So 16.04. 2017 18:00Uhr 60:00 min

Der spätbarocke Doppelsarkophag für Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) und ihren Mann Franz I. Stephan (1708-1765) steht in der Kapuzinergruft (Kaisergruft) in Wien (֖sterreich).
Der spätbarocke Doppelsarkophag für Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) und ihren Mann Franz I. Stephan (1708-1765) steht in der Kapuzinergruft (Kaisergruft) in Wien (֖sterreich). Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio So, 16.04.2017 18:00 19:00

MDR KULTUR - Hörspiel, Krimi und Feature Die Kapuzinergruft (Teil 2)

Die Kapuzinergruft (Teil 2)

Hörspiel in zwei Teilen nach dem gleichnamigen Roman

  • Stereo
Die Geschichte könnte typischer nicht sein für das Werk von Joseph Roth. Ein Mann, Spross einer alten Familie mit klingendem Namen, hineingeboren ins Ende einer alten Zeit, findet sich nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie hilflos, orientierungslos und ohne Halt.

Die Geschichte des Franz Ferdinand Trotta setzt im April des Jahres 1913 ein und endet mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938. Seine Frau verliebt sich in eine Frauenrechtlerin, das Vermögen ist dahingeschmolzen und als schließlich Franz Ferdinands Mutter stirbt, reißt das letzte Band zur eigenen Geschichte. Trotta bleibt "allein, allein, allein." Seine einzige Rettung meint er in der Kapuzinergruft zu finden. Dort findet er die alte Welt bewahrt - und gleichzeitig begraben.

Die Kapuzinergruft" sollte der letzte Roman sein, der zu Joseph Roths Lebzeiten erscheint. "Die Kapuzinergruft", heißt es im Klappentext der 1938 in einem holländischen Verlag erschienenen Erstausgabe, "ist das Gegenstück zum 'Radetzkymarsch' und der Roman vom Untergang Österreichs als selbständiger Staat. Eindrucksvoll und ergreifend hat Joseph Roth die Erzählung dieses letzten Untergangs beschrieben". Auf Roths Wunsch wird das erste Exemplar mit persönlicher Widmung an Otto von Habsburg gesandt: "Meinem Kaiser Otto in ehrwürdiger Ergebenheit gewidmet".

Regie: Harald Krewer
Bearbeitung: Helmut Peschina
Komponist: Max Nagl
Produktion: ORF/NDR 2012

Sprecher:
Michael Rotschopf - Franz Ferdinand Trotta
Cornelius Obonya - Joseph Branco Trotta
Johannes Zeiler - Manes Reisiger
Birgit Doll - Mutter von Franz Ferdinand Trotta
Peter Simonischek - Schwiegervater, Vater von Elisabeth
Johannes Silberschneider - Graf Chojnicki
Thomas Reisinger - Oberstleutnant Stellmacher
Gerti Drassl - Elisabeth
Regina Fritsch - Jolanth Szatmary
Michael Maertens - Herr von Stettenheim
Peter Matic - Advokat Kiniower
Maria Urban - Frau Fanny
Hermann Scheidleder - Fiaker
Helmut Bohatsch - Bruder Chojnickis
u.a.


* Joseph Roth
Joseph Roth wurde 1894 in Brody in Ostgalizien geboren. Nach Studienjahren in Wien und Lemberg ist er im Ersten Weltkrieg Soldat und beginnt für verschiedene Blätter zu schreiben. Der Autor von Klassikern wie "Radetzkymarsch", "Die Rebellion" oder "Hotel Savoy", zählte in der Weimarer Republik zu den angesehensten Feuilletonisten im deutschen Sprachraum. Neben seinen Reportagen, Reiseberichten, Buchrezensionen und Theaterkritiken, die er für die wichtigsten deutschsprachigen Blätter schrieb, etablierte er sich auch als Filmkritiker. Er lebte in Wien und Berlin und emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten über Marseille und Nizza nach Paris, wo er 1939, verarmt und alkoholkrank, starb.


* Helmut Peschina
Helmut Peschina, geboren 1943 in Klosterneuburg/Niederösterreich, studierte Latein, Germanistik und Theaterwissenschaft und war Hörer an der Filmschule in Wien. Seit 1974 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller: Lyrik, Fernsehspiele, Theaterstücke (u.a. Stehbeisel, Don und Jacques) und Hörspiele, Bearbeitungen und Dramatisierungen für Rundfunk und Theater. Helmut Peschina, der als ausgewiesener Joseph-Roth-Experte gilt, lebt in Wien. Für MDR KULTUR war er als Hörspielbearbeiter bei vielen großen Projekten beteiligt, so u.a.: "Der Graf von Monte Cristo" nach A. Dumas (MDR/BR/ORF 1997) und "Hiob" nach Joseph Roth (MDR 1999).

Er erhielt den Theodor-Körner-Preis 1976, den Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, Sparte Hörspiel 1979, den Förderungspreis der Stadt Wien 1982 für das Gesamtwerk und den Förderungspreis des Landes Niederösterreich sowie den Dramatikerpreis des Bundes.

(60 Min.)


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