Claudio Monteverdi, italienischer Komponist (1567-1643)
Claudio Monteverdi (1567-1643) Bildrechte: IMAGO

15. Mai 1567: Claudio Monteverdi geboren Ein selbstbewusster Komponist

von Thomas Hartmann

Claudio Monteverdi, italienischer Komponist (1567-1643)
Claudio Monteverdi (1567-1643) Bildrechte: IMAGO

Es gibt hier keinen Herrn, der mich nicht schätzt und ehrt, und wenn ich entweder Kirchen- oder Kammermusik aufführe, kommt, ich schwöre es Euch, die ganze Stadt.

Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi schwärmt. Er ist wahrlich zufrieden mit seinem Leben in der Republik Venedig, als Kapellmeister am Markusdom. Mit der Kunstverständigkeit des Publikums, mit der Arbeitssituation, mit der Anerkennung, die er sowohl ideell wie materiell erfährt. Seine Vorgänger, beteuert er, hätten allenfalls die Hälfte von ihm verdient.

Claudio Monteverdi , l'orfeo, inszenierung, Bayerische Staatsoper München 2014
Monteverdis Oper "L´Orfeo" wird noch heute aufgeführt, hier in einer Inszenierung der Bayerischen Staatsoper München 2014 Bildrechte: IMAGO

Dass er sein Geld wert ist, davon überzeugt sind nicht nur die Zeitgenossen. Auch die Biographen heute. Seine Madrigale stellten "den Höhepunkt und Abschluss einer Gattungsentwicklung" dar, schreibt Wulf Konold, seine Oper "L´Orfeo" markiere "... den Beginn einer Gattungsentwicklung, wenn man die Individualität und Lebensfähigkeit des Werkes und seinen Rang als historisches Schlüsselwerk meint."

Silke Leopold wiederum betont in ihrer Monteverdi-Biographie die "emotionale Wirkungsmacht" seiner Musik.

Empathie mit den Mitteln der Musik zu erzeugen, verstand Monteverdi als seine wichtigste Aufgabe. Vielleicht ist das sein wichtigster Beitrag zur Geschichte der Musik: Ihm ging es, beim Übergang der Madrigalkunst zum musikalischen Drama, immer weniger um die Analogien zwischen Sprache und Musik, dafür aber immer mehr um die Darstellung der Affekte, der seelischen Befindlichkeiten dessen, der diesen Text sprach.

Silke Leopold, Monteverdi-Biographin

Monteverdis Leben beginnt in Cremona als Sohn eines Chirurgen und Wundarztes. Erste Beweise seines Könnens liegen 1582 vor - eine Sammlung von Motetten. Von Cremona führt sein Weg nach Mantua und an den herzoglichen Hof. Monteverdi beginnt als Bratschist und steigt am Anfang des 17. Jahrhunderts zum Hofkapellmeister auf - nachdem er sich selbst für das Amt vorgeschlagen hat:

Nicht als Lohn für besondere Tüchtigkeit, sondern als Lohn treuer und besonderer Ergebenheit, die ich stets im Dienste von Eurer Hoheit gezeigt habe. Wenn ich nicht inständigst und in großer Demut besagten Rang erbäte, dann könnte man Übles über meinen Mangel an Eifer reden.

Claudio Monteverdi

Trotz der Ernennung findet Monteverdi allerlei Grund zur Klage. Denn es herrscht bei Hofe eine heillose Diskrepanz zwischen dem Wunsche nach Luxus, Pracht, Kunst auf der einen Seite und der Finanzlage auf der anderen. Zu spüren bekommt dies der Komponist. Er betrachtet sich angesichts des Übermaßes an Arbeit als unterbezahlt, fühlt sich regelrecht ausgebeutet. Ebenso wenig behagt ihm die mangelnde Wertschätzung: Künstler von auswärts werden besser behandelt als er. Irgendwann platzt ihm der Kragen. Er meldet sich beim Schatzmeister mit den Worten.

Bitte erwirkt mir eine ehrenvolle Entlassung durch seine Hoheit, denn ich weiß, dass ich nur dadurch wirklich glücklich werden kann.

Claudio Monteverdi

Diese Entlassung kommt dann tatsächlich. Allerdings sehr viel später, zu einem Zeitpunkt, als ganze Wiesen über das Schreiben gewachsen sind. Zum Schaden Monteverdis geschieht dies allerdings nicht: Venedig ruft - und dies erweist sich für ihn als grandioser Tausch.

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