherjahr, mit drin, was sich zum Teil auch im Ausstellungsprogramm widerspiegelt. Doch es geht unter anderem auch darum, wie unsere Welt 500 Jahre nach Luther aussehen wird.

Matthias Jackisch - Floß
Matthias Jackisch: "Floß" (Installation, 2017, Gips, Holz) Bildrechte: Oliver Kratz

Das Motto "re_form" bezieht sich auch auf die OSTRALE selbst, denn für die Veranstaltung stehen Veränderungen an. Von einer jährlich stattfindenden Ausstellung formiert sie sich künftig als Biennale und findet nun aller zwei Jahre statt. Zudem muss der einzigartige Veranstaltungsort - die von dem bedeutenden Architekten Hans Erlwein entworfene Schlachthofarchitektur (Futterställe) des Dresdner Ostrageheges - saniert werden, um weiter für den Kunstbetrieb nutzbar zu sein.

Eine Reform bezeichnet die Umgestaltung bestehender Verhältnisse - hin zum Besseren. Kunst kann in so einem Reformationsprozess Fragen stellen und Lösungsansätze anbieten. So fragt die OSTRALE auch nach der Auseinandersetzung mit dem Vergangenen. Was treibt Künstler zu Hommagen, Referenzen und Zitaten in ihren Werken? Wie stark identitätsstiftend sind Vorbilder?

Stichwort: Biennale Als Biennalen bezeichnet man Ausstellungen, Festivals oder Schauen, die alle zwei Jahre stattfinden. Veranstaltungen, die noch seltener stattfinden, werden dann z.B. Triennalen (alle drei Jahre) oder Quadriennalen (alle vier Jahre) genannt. Die bekanntesten Biennalen finden in Venedig, Sao Paulo und Paris statt.

Identität ist auch ein zentrales Themen der europäischen Kulturhauptstädte: Dresden bewirbt sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Angesichts immer neuer Flüchtlings- und Migrationsbewegungen, der Hinwendung zum Nationalismus und des Zerfalls der Wertegemeinschaft Europa stellt die Schau auch die Frage: wie verändert sich die Identität von Menschen und Räumen? Dient die Kunst als Brücke zwischen Identitäten?

Andrea Hilger
Andrea Hilger, Direktorin der OSTRALE Bildrechte: OSTRALE

Neben der Suche nach Verbindungen zu Kunst, die in unmittelbarer Nähe existieren, wollen wir auch Links zu Wissenschaft, Bildung und sozialem Engagement schaffen. OSTRALE Ausstellungen und Projekte bestehen, weil sie sich auf wichtige soziale Fragen konzentrieren, die die europäische Identität ansprechen. Die Subjektivität des künstlerischen Ausdrucks, frei von jeglichem Zweck oder Gebrauch von außen, veranschaulicht die tiefe Natur dessen, was die Werke zu sagen versuchen.

Andrea Hilger

Geschichte und Ausblick der Dresdner OSTRALE

Parastou Forouhar - Portraits
Parastou Forouhar: "Portraits" (Druckgrafik, 2014) Bildrechte: Parastou Forouhar

Die OSTRALE begann 2007 als lokale Initiative durch Andrea Hilger und Maik Salomon und hat innerhalb kürzester Zeit eine große internationale Reichweite erlangt und kann sich inzwischen als drittgrößte Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Deutschland bezeichnen. Sie präsentiert gattungsübergreifend und interdisziplinär das gesamte Spektrum der Gegenwartskunst. Der Begriff OSTRALE setzt sich zusammen aus "Ostragehege" und "Signale".

Mit der "OSTRALE Biennale 2017", der 11. Internationalen Ausstellung, verändert die OSTRALE ihr Konzept in eine zweijährige Form, die jeweils in Dresden sowie mit den internationalen Partnern im Ausland Ausstellungen realisiert. Im Rahmen dieses neuen Konzeptes gastiert die OSTRALE im nächsten Jahr im Rahmen der "Europäischen Kulturhauptstadt Valletta 2018" im Museum "St. James Cavalier", im "German Maltese Circle" und im "Valletta Contemporary" in Malta.

Reingeschaut: Ostrale 2017 Selbstfahrende Einkaufswagen und die Erde von oben

Die diesjährige Ostrale bietet wieder einmal beeindruckende Installationen mit Hintergedanken - einige spannende Kunstwerke und die Idee dahinter, finden Sie in dieser Bildergalerie.

Parastou Forouhar - Portraits
Vom 28. Juli bis zum 1. Oktober sind zeitgenössische Kunstwerke aus aller Welt bei der OSTRALE in Dresden zu sehen. | Parastou Forouhar: Portraits Bildrechte: Parastou Forouhar
Parastou Forouhar - Portraits
Vom 28. Juli bis zum 1. Oktober sind zeitgenössische Kunstwerke aus aller Welt bei der OSTRALE in Dresden zu sehen. | Parastou Forouhar: Portraits Bildrechte: Parastou Forouhar
Ostrale Dresden 2017
Diese Installation von Mark Swysen besteht aus einem motorisierten Einkaufswagen, der wie beim Flaschendrehen in einem Kreis aus Supermarktregalen rollt. Es geht um die Gefahr, als Bürgers zum Konsumenten reduzziert zu werden. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ostrale Dresden 2017
Insgesamt sind 1.118 Arbeiten von 165 Künstlern aus 26 Ländern versammelt. | Manuel Frolik: Toter Seemann (2011) - ein Selbstporträt des Künstlers als toter Held Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ostrale Dresden 2017
Erstmals gibt es auch einen Audioguide für Blinde und Sehbehinderte samt App, mit der Werke von 27 Künstlern erlebbar sind. | Jean Xavier Renaud: La défaite (2014). Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Objekte bei der Ostrale Dresden 2017
Bei der diesjährigen OSTRALE gehe es um das aktuelle Thema Reform "der Kultursysteme in Europa, aber auch in der künstlerischen Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft", sagte Leiterin Andrea Hilger. | Matthias Jackisch: Floß (2017) - es wirkt wie ein Geisterschiff: Menschen sind auf einem Floß, man weiß nicht ob tot oder lebendig. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ostrale Dresden 2017
Fernando Sanchez Castillo: Mauerspringer. Der Künstler hat dafür 2.500 Plastikfiguren auf einem Podest arrangiert. Inspirieren ließ er sich dafür vom berühmten Foto des DDR-Soldaten, der 1961 über die Mauer sprang. Die Besucher der Ostrale sollen die Plastiksoldaten "befreien" und davon Fotos posten. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Lu Feng - 13 am Tisch
Lu Feng: 13 am Tisch - der Titel wurde von Agathe Christies Roman "Thirteen at Dinner" inspiriert. Es geht um die Identität der Menschen - darum, wie sie sich geben und was wirklich dahintersteckt - und um Machtgerangel. Bildrechte: Lu Feng
Ostrale Dresden 2017
Pereklita Igor mixt schön und hässlich, Mythen und Vorurteile und persönliche, soziale Erfahrungen. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ostrale Dresden 2017
Rostyslav Koterlin: Völkerherbst - das Foto ist zum Teil eine ironische Antwort auf Eugene Delacroix' Gemälde Die Freiheit führt das Volk (1848). Auch heute bekommt dem Begriff Freiheit eine hohe Bedeutung zu. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ostrale Dresden 2017
Kay Kaul: Orbital-Explorer - die Installation erzeugt von oben betrachtet einen Überblicks-Effekt; das Phänomen, das Raumfahrer erleben, wenn sie zum ersten Mal den Planeten Erde aus dem Weltall sehen. Damit bezieht der Künstler Stellung zu den eskalierenden weltanschaulichen Krisen, die aufgrund des Mangels an Ehrfurcht, Verbundenheit und Verantwortung entstehen. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
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Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: MDR KULTUR | 28.07.2017 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 14:10 Uhr