Historische Aufnahmen des Schaffens des Gärtnermeisters Krumbiegel
Mit einer Feier wurde Gustav Hermann Krumbiegel in den Ruhestand verabschiedet. Bildrechte: Archiv Schloss und Park Pillnitz

Sonderausstellung in Pillnitz Der "Gärtner des Maharadschas" – ein unbekannter Sachse

In Bangalore ist Gustav Hermann Krumbiegel ein Star. Der aus Sachsen stammende Gärtner wird hoch verehrt, sein Geburtshaus in Lohmen in der Sächsischen Schweiz aus Blumen nachgebaut. In der Heimat ist das Multitalent unbekannt - bisher. Und wäre nicht dieser Anruf aus Indien gekommen, wäre das wohl auch so geblieben…

Historische Aufnahmen des Schaffens des Gärtnermeisters Krumbiegel
Mit einer Feier wurde Gustav Hermann Krumbiegel in den Ruhestand verabschiedet. Bildrechte: Archiv Schloss und Park Pillnitz

Sechs Jahrzehnte nach seinem Tod wird einer der bedeutendsten Landschaftsgestalter des 19. Jahrhunderts auch in seiner Heimat geehrt. Das Schlösserland Sachsen inszeniert unter dem Titel "Der Gärtner des Maharadschas - Ein Sachse bezaubert Indien" ein ganzes Themenjahr. Anlass ist der 150. Geburtstag von Gustav Hermann Krumbiegel. Der Gartenkünstler lernte in den Königlichen Gärten Pillnitz das grüne Handwerk, bereicherte in London sein Können und machte sich schließlich auf den Weg nach Indien, wo er sich mit seiner Gartenkunst unsterblich machte.

Teppichbeetbepflanzung in Pillnitz um 1900
Die Bepflanzung in Pillnitz - wie hier um 1900 - haben Krumbiegel stark geprägt. Und sie weckten die Sehnsucht nach der weiten Welt. Bildrechte: Archiv Schloss und Park Pillnitz

 Keine Spuren in Sachsen

In der Ausstellung, die am Freitag eröffnet und ab Sonnabend in Pillnitz zu sehen ist, zeichnen Dokumente, Urkunden, Bilder und Originalexponate Leben und Werk Krumbiegels nach. Nach Ansicht von Kuratorin Anja Eppert deutet alles darauf hin, dass er nach der Lehre in Sachsen in der Ferne ein neues Leben anfangen wollte. "Er war hier nie aktiv, es gibt keine Dokumente", so Eppert.

Als das indische Generalkonsulat in Berlin vor zwei oder drei Jahren nachfragte, was wir zum 150. Geburtstag planen, sagten wir: Wer ist das?

Sprecher der Schlösserverwaltung

Visionär des modernen städtischen Lebens

Historische Aufnahmen des Schaffens des Gärtnermeisters Krumbiegel
Historische Aufnahme des Brindavan Garden in Indien. Bildrechte: Archiv Schloss und Park Pillnitz

Umso erfolgreicher war Krumbiegel in Indien. Der deutsche Generalkonsul Jörn Rohde erklärt, Krumbiegels Lebenswerk werde bis in die Gegenwart als Vorbild für das moderne städtische Leben zitiert. "Bangalores Ruf als Garden City gründet auf den von Krumbiegel konzipierten Maßnahmen zur Begrünung der Stadt." Krumbiegel setzte sich auch für Bildung und Gesundheit der ländlichen Bevölkerung ein und warb für den Gartenbau.

1884 ernannte Seine Majestät Krishnaraja Wodeyar IV. den Sachsen zum Consulting Architekt, Berater in Fragen der Gärten und Gestaltung. Bis in die 1930er- Jahre wirkte Krumbiegel in Indien, wo er mit 91 Jahren starb und beigesetzt wurde.

Er war nicht nur Gärtner, sondern auch Architekt und Stadtplaner. Ein Multitalent.

Anja Eppert, Kuratorin

Im Sommer nun soll sich der Pillnitzer Park so verwandeln, dass er dem "Gärtner des Maharadschas" zur Ehre reicht: mit Teppichbeeten, Blumentreppen und -skulpturen aus Pflanzen von Agaven über Canna oder Tagetes bis Zinnien. Der Kräutergarten wird um indische Gewürz- und Nutzpflanzen erweitert, die für farbige und kontrastreiche Blickpunkte sorgen sollen. Bereits im Januar traf ein Geschenk aus Indien ein: eine Büste von Gustav Hermann Krumbiegel, die auch in der Sonderausstellung zu sehen sein wird.

Büste des ehemaligen Pillnitzer Gärtnerlehrlings, Gustav Hermann Krumbiegel (1865-1956)
Bildrechte: dpa

Werdegang Gustav Hermann Krumbiegel Gustav Hermann Krumbiegel wurde am 18. Dezember 1865 in Lohmen in der Sächsischen Schweiz geboren und machte in den Königlichen Gärten Pillnitz eine Ausbildung. Über Schwerin und Hamburg kam er nach London, wo er 1888 als einer der wenigen Ausländer eine Anstellung in den Royal Botanic Gardens Kew erhielt. Dort vertiefte er sein Wissen in Botanik, Chemie und Physik.

Krumbiegel galt als Spezialist für die Vermehrung tropischer Pflanzen und war 1893 Mitbegründer der Kew Guild, einer nach wie vor existierenden Vereinigung aller Gärtner und Mitarbeiter der Kew Gardens. Kurz danach zog es den 27-Jährigen nach Indien, wo er in den sommerlichen Rückzugsorten der Maharadschas und Briten, den "Hill Stations" wirkte. Er betreute Palastgärten in Bangalore und Mysore und legte Versuchsanbauflächen für zahlreiche Nutzpflanzen wie Mango, Äpfel und Wein an.

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2016, 19:43 Uhr

Keramikmodel einer Indischen Obst- und Gemüseverkäuferin
Bildrechte: dpa

Pillnitzer Themenjahr "Der Gärtner des Maharadschas. Ein Sachse bezaubert Indien."

"Der Gärtner des Maharadschas. Ein Sachse bezaubert Indien."

30.4.-1.11.: Sonderausstellung im Neuen Palais
1.6.-3.10.: Florale Inszenierung des Pillnitzer Schlossparks

Außerdem gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm wie Yoga im Park, indische Brettspiele und Rangoli-Legen.