Oper Halle
Die Bühnen Halle, zu denen auch die Oper gehört, haben in der neuen Spielzeit viel vor Bildrechte: IMAGO

Bühnen Halle stellen Programm 2017/2018 vor Theater im Hotel

Die Bühnen Halle haben ihren neuen Spielplan präsentiert. Der wurde mit Spannung erwartet. Opernintendant Florian Lutz steht gerade in der Kritik. Aber womöglich hat das Theater ein ganz anderes Problem.

von MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky

Oper Halle
Die Bühnen Halle, zu denen auch die Oper gehört, haben in der neuen Spielzeit viel vor Bildrechte: IMAGO

Nein, Florian Lutz reagiert nicht auf die Kritik. Wie auch? So schnell kann man keinen Spielplan umbauen. Und die Kritik kam ja erst Ende April auf, weil u.a. interne Auslastungszahlen veröffentlicht wurden. Aber eine Sache will Florian Lutz ab nächster Spielzeit fest installieren: zweimal im Jahr eine öffentliche Diskussion über das, was er in Halle auf die Bühne bringt. Das ist natürlich auch eine Diskussion über ein Stadttheater generell für Halle: über Sinn, Zweck, Aufgaben. Das gab’s gerade erst, am 14. Mai, und kam bei den Besuchern erstaunlich gut an.

Konkret zum Spielplan. Mitte September geht es los: "Fidelio" von Beethoven in der Regie von Florian Lutz selbst. "Aida" von Verdi dann im Januar. "Die Dreigroschenoper" als Kooperation mit dem Schauspielhaus, dem Neuen Theater. Neben diesen Klassikern wird es zeitgenössische Opern geben, ein Musical, auch eine Tango Oper von Astor Piazzolla. Zu den Händel-Festspielen 2018 dann "Berenice", ein Stück über Rom und Ägypten. Überhaupt wird Händel mehr Thema sein im Programm. Unterm Strich klingt nach einem guten, ausgewogenen Programm.

Blick auf Maritim-Hotel in Halle
Das ehemalige Maritim-Hotel wird zur Theaterbühne Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Raumbühne "Heterotopia" wird auch wieder aufgebaut, allerdings kurz, und sie bekommt einen Nachfolger. Das neue Projekt heißt "Ein Hotel für Alle". Gemeint ist das Maritim-Hotel am Bahnhof. 1966 wurde es als Interhotel eröffnet, mit der Wende ist es dann zum Hotel der Maritim-Gruppe geworden, zuletzt diente es als Unterkunft für Geflüchtete. Das Hotel habe also mehrere "Transformationen" hinter sich. Und jetzt noch eine vor sich: Im Oktober und November soll eine Transformation durch Kunst passieren. Denn der Herbst sei durch Luthers Thesenanschlag und auch durch die Oktoberrevolution besonders markiert. Das soll auch hier ein Hintergrund sein. Übrigens sind nicht nur alle Sparten der Bühnen Halle beteiligt, sondern auch noch das Werkleitz-Festival, eine Galerie, ein Stadtradio, die Theaterwissenschaft der Universität Leipzig, die Kunsthochschule Burg Giebichenstein - also viele aus der Kunst- und Kulturszene wenn man so will. Und diese Zusammenarbeit, oder Neudeutsch Vernetzung, passt dann wieder zur Bewerbung Halles als Kulturhauptstadt. Das Thema ist ja: Vernetzt sein, und hier gibt es schon mal die kulturelle Vernetzung als ein erstes Beispiel.

Ragna Schirmer
Ragna Schirmer Bildrechte: MDR/Mathias Bothor

Die Staatskapelle spielt fast schon traditionell acht Symphoniekonzerte plus Sonderkonzerte. Ende Oktober gibt es die Uraufführung eines Oratoriums nach einem Libretto von Christoph Hein mit dem unvermeidlichen Titel "Luther". Das Ballett hat zwei Premieren im Köcher: "Die Kameliendame" nach Alexandre Dumas' Roman und einen Doppelabend zu Dantes "Inferno" und Strawinskys " sacre du printemps". Das Puppentheater zeigt - ja eigentlich ist es DAS Paradestück für Puppenbühnen, weil der Protagonist hier selbst eine Puppe, den Totenschädel Yoricks, zum Sprechen bringt - das Puppentheater zeigt "Hamlet". Dazu die Uraufführung mit dem Titel: "Clara". Die Pianistin Ragna Schirmer wird hier in die Rolle der Clara Schumann schlüpfen, die ja nicht nur Ehefrau von Robert sondern selbst auch gefeierte Pianistin war. Und Clara Schumann hat 2019 ihren 200. Geburtstag, also das Stück zum Jubiläum.

Florian Lutz, Operndirektor, Intendant, Oper Halle
Intendant Florian Lutz Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Das Neue Theater zeigt Hebbels "Nibelungen", Houellebecqs "Unterwerfung", also den Roman über die Islamisierung Frankreichs als Bühnenfassung, dann Günter Grass‘ "Die Blechtrommel" und Christa Wolfs "Der geteilte Himmel". Diese vier Stücke scheinen programmatisch zu sein: eine Art Nachdenken über Deutschland, wie es geworden ist, wie es werden könnte - übrigens auch komödiantisch: von Sibylle Berg gibt es "Und dann kam Mirna", ein Stück über alleinerziehende Mütter aus kritischer Töchtersicht.

Auch die Kritik an Florian Lutz, dem neuen Opernintendanten, spielte zum Schluss noch eine Rolle, mit Blick auf interne Auslastungs- und Betriebszahlen, die völlig unüblich, mitten in der Saison an die Öffentlichkeit kamen. Da gab es doch einige Nachfragen an den Geschäftsführer Stefan Rosinski, denn die Zahlen sind aus einem Schreiben von ihm an den Aufsichtsrat des Theaters entnommen und an die Öffentlichkeit gelangt.

Stefan Rosinski
Geschäftsführer Stefan Rosinski Bildrechte: dpa

Eine Frage an Rosinski war, warum er zu diesen internen Zahlen keine Stellung bezogen habe? Rosinski antwortete sinngemäß, dass die Zusammenhänge zu komplex seien und das interessiere das Publikum dann auch nicht. Auf die Frage, warum er nicht zur Podiumsdiskussion am 14.5. gekommen sei, um dort Position zu beziehen, sagte er, er habe eine andere Verpflichtung gehabt.

Hier bleiben einige wichtige Fragen zum Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und künstlerischer Leitung der Oper offen, deren Beantwortung sicher auch im Interesse des interessierten Opernpublikums in Halle ist.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch: im Radio | Kulturnachrichten | 19.05.2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2017, 10:18 Uhr

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