Religion & Leben

Interreligiöser Kalender : Religiöse Feiertage im Oktober 2014

Im Oktober feiern die Christen das Erntedankfest. Die Protestanten begehen den Reformationstag und die Muslime ihr wichtigstes Fest: das Opferfest ... Die wichtigsten Feiertage verschiedener Religionen finden Sie hier im Überblick!

4. Oktober: Jom Kippur - Versöhnungstag (jüdisch)

Der Versöhnungstag, Jom Kippur, ist einer der wichtigsten Tage im jüdischen Festtagskalender. Er wird als Tag der Reue, der Buße und der Umkehr begangen, an dem nach talmudischer Tradition die am Neujahrsfest gefällten Urteile über die Menschen besiegelt werden. Aus diesem Anlass fasten die Juden vom Vorabend von Jom Kippur an und verbringen einen Großteil des Festes in der Synagoge. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich zum sogenannten "Anbeißen", einem festlichen Mahl, und wünschen sich gegenseitig ein gutes Jahr und eine gute Besiegelung.

4. Oktober: Opferfest (muslimisch)

Das Opferfest gilt als das höchste aller islamischen Feste und wird über drei bis vier Tage hinweg gefeiert. Es findet etwa 70 Tage nach dem Ende des Ramadans statt und bildet den Höhepunkt des Haddschs, der traditionellen Wallfahrt muslimischer Gläubige nach Mekka. Mit dem Fest erinnern die Muslime an den Propheten Ibrahim, der bereit war, Allah seinen Sohn Ismail zu opfern als Beweis für seine Loyalität. Gleichzeitig danken die Gläubigen Allah, der dieses Opfer nicht angenommen, sondern Ismail gerettet hat. Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist deshalb die Opferung eines Tieres - einer Kuh, eines Schafes oder, im Falle alevitischer Gläubiger, eines Hammels. Die restlichen Tage verbringen die Gläubigen im Gedenken an ihre Verstorbenen und damit, Freunde und Bekannte zu besuchen, um das Ereignis erneut mit ihnen zu feiern.   

4. Oktober: Dashahara (hinduistisch)

Dashahara ist ein bedeutendes hinduistisches Fest, welches am zehnten Tag der mondhellen Hälfte des Hindu-Monats Ashvayuja gefeiert wird (meist Anfang/Mitte Oktober) und den Abschluss eines zehntägigen Festivals darstellt - ein Festival, welches in alle Regionen Indiens anders begangen und bezeichnet wird. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Dashahara zugrunde liegenden Legenden, Sitten und Bräuche: Während im Norden Indiens zu Dashahara die Rückkehr Ramas aus der Verbannung mit mehrtägigen religiös-unterhaltsamen Theateraufführungen gefeiert wird, stellt man im Süden des Landes Puppen in Gedenken an Kali, die dunkle Seite der Göttin Durga, die einst den Büffeldämon Mahishasura bezwungen hat, aus.

5. Oktober: Erntedankfest (römisch-katholisch, evangelisch)

Seit dem 3. Jahrhundert danken Christen in aller Welt zu Beginn des Herbstes für die Erntegaben. Einen verbindlichen Termin hierfür gibt es allerdings nicht und auch keine Verpflichtung für die Gemeinden, das Fest zu begehen. In den katholischen Gemeinden Deutschlands werden seit einer Festlegung der deutschen Bischofskonferenz im Jahr 1972 am ersten Sonntag im Oktober die Kirchen mit Äpfeln, Birnen, Kürbissen und Blumen geschmückt. In evangelischen Gemeinden dankt man für das "täglich Brot" am ersten Sonntag nach Michaelis, meist am ersten Sonntag im Oktober.

Geschmückter Stadtbrunnen
Festlich geschmückter Marktplatz vor der Radfahrerkirche in Wehlen, Sächsische Schweiz.

12. Oktober: Oog-Phansa (thai-buddhistisch)

Mit Oog-Phansa endet die dreimonatige Regenzeit in Thailand und damit die Fastenzeit der buddhistischen Mönchsgemeinschaft Sangha. Diese zieht sich traditionell während der Regenzeit in ihre Klöster zurück. Der Überlieferung zufolge geht diese Tradition auf Buddha selbst zurück: Zum Schutz der aufkeimenden Saat verbot er den Mönche und Novizen das Herumlaufen in der Natur während der Regenzeit. Mit Oog-Phansa klingt diese oftmals düstere und regenverhangene Zeit fröhlich aus. Bis zu einem Monat lang feiern die Gläubigen die verschiedensten Volksfeste, veranstalten Schlangenbootrennen oder festliche Prozessionen.

13. Oktober: Id al-Ghadir - Ghadir Khum-Fest (schiitisch)

Das Ghadir Khum-Fest gehört zu den islamischen Festen und Gedenktagen, die ausschließlich von Anhängern der Schia, des schiitischen Islam, begangen werden. Mit ihm erinnern die Gläubigen an die Ernennung Ali ibn Abi Talibs, einem Schwiegersohn und Vetter des Propheten Muhammads, zu seinem Nachfolger - ein Anspruch, der von sunnitischen Muslimen nicht anerkannt wurde und im Jahr 660 unserer Zeit schließlich zur Spaltung des Islam führte. Schiiten sind in verschiedenen Ländern zu Hause, allen voran im Irak, in Syrien, im Libanon und im Iran. In letzterem ist Ghadir Khum ein Nationalfeiertag und damit Anlass zu fröhlichem Beisammensein.

Schiit betet kniend mit dem Kopf am Boden auf einem Gebetsteppich.
Ein betender Schiit.

14. Oktober: Mariä Schutz und Fürbitte (russ.-orth., byz.)

Das Fest Mariä Schutz und Fürbitte ist ein Fest der orthodoxen und byzantinischen Kirchen zu Ehren der Mutter Gottes. Es wird seit dem 12. Jahrhundert gefeiert und geht auf eine Legende aus dem 10. Jahrhundert zurück: In ihr erscheint Maria dem Seligen Andreas, der während der Belagerung Konstantinopels durch die Türken gefangen genommen und als Sklave verkauft worden war. Als Andreas und sein Diener Epiphanius von der Erscheinung Marias berichten, geben die Türken die Belagerung auf. Mariä Schutz und Fürbitte zählt zu den Hochfesten der russisch-orthodoxen Kirche. Mit ihm gedenken die Gläubigen der damaligen Ereignisse und bitten selbst um den Schutz der Gottesmutter. 

20. Oktober: Geburt des Bab (Baha‘i)

Am 20. Oktober feiern die Baha’i mit Andachten und einem festlichen Mahl die Geburt ihres Religionsstifters, Bab. Bab wurde am 1819 im heutigen Iran als Mirza Ali Muhammad geboren und gilt als Nachkomme Mohammeds. Im Mai 1844 offenbarte er sich erstmals öffentlich als Gottgesandter. Er nannte sich fortan Bab und begann, seine Botschaft unter die Menschen zu bringen. In dieser forderter er mehr Rechte für Frauen, Bildung für alle, Toleranz, Nächstenliebe und geistige Erneuerung. Damit gewann er viele Anhänger, erzürnte aber auch die muslimische Geistlichkeit. Anfang 1847 wurde Bab deshalb verhaftet und drei Jahre später öffentlich hingerichtet. Seine sterblichen Überreste wurden später auf dem Berg Karmel in Haifa im heutigen Israel bestattet.

31. Oktober: Reformationstag (evangelisch)

Am Reformationstag gedenken die evangelischen Christen Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahre 1517. Der Überlieferung nach soll der Mönch und Theologieprofessor am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Sein Ziel war es, einen akademischen Disput über die vorherrschende Praxis des Ablasshandels herbeizuführen, denn Luther bestritt die vorherrschende Ansicht, es gäbe die Möglichkeit, sich von seinen Sünden freizukaufen. Doch statt einen Disput herbeizuführen, leitete er die Reformation der Kirche und damit die Aufspaltung der christlichen Kirche in eine römisch-katholische und eine protestantische ein.

Zum offiziellen Gedenktag erhoben wurde der Reformationstag im Jahr 1667 durch eine Anordnung Kurfürst Georgs II. von Sachsen, der mit seiner Anordnung zudem für eine Vereinheitlichung des Datums sorgte. Gab es vorher verschiedene Gedenktermine in den verschiedenen Landeskirchen, Luthers Geburts- und Sterbetag zum Beispiel, setzte sich bald darauf mehrheitlich der 31. Oktober als Gedenktag durch.

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. Außerhalb Deutschlands wird er zudem in Slowenien und Chile gefeiert. In der Schweiz feiern die reformierten Kirchen am ersten Sonntag nach dem 31. Oktober den Reformationssonntag.

Heute feiern Protestanten in aller Welt den Reformationstag meist mit einem Gottesdienst. In Wittenberg wird der 31. Oktober traditionell mit verschiedenen Veranstaltungen begangen. Festgottesdienste in der Stadt- und Schlosskirche stehen dabei ebenso auf dem Programm wie ein Mittelaltermarkt, eine wissenschaftliche Diskussion in der alten Wittenberger Universität, Konzerte, Theater und Kabarett. Dazu werden traditionell so genannte Reformationsbrötchen gereicht, kleine viereckige Hefeteigtaschen mit einem Klecks Marmelade in der Mitte – eine kulinarische Erinnerung an die Lutherrose, mit der der Reformator seine Schriften einst versah. Reformationsbrötchen sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, vor allem in der Region um Leipzig bekannt. In der Gegend um Dresden und im Vogtland kennt man hingegen Reformationsbrot, ein stollenartiges Brot, welches mit Aprikosenkonfitüre bestrichen und einer Fondantglasur überzogen wird.

Gemeinsam mit Darsteller Bernhard Naumann im Kostüm des Reformators Martin Luther, zieht der Moskauer Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland, Dietrich Brauer in Wittenberg über den Marktplatz
Alljährlich feiert Wittenberg den Reformationstag mit einem bunten Fest.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2014, 12:50 Uhr

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