Werner Tübke beim Malen.
Werner Tübke bei der Arbeit am Bauernkriegspanorama Bad Frankenhausen Bildrechte: VG Bild/Kunst

artour | MDR FERNSEHEN | 05.10.2017 | 22:05 Uhr 30 Jahre Bauernkriegspanorama von Werner Tübke

Außerdem: "Die Welt unter der Haut" – Tattoo-Ausstellung im Grassi-Museum Leipzig +++ Das Ende der Idylle – Michael Hanekes "Happy End" +++ Zum 90. Geburtstag – Erinnerungen an Rolf Herricht +++ Kulturkalender

Werner Tübke beim Malen.
Werner Tübke bei der Arbeit am Bauernkriegspanorama Bad Frankenhausen Bildrechte: VG Bild/Kunst

"Die Welt unter der Haut" – Tattoo-Ausstellung im Grassi-Museum Leipzig

Jeder fünfte Deutsche hat es getan. Und unter jungen Frauen zwischen 25 und 34 sogar fast jede Zweite! Die Zahlen sprechen für sich: Tätowierungen und Piercings - die gängigsten Formen moderner Körpermodifikationen - sind gesellschaftsfähig und längst integriert in das Straßenbild auch ostdeutscher Städte. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Was bewegt so viele Menschen dazu, ihren Körper zu verändern? Was treibt sie dazu, sich unter Schmerzen Bilder in die Haut stechen zu lassen? Und was hat eigentlich ein traditionelles samoanisches Stammes-Tattoo mit dem berühmten "Arschgeweih" zu tun?

Exponate aus der Tattooausstellung im Grassimuseum
Ein Blick in die Tattoo-Ausstellung im Grassi-Museum für Völkerkunde Leipzig Bildrechte: MDR/Bibiana Barth

Um diese Fragen dreht sich die Ausstellung  "Grassi Invites: Tattoo & Piercing" im Museum für Völkerkunde in Leipzig. Über sechs Monate lang waren tätowierte Menschen eingeladen, sich fotografieren und befragen zu lassen. Das Ergebnis ist ein lebendes Archiv, das gemeinsam mit vielen Ausstellungsstücken aus der jahrhundertelangen und exotischen Geschichte des Tätowierens und Piercens einem Phänomen auf den Grund geht, das längst nicht mehr nur in Seefahrerkneipen und Rotlichtvierteln auftritt.

Autor: Marcus Fitsch

Tübkes größte Malschlacht: 30 Jahre Bauernkriegspanorama

Bauernkriegspanorama von Werner Tübke
Das Bauernkriegspanorama von Werner Tübke in Bad Frankenhausen Bildrechte: Werner Tübke

Das Rundbild von Werner Tübke in Bad Frankenhausen ist heute ein Magnet in Thüringens touristischer Landschaft, ein Gemälde, das jährlich etwa 100.000 Besucher sehen. Es ist verwunderlich, dass es das werden konnte. Geplant war Mitte der 70er-Jahre ein Panorama nach russischem Vorbild, das an den Bauernkrieg als Element der sozialistischen Revolutionsgeschichte erinnern sollte.

In Bad Frankenhausen fand die entscheidende Schlacht des Bauernkrieges statt. An der Gedenkstätte sollten Fahnenweihen stattfinden und Soldaten vereidigt werden. Die erstaunliche Entwicklung zu dem Bild der Welt um 1500, das sich heute in Bad Frankenhausen bewährt, ist dem ideologischen Aufweichen der DDR und dem Genie eines Werner Tübke zu verdanken. Nach anfänglicher Unterstützung durch Historiker verbat sich Tübke - so Eduard Beaucamp, bester Tübke-Kenner überhaupt - im Interview jeglichen Einfluss.

Der Leipziger Maler brachte es in körperlich strapazierenden vier Jahren schließlich, unterstützt von einigen Malerkollegen, selbst auf die monumentale Leinwand im Panorama. Darüber im Interview Eberhard Lenk, der als einziger Gehilfe des Meisters vom Anfang bis zum Ende im Panorama auf dem Gerüst stand. Vor dreißig Jahren war dann diese Malschlacht beendet. Am 16. Oktober 1987 übergab Tübke es seinem Auftraggeber, dem Ministerium für Kultur.

Autor: Meinhard Michael

Zum 90. Geburtstag – Erinnerungen an Rolf Herricht

Rolf Herricht in einer Aufnahme von 1980
Rolf Herricht in einer Aufnahme von 1980 Bildrechte: MDR/ Klaus Winkler

Rolf Oskar Ewald Günter Herricht, geboren am 05. Oktober 1927 in Magdeburg, hätte bei seinem komischen Talent wahrscheinlich mit jedem dieser Vornamen, vielleicht sogar mit allen zusammen, auf den Unterhaltungsbühnen der DDR Karriere gemacht. Keiner konnte ihm in Hinsicht Popularität das Wasser reichen. Die "Herricht und Preil“-Sketche im DDR Fernsehen, aber auch seine Rollen in DEFA-Filmen wie "Der Reserveheld", "Geliebte weiße Maus", "Der Mann, der nach der Oma kam" oder "Der Baulöwe" sorgen bis heute dafür, dass Rolf Herricht weiter zum Erinnerungskanon jedes Ostdeutschen jenseits der vierzig gehört.

"Manchmal, glaube ich, hat er darunter gelitten, dass jeder gleich gelacht hat, wenn er auf die Bühne kam." Das sagt sein Kollege Herbert Köfer über ihn. Aber warum? Gab es noch einen anderen Rolf Herricht als den, den wir irgendwie alle zu kennen meinen, einen anderen als diesen trottelig-begriffsstutzigen Sketchpartner von Hans-Joachim Preil?

Autor: Titus Richter

Das Ende der Idylle: Michael Hanekes "Happy End"

Michael Haneke
Regisseur Michael Haneke Bildrechte: Joel Ryan/AP/dapd

Er ist bekannt für seinen unsentimentalen, präzisen, ja kalten Blick auf das Leben: der österreichische Regisseur und Oscar-Gewinner Michael Haneke ("Das weiße Band", "Liebe"). Am 12. Oktober kommt sein neuer Film "Happy End", eine WDR-Koproduktion, in die deutschen Kinos, mit Jean-Louis Trintignant und Isabelle Huppert in den Hauptrollen.

Michael Haneke blickt hinter die Fassade der Familie Laurent, einer augenscheinlichen Bilderbuchfamilie, die dem Überdruss am Leben durch Sex, Mord und Selbstmord zu entkommen versucht. Mit seiner Filmsatire seziert Haneke, Großmeister verstörender Kinomomente, die Lebenslügen einer Industriellenfamilie und bringt ihre bürgerliche Fassade zum Einsturz.

Autor: Joachim Gaertner

Kulturkalender

"Ikonen der Leinwand" - Grace Kelly, Audrey Hepburn, Marlene Dietrich, Liz Taylor - Fotografien von Milton H. Greene und Bob Willoughby, Apolda, Kunsthaus Avantgarde, bis 17. Dezember 2017

Heinrich Schütz Musikfest, 6. bis 15. Oktober, Bad Köstritz, Dresden, Weißenfels

"Unterwerfung" von Michel Houellebecq, Halle, Neues Theater, Premiere am 7. Oktober, weitere Vorstellungen am 10., 19. und 28. Oktober sowie am 8., 22. und 25. November und am 15. Dezember 2017.

Autorin: Ulrike Reiß

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 05. Oktober 2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 08:33 Uhr

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Thomas Bille und Evelyn Fischer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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