US-Regisseuer Quentin Tarantino
US-Regisseuer Quentin Tarantino Bildrechte: dpa

Missbrauchsvorwürfe in Hollywood Tarantino bedauert sein Schweigen im Fall Weinstein

US-Regisseuer Quentin Tarantino
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Quentin Tarantino hat es bedauert, nicht schon früher auf die Missbrauchsvorwürfe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein reagiert zu haben. Das sagte der amerikanische Star-Regisseur und Oscar-Preisträger in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der "New York Times". Er habe seit vielen Jahren von den Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen Weinstein gewusst.

Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich getan habe. (…) Da war mehr dran als an normalen Gerüchten, dem normalen Geschwätz. Das war nicht aus zweiter Hand. Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat.

Quentin Tarantino
Produzent, Harvey Weinstein
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Tarantinos Ex-Freundin Mira Sorvino habe ihm 1995 von unsittlichen Berührungen Weinsteins erzählt, so der Regisseur weiter. Das habe ihn schockiert. Doch, obwohl er danach von weiteren ähnlichen Fällen hörte, habe er nie das ganze Ausmaß erkannt und die Anschuldigungen verdrängt. Jetzt, nach dem Bekanntwerden der neuen Offenbarungen, sei er erschüttert. Er habe mehrfach bei Weinstein angerufen, aber nichts von ihm gehört. Weinstein müsse nun für seine Taten geradestehen, sagte er der "New York Times".

Seit mehr als 20 Jahren arbeiteten Tarantino und der Hollywood-Mogul eng zusammen. Ihre erste gemeinsame Produktion war "Reservoir Dogs" im Jahr 1992, später folgten "Pulp Fiction", "Kill Bill", "Inglorious Basterds", "Django Unchained" und "The Hateful Eight".

Dutzende Vorwürfe gegen Weinstein

In den vergangenen Tagen haben dutzende Frauen Vorwürfe gegen Weinstein von Belästigungen bis zu Vergewaltigung öffentlich gemacht, darunter Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Zahlreiche Branchen-Kollegen wie Tom Hanks, Leonardo DiCaprio und Meryl Streep haben sich inzwischen deutlich gegen Weinstein positioniert.

Auch Britisches Filminstitut entzieht Weinstein Ehrenmitgliedschaft

Aufgrund der Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen hat das renommierte Britische Filminstitut Hollywood-Produzent Harvey Weinstein inzwischen die Ehrenmitgliedschaft aberkannt. Das Institut erklärte, die ernsten und umfassenden Anschuldigungen über Harvey Weinsteins entsetzliches Verhalten stünden in Widerspruch zu den Werten des Filminstituts. Das Britische Filminstitut hatte Weinstein die Ehrung im Jahr 2002 für seinen herausragenden Beitrag zu Film und Fernsehen verliehen.

Auch Hollywood kehrt Harvey Weinstein den Rücken: Aus der Oscar-Akademie wurde der Mogul bereits vor einigen Tagen ausgeschlossen. Die Akademie hatte Weinsteins Verhalten als "abstoßend, abscheulich und unethisch" bezeichnet. Die British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) hat ebenfalls auf den Skandal reagiert und Weinstein die Mitgliedschaft gekündigt.

Neue Ermittlungen der Polizei

Die Polizei in Los Angeles leitete unterdessen neue Ermittlungen gegen Weinstein ein, wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung im Jahr 2013. Die Aussage des mutmaßlichen Opfers sei aufgenommen worden, sagte der Polizeisprecher Drake Madison. "Der Fall wird untersucht." Den Namen des Opfers nannte der Sprecher nicht, Medienberichten zufolge soll es sich um eine auch als Fotomodell arbeitende italienische Schauspielerin handeln. Zuvor hatten bereits fünf Frauen Weinstein der Vergewaltigung beschuldigt. Auch in New York und Großbritannien wurden Ermittlungen wegen der Vorwürfe eingeleitet.

#MeToo: die Debatte zu sexueller Belästigung im Internet

Der Skandal um Weinstein hat inzwischen zu einer Welle Solidarisierung in den sozialen Netzwerken geführt. Nachdem zahlreiche prominente Frauen Vorwürfe gegenüber Harvey Weinstein geäußert hatten, solidarisierte sich die amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter mit allen Opfern sexueller Übergriffe. Sie sollten mit dem Hashtag #MeToo twittern, falls sie auch einmal belästigt wurden.

Zehntausende Frauen und Männer weltweit berichten seitdem unter dem Hashtag in den sozialen Medien über sexuelle Belästigungen, Beleidigungen auf sexueller Grundlage und (versuchte) Vergewaltigungen. Sogar die schwedische Außenministerin Margot Wallström twitterte unter #MeToo über einen Übergriff während eines Abendessens mit europäischen Regierungschefs. Die Vereinten Nationen forderten auf Twitter, dass es Zeit sei, den Stimmen der Frauen auf der ganzen Welt zuzuhören. Seit kurzer Zeit kursiert auf Twitter auch ein Gegenstück zu #MeToo. Unter dem Hashtag #HowIWillChange reflektieren Männer ihr Verhalten.

Sexuelle Belästigung an deutschen Theatern

Ulrich Khuon beobachtet den Missbrauch von Machtverhältnissen auch an deutschen Theatern seit 25 Jahren. Damit reagierte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins auf die Debatte um sexuelle Belästigung an deutschen Theatern und in der Filmbranche, die im Umfeld der Ermittlungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein entbrannt ist. Auf Anfrage von MDR KULTUR appellierte er an betroffene Kolleginnen und Kollegen, vorhandene Instrumente wie die Ensemblesprecher und Personalräte zu nutzen, um Fälle von Missbrauch anzuzeigen, zu sanktionieren und weitere zu verhindern.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Kompakt | 20. Oktober 2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2017, 10:58 Uhr

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