Di 07.11. 2017 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Werkstatt

Von Scholochow bis Charms: Was bleibt von der Sowjetliteratur?

Komplette Sendung

Bücher liegen auf einem Tisch.
Bildrechte: Katrin Wenzel/MDR
MDR KULTUR - Das Radio Di, 07.11.2017 22:00 23:00

Ein Abend mit Eugen Ruge und Irina Scherbakowa

Wer in der DDR aufgwachsen ist, wird sich daran erinnern: an die verordnete Lektüre vermeintlicher Meisterwerke des revolutionären Brudervolkes. Doch linientreue Bücher wie Nikolai Ostrowskis "Wie der Stahl gehärtet wurde" waren längst nicht alles, was aus der "Union der sozialistischen Sowjetrepubliken" ins Leseland DDR gelangte. Literaturkenner und -übersetzer, Enthusiasten und Wissenschaftler nutzten die von der SED verhängte Rezeptionspflicht, um auch und gerade jene Entdeckungen zugänglich zu machen, die den Geist undogmatischer Innovation und moralischer Aufrichtigkeit atmeten.

Was Thomas Reschke, Ralf Schröder, Lola Debüser, Christina Links, Fritz Mierau u.a. ins Land der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" schmuggelten, war ein reiches Angebot an sowjetischer Literatur. Es reichte von Michail Bulgakow bis zu Ilja Ehrenburg, von Daniil Charms über Marina Zwetajewa bis zu Andrej Platonow - auch wenn es ein Mann wie Alexander Solshenizyn nie und Boris Pasternak erst ganz zum Schluss in die Buchläden der DDR schafften.

In diesen Tagen ist es 100 Jahre her, dass die "Große Sozialistische Oktoberrevolution" einen weltweiten Wandel der politischen Kräfteverhältnisse einleitete - mit allen uns heute bekannten Konsequenzen. Die Literatur hat diese Prozesse begleitet, analysiert und kommentiert, mitunter schöngeredet, manches Mal kritisiert. Und möglicherweise hat sie die Ereignisse rund um Glasnost und Perestroika vorbereitet – länger und stärker, als uns allen das auf den ersten Blick bewusst ist.