Fr 21.04. 2017 19:05Uhr 30:00 min

Johannes Bobrowski liegend, 1964, Fotograf: Lütfi Özkök
Johannes Bobrowski liegend, 1964, Fotograf: Lütfi Özkök Bildrechte: Johannes-Bobrowski-Gesellschaft /Lütfi Özkök
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 21.04.2017 19:05 19:35

Lesezeit "Der Tänzer Malige" und andere Prosa (4/4)

"Der Tänzer Malige" und andere Prosa (4/4)

Levins Mühle - Auszug

  • Stereo
(Wh. von 09:05 Uhr)

Zum 100. Geburtstag von Johannes Bobrowski am 9. April

Von Johannes Bobrowski
Es lesen Jürgen Hentsch, Johannes Bobrowski und Jürgen Holtz

Johannes Bobrowski wurde 1917 als Sohn eines Eisenbahnbeamten in Tilsit geboren und studierte, nach dem Abitur in Königsberg, Kunstgeschichte in Berlin. Jäh beendet wurde sein Studium mit seiner Einberufung im Jahr 1939. Er kehrte erst 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. In Ostberlin arbeitete er als Lektor, zunächst im Altberliner Verlag Lucie Groszer, ab 1959 im Union Verlag. 1955 erschienen seine ersten Gedichte. Die Gruppe 47 lud ihn 1961 nach Westdeutschland ein, wo er öffentlich auftrat. Bald darauf folgte der erste Gedichtband "Sarmatische Zeit".

Das "sarmatische" Thema hatte er als Soldat während des Russlandfeldzugs in der dortigen Landschaft gefunden. Für das Gedicht "Im Strom" erhielt er 1962 den Alma-Johanna-König-Preis sowie den Preis der Gruppe 47. Der zunehmende Erfolg in beiden deutschen Staaten rief das Interesse der Staatssicherheit auf den Plan. Bobrowski trat in den Deutschen Schriftstellerverband der DDR ein, was er bis dahin vermieden hatte. Ab Mitte der sechziger Jahre veröffentlichte er auch Prosa, darunter den Erzählungsband "Mäusefest" sowie die Romane "Levins Mühle" und "Litauische Claviere". Bobrowski starb mit nur 48 Jahren in Berlin.

In der Lesezeit sendet MDR KULTUR eine Auswahl seiner Erzählungen, darunter: "Der Tänzer Malige". Die Geschichte spielt 1939, als der Soldat Malige sich entscheidet, in einer gefährlichen Situation einem Schwächeren zu helfen. Der Schwächere ist in diesem Fall ein Jude, damit bringt sich Malige selbst in Gefahr. Das Besondere aber ist, dass er dabei als der handelt, der er ist: nämlich als Künstler. Er ist nicht der Soldat, wie es von außen scheint. Er handelt menschlich. Die Erzählung erschien 1965, dem Jahr, in dem Johannes Bobrowski starb.

Jürgen Hentsch wurde am 17. März 1936 in Görlitz geboren. Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und Engagements an verschiedenen DDR-Bühnen wurde er 1966 ans Deutsche Theater in Berlin geholt. Sein Filmdebüt gab er 1965 in der DEFA-Produktion "Karla". Mitte der 1980er-Jahre verließ Jürgen Hentsch die DDR. Seine Schauspiellaufbahn setzte er im Westen erfolgreich fort, stand im Wiener Burgtheater und bei den Münchner Kammerspielen auf der Bühne. Außerdem war er in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu erleben, so als Physiker Werner Heisenberg in "Ende der Unschuld" (1990) oder als Herbert Wehner im Brandt-Politikfilm "Im Schatten der Macht" (2003).

Für seine Rolle als Heinrich Mann in "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" wurde er 2002 u. a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Daneben beeindruckte Jürgen Hentsch als Hörspielsprecher mit seiner dunklen, samtenen Stimme. Beim MDR hat er unter anderem in Bulgakows "Der Meister und Margarita" (1998) oder in Joseph Roths "Hiob"(1999) mitgewirkt. Für die Lesezeit hat er Philip Roths "Der menschliche Makel" (2003) und Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" (2008) eingelesen. Jürgen Hentsch starb am 21. Dezember 2011.

Produktion: Rundfunk der DDR 1964

Sprecher:
Johannes Bobrowski

(27 Min.)