Religion & Leben

Interreligiöser Kalender : Religiöse Feiertage im Oktober 2013

Im Oktober beten Hindus zu Navaratri die weiblichen Aspekte des Göttlichen an, die Christen feiern das Erntedankfest, die Protestanten die Reformation, die Muslime begehen ihr wichtigstes Fest: das Opferfest ... Die wichtigsten Feiertage verschiedener Religionen finden Sie hier im Überblick

5. Oktober: Navaratri (hinduistisch)

Zu Navaratri, das neun Nächte lang gefeiert wird, beten Hindus in ganz Indien die weiblichen Aspekte des Göttlichen an. Insgesamt gibt es drei dieser Aspekte, die jeweils drei Nächte lang im Mittelpunkt stehen: In den ersten drei Nächten wird der zerstörende Aspekt der Mutter verehrt, in den folgenden Nächten der schöpferische und dann der Wissensaspekt. Am Ende dieser neun Nächte steht der Tag des Sieges, der auf eine Legende aus der Hindu-Mythologie zurückgeht. In ihr besiegt die Göttin Durga den Dämon Mahisasura nach neun Tagen und Nächten dauerndem Kampf.

Navaratri zählt zu den wichtigsten Festen des Hinduismus. Die Gläubigen bitten dabei meist im Kreise ihrer Familie um Schutz, Wohlstand und spirituelle Transformation. Der zehnte Tag von Navaratri wird traditionell genutzt, um Jungen einzuschulen oder spirituelle Aspiranten zu weihen.

6. Oktober: Erntedankfest (römisch-katholisch, evangelisch)

Erntedankfest
Dekoration zum Erntedankfest

Christen in aller Welt danken zu Beginn des Herbstes für die Erntegaben. Seit dem dritten Jahrhundert ist diese Tradition belegt, aber einen überall verbindlichen Termin gibt es nicht. In Deutschland ist von der katholischen Bischofskonferenz 1972 der erste Sonntag im Oktober festgelegt worden. Die Gemeinden sind aber nicht verpflichtet, dieses Fest auch zu feiern. Es ist kein offizielles Fest des Kalenders.

In der evangelischen Kirche wurde früher das Erntedankfest entweder am Michaelistag (29. September), am vorhergehenden oder nachfolgendem Sonntag gefeiert. Mit der Zeit bürgerte sich überwiegend der erste Sonntag nach Michaelis als Termin für das Erntedankfest ein. Und das ist meist der erste Sonntag im Oktober. In diesem Jahr fällt Michaelis auf einen Sonnabend und da können evangelische Gemeinden am 30. September oder am 7. Oktober für die Ernte danken.

Wann auch immer: Zum Erntedank gehört es, dass der Kirchenraum üppig mit Äpfeln, Birnen, Kürbissen und Blumen geschmückt wird und die Feiernden sich bewusst sind, dass das "tägliche Brot" nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist.

14. Oktober: Mariä Schutz und Fürbitte (russisch-orthodox, byzantinisch)

Byzantinisches Deesismosaik in der Hagia Sophia in Istanbul
Byzantinisches Deesismosaik in der Hagia Sophia in Istanbul

Das Fest Mariä Schutz und Fürbitte ist ein Fest der orthodoxen und byzantinischen Kirchen zu Ehren der Mutter Gottes. Es geht auf eine Legende aus dem 10. Jahrhundert zurück: In ihr erscheint Maria dem Seligen Andreas, der als Sklave verkauft worden war. Konstantinopel wurde damals von den Türken belagert. Doch als Andreas und sein Diener Epiphanius von der Erscheinung der Maria berichteten, gaben die Türken die Belagerung auf.

Mariä Schutz und Fürbitte wird in Russland seit dem 12. Jahrhundert begangen. Es zählt zu den Hochfesten der russisch-orthodoxen Kirche, an dem einer alten Bauernregel zufolge der erste Schnee in Russland fällt.

15. Oktober: Opferfest (islamisch, alevitisch)

Das Opferfest gilt als das höchste aller islamischen Feste und dauert drei bis vier Tage lang. Es wird etwa 70 Tage nach dem Ende des Ramadans zum Höhepunkt des Haddsch begangen, der Wallfahrt, die jährlich Millionen Gläubige nach Mekka reisen lässt.

Frauen mit Kopftüchern
Muslime

Mit dem Opferfest erinnern die Muslime an den Propheten Ibrahim, der bereit war, für Allah seinen Sohn Ismail zu opfern als Beweis für seine Loyalität. Gleichzeitig danken die Gläubigen Allah, der dieses Opfer nicht angenommen, sondern Ismail gerettet hat. Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist deshalb die Opferung eines Tieres – einer Kuh, eines Schafes oder, im Falle alevitischer Gläubiger, eines Hammels. Das Fleisch des geschlachteten Tieres geht in gleichen Teilen an den Opfernden, an seine Verwandten und an Bedürftige und wird im Kreise der Familie gegessen. Den Rest des Tages verbringen die Gläubigen damit, ihrer Verstorbenen zu gedenken und Freunde und Bekannte zu besuchen, um das Ereignis erneut mit ihnen zu feiern.   

In Deutschland lebende Muslime haben das Rechts, sich für das Opferfest einen Tag frei bzw. ihre Kinder einen Tag aus der Schule zu nehmen ähnlich wie das bei christlichen Feiertagen der Fall ist.

20. Oktober: Oog-Phansa (thai-buddhistisch)

Mit Oog-Phansa endet die dreimonatige Fastenzeit der Mönchsgemeinschaft Sangha und damit die Regenzeit in Thailand. Während dieser Zeit ziehen sich die Mönche und Novizen auf Geheiß Buddhas in ihre Klöster zurück. Mit Oog-Phansa klingt diese oftmals düstere und regenverhangene Zeit fröhlich aus.

Oog-Phansa wird bis zu einem Monat lang gefeiert – mit Volksfesten, Schlangenbootrennen oder festlichen Prozessionen.

20. Oktober: Geburt des Bab (Baha’i)

Am 20. Oktober feiern die Baha’i die Geburt ihres Religionsstifters, Bab. Bab wurde am 20. Oktober 1819 im heutigen Iran als Mirza Ali Muhammad geboren und gilt als Nachkomme Mohammeds. Im Mai 1844 erhob er erstmals den Anspruch einer göttlichen Offenbarung. Er nannte sich fortan Bab und begann seine Botschaft unter die Menschen zu bringen – eine Botschaft, in der er mehr Rechte für Frauen, Bildung für alle, Toleranz, Nächstenliebe und geistige Erneuerung forderte. Damit gewann er viele Anhänger, machte sich aber auch Feinde in den Reihen muslimischer Geistlicher. Anfang 1847 wurde der Bab deshalb verhaftet und drei Jahre später öffentlich hingerichtet. Seine sterblichen Überreste wurden später auf dem Berg Karmel in Haifa im heutigen Israel bestattet.

Der Geburtstag des Bab gehört zu den großen Feiertagen der Baha'i im Jahr und wird meist mit einer Andacht, einer Erinnerung an die Geburt des Bab und einem gemeinsamen Festmahl begangen.

31. Oktober: Reformationstag (evangelisch)

Besucher des Reformationsfestes stehen auf dem Marktplatz in Wittenberg bei einer musikalischen Darbietung
Besucher des Reformationsfestes auf dem Marktplatz in Wittenberg

Am Reformationstag gedenken die evangelischen Christen Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahre 1517. An diesem Tag soll Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben, um eine akademische Disputation über Ablass und Buße herbeizuführen. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Reformation. Offizieller Gedenktag wurde der Tag 1667 durch eine Anordnung Kurfürst Georgs II. von Sachsen. Gab es vorher verschiedene Gedenktermine, setzte sich dieses Datum in den meisten Landeskirchen durch.

Heute ist der Reformationstag in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesetzlicher Feiertag. Außer in Deutschland ist der Reformationstag noch in Slowenien und Chile gesetzlicher Feiertag. In der Schweiz feiern die reformierten Kirchen am ersten Sonntag nach dem 31. Oktober den Reformationssonntag.

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2013, 18:52 Uhr

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