Russland und der Fifa Confederations Cup Confed-Cup - die ungeliebte Klein-WM

So richtig beliebt ist das internationale Turnier nicht. Für DFB-Chef Reinhard Grindel gehört der Konföderationen-Pokal sogar abgeschafft. Russland bietet er wiederum die Chance, für die dort stattfindende Fußball-WM 2018 zu proben.

von Bernd Schekauski

Der Fuß von Cristiano Ronaldo ruht auf einem Fußball.
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Was ein ordentlicher Fußballer ist, der feiert jeden Sieg. Und der höchste aller denkbaren Siege ist immer noch der bei einer Fußball-WM. So ein Sieg geht ein in ewige Annalen, Legenden-Bildung garantiert, somit auch reichlich Erzählstoff für ganze Fußballfan-Generationen. Das "Wunder von Bern" 1954, das hochumstrittene 3:2 im WM-Finale 1966 England gegen Deutschland, der Brasilien-Schock von Maracanã bei der Niederlage gegen Uruguay im WM-Finale 1950, das Siegtor von Mario Götze im WM-Finale von Rio 2014 - das sind Szenen, die nie versinken in der Vergessenheit.

Und der Confed-Cup?

Cristiano Ronaldo beim Spiel gegen Kamerun
Wird Cristiano Ronaldo beim Confed-Cup mitspielen? Bildrechte: IMAGO

Wer kann sich noch erinnern an das letzte Cup-Finale? Wer weiß schon, welches Team am häufigsten den Cup errang? Dass ein "Temo" Blanco Bravo die Würde des ewigen Torschützenkönigs trägt - ein Mann, der in seiner Heimat Mexiko am Ende doch immer nur die Liga rauf und runter tingelte?

Manch einer meint, der Confed-Cup sei immerhin so was wie der kleinere Bruder der Fußball-WM. Das Bild unterstellt, der Kleine könne ja noch wachsen.

Eine Königsidee

Gestartet war das Turnier als Spielzeug eines fußballverliebten saudischen Königs, Fahd ibn Abd al-Aziz.

Saudischer König Abdullah bin Abdul Aziz al Saud (KSA) anlässlich des 26. Gulf Cooperation Council in Abu Dhabi
Der saudische König Abdullah bin Abdul Aziz al Saud hatte die ursprüngliche Idee, ein Turnier der weltbesten Fussball-Mannschaften durchzuführen Bildrechte: IMAGO

Seine Idee: die besten der besten Mannschaften aller Kontinente unter seiner Ägide zusammenzubringen. 1992 traten dann erstmals vier amtierende Kontinentalmeister gegeneinander an - die von Afrika, Asien, Nord- und Süd-Amerika. Austragungs-Ort: die Hauptstadt der Saudis, Riad. Es siegte Argentinien.

Wenn ein Fußball-Fest global werden will, dann ist die Fifa freilich nicht weit. Bereits 1997 übernahm der Fußball-Weltverband. Er hoffte auf ein neues Spektakel, somit auf eine schöne und profitable Ergänzung seiner interkontinentalen Geldmaschine.

Auslosung der Fußball-WM in Russland
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Fußball ist Vergnügen auf der Straße, Wirtschaftsfaktor, Prestigeprojekt. Moskau-Korrespondent Markus Sambale über die Spielarten des Fußballs in Russland.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 16.06.2017 18:05Uhr 07:29 min

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Doch kaum hatte die Fifa das Turnier aufgeblasen, stieß es schon an seine Wachstums-Grenzen. Das Problem: so sehr sich Ausrichter und Fifa-Koordinatoren auch mühten, Kollisionen mit den Zeitplänen nationaler Ligen waren programmiert. Vor allem aber stand der Sinn - und somit das Prestige - des jungen Cups in Frage. Immer wieder kam es daher vor, dass startberechtige Mannschaften auf ihre Teilnahme verzichteten. 2003 ließ Vize-Europameister Italien sein Startrecht links liegen. Deutschland verzichtete im selben Turnier auf eine Wildcard (immerhin im Spiel um Platz drei).

Wenig Begeisterung

Das Stadion in St. Petersburg
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Kein großes Turnier ohne große Fußball-Bühnen. Russland-Korrespondent Markus Sambale über die vielen Facetten des neuen Petersburger Stadions.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 16.06.2017 18:05Uhr 07:05 min

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Der größte nationale Fußball-Verband weltweit, der DFB, macht inzwischen aus seiner Geringschätzung keinen Hehl: Confed-Cup? Keinen Blumentopf wert! DFB-Chef Grindel sagt es unverblümt: das Turnier gehört abgeschafft!

Bundestrainer Jogi Löw macht immer noch das Beste draus: Ein schlappes Turnier ist ihm schließlich lieber als gar kein Training. Mit 21 Spielern ist er nun nach Russland gereist, darunter viele sehr junge Talente. Die einen nennen es Talentförderung. Andere: B-Mannschaft. Die meisten Stars haben abgesagt (Verletzung, Urlaub, neues Leben), vom Weltmeister-Team 2014 sind nur drei in Russland dabei: Julian Draxler, Shkodran Mustafi und Matthias Ginter.

Und die Stars?

ein Fußball liegt auf dem Fußballfeld
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Autokraten lieben den Sturm nach vorn. Bernd Schekauski über den fußballerischen Nutzen einer Geisteshaltung.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 16.06.2017 18:05Uhr 08:44 min

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Die besten Spieler lieber schonen - nach diesem Grundsatz verfahren beileibe nicht allein die Deutschen. Auch andere Teams verzichten auf große Namen. Nicht in jedem Fall, weil die Stars nach kräftezehrender Saison nun lieber eine Auszeit nehmen. Ob etwa Europameister Portugal auf Super-Star Cristiano Ronaldo bauen darf, hängt von juristischem Sperrfeuer ab. In Spanien ist gegen den Stürmer von Real Madrid gerade Anklage erhoben worden. Ronaldo soll Steuern hinterzogen haben in Höhe von rund 15 Millionen Euro. Die portugiesische "Correio da Manhã" titelt dazu: "Cristiano Ronaldo arrisca prisão" - Ronaldo muss womöglich ins Gefängnis!

Russlands Probelauf

Sicherheitskräfte üben im Stadion den Umgang mit Randalierern.
Sicherheitskräfte üben im Stadion von St. Petersburg den Umgang mit Randalierern. Bildrechte: IMAGO

Wenige Stars, nicht viel Prestige, schaumgebremste Freude - was kann aus so einem Turnier noch werden? Für den Veranstalter Russland: immer noch eine Mini-WM, eine General-Probe zumindest für das eigentlich große Fußball-Fest, die WM im nächsten Jahr. Und für uns, die wir aus der Ferne das Turnier verfolgen: ein Lehrstück darüber, wie ein Land die Fußball-Mega-Show im nächsten Jahr mit großen Vorlauf schon mal durchspielt - wie es inszenieren, wie es beeindrucken, wie es sich selbst gewaltig feiern will. Was für große Bühnen dieses Land sich dafür schafft, aus welchem Holz die Akteure hinter den Kulissen sind, wer bei der Show verliert und wer gewinnt.

Und so ein Lehrstück ist immer wieder ausgesprochen aufschlussreich.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 16.06.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Geplante Themen:

● Fußball-Freude und Fußball-Krieg: harte Hools in Russland

Verdammt viel lässt sich Russland schon die Vorbereitungen auf die WM im nächsten Jahr kosten. Sehr viel allein die General-Probe zum großen Fußball-Fest, den Confed-Cup. Viel allerdings müssen die Ausrichter auch aufbringen dafür, dass die Freude am Fest nicht getrübt wird durch einheimische Hools. Die Schläger in russischen Stadien gelten als besonders brutal. Was ihre Szene ausmacht, hat Ronny Blasche ergründet.

● Angriff! Von der Liebe des Despoten zum aggressiven Fußball

Fußball ist ein Sport. Ja, sicher. Aber auch ein Gesellschaftsspiel. Genauer, ein Spiegel herrschender Verhältnisse in der Gesellschaft. Der Leipziger Kulturpädagoge Johannes Hanf forscht über den Einfluss von Autokraten auf das Fußballspiel. Dieser Einfluss hat oft gravierende Folgen. Aber verbesserte er auch die Erfolgsaussichten? Dazu Bernd Schekauski.

● Fußball in Russland: Zwischen Spielspaß und Prestigeprojekt

Der Confed-Cup als Vorspiel zur WM, als Möglichkeit der Image-Pflege und für Imagekampagnen. Wie verbinden sich hier politischer Ehrgeiz und Fußball? Gibt es einen Maulkorb für Journalisten? Im Gespräch ist dazu Markus Sambale, vor Ort für die ARD in St. Petersburg.

● Die große Fußball-Bühne: was ein Confed-Stadion über Russland verrät

Es wird nicht nur der Ball gekickt, auch die Peripherie muss stimmen. Wie sieht es aus mit Kosten und Verzögerungen, möglicher Bereicherung und Pfusch? Und wie ist die Haltung der Fifa zu Berichten über Mängel und Menschenrechte. Mehr dazu von Markus Sambale.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017, 20:09 Uhr