Roland Gräf, 1991
Roland Gräf (1934-2017) Bildrechte: dpa

"Der Tangospieler" DEFA-Regisseur Roland Gräf gestorben

Roland Gräf zählte zu den wichtigsten Regisseuren der DEFA. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört "Der Tangospieler" von 1990. Im Alter von 82 Jahren ist er nun gestorben. Hören Sie aus diesem Anlass ein MDR KULTUR-Gespräch über seine Arbeitsweise und seine Ansprüche, das Gräf 2009 mit Knut Elstermann führte.

Roland Gräf, 1991
Roland Gräf (1934-2017) Bildrechte: dpa

Der Regisseur und Kameramann Roland Gräf ist tot. Er starb nach Angaben der DEFA-Stiftung am 11. Mai im Alter von 82 Jahren. Gräf war zwischen 1999 und 2003 stellvertretender Vorsitzender des DEFA-Stiftungsrates.

Seine als Kameramann und Regisseur für die DEFA geschaffenen Filme werden als Teil des nationalen Kulturerbes unvergesslich bleiben.

DEFA-Stiftung

Über den Alltag in der DDR

1934 im thüringischen Meuselbach geboren, studierte Gräf 1954 bis 1959 in Potsdam an der Hochschule für Filmkunst, Fachrichtung Kamera. Ab 1960 arbeitete er als Kameramann im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wechselte aber schon im Jahr darauf in das DEFA-Studio für Spielfilme. Hier prägte er in den sechziger Jahren den von den jüngeren Regisseuren bevorzugten "dokumentarischen Stil" der DEFA-Spielfilme entscheidend mit.

Gräfs Arbeiten wie "Mein lieber Robinson", mit dem er 1971 sein Regiedebüt gab, "Bankett für Achilles" (1975), "Die Flucht" (1977) und "Märkische Forschungen" (1982) spiegelten unverstellt die DDR-Wirklichkeit und ihre Widersprüche wider. Die Filme erreichten große Aufmerksamkeit im In- und Ausland. "Bankett für Achilles" erzählt den letzten Arbeitstag des verdienten Meisters Karl Achilles (Erwin Geschonneck) und liefert ein realistisches Porträt zwischen offiziellen Lobreden und den Problemen des Alltags. Die latenten Spannungen eskalieren schließlich in der den Tag abschließenden Feier.

Mit "Die Flucht" aus dem Jahr 1977 wendete sich Gräf dem Tabuthema der Republikflucht zu. Ein politisch desinteressierter Oberarzt (Armin Mueller-Stahl) entschließt sich wegen eines zunächst abgelehnten Forschungsprojektes zur Flucht und kommt schließlich zu Tode. Die Tragödie löste Kritik, Betroffenheit und heftige Diskussionen aus.

Erfolge mit Literaturadaptionen

Zu Gräfs bekanntesten Werken gehören "Das Haus am Fluss" (1986), "Fallada - Letztes Kapitel" (1988) und "Der Tangospieler" und waren in den Wettbewerben der Filmfestspiele von Berlin zu sehen. Hochgelobt von der Kritik, adaptierte Gräf mit "Das Haus am Fluss" die von Friedrich Wolf 1942 im Exil geschriebene Erzählung "Der Russenpelz". Der Film zeigt die Auswirkungen des Faschismus im Alltag und beeindruckt durch die schauspielerischen Leistungen von Katrin Saß, Corinna Harfouch, Johanna Schall und Jutta Wachowiak. Zwar gelang Gräf damit international ein Erfolg, der Film kam jedoch beim breiten Publikum nicht an.

Schauspielerin Corinna Harfouch, Regisseur Roland Gräf, Schauspieler Michael Gwisdek und Autor Christoph Hein
Corinna Harfouch, Roland Gräf, Michael Gwisdek und Christoph Hein (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zu "Der Tangospieler" im Rahmen der 41. Internationalen Filmfestspiele in Berlin Bildrechte: dpa

Auch sein nächster Film "Fallada – letztes Kapitel" verwob wieder Literatur mit Zeitgeschichte. Der Film erzählt die letzten zehn Lebensjahre des Schriftstellers Hans Fallada. 1990 konnte Gräf endlich den in der DDR umstrittenen Roman von Christoph Hein "Der Tangospieler" verfilmen. Ein Historiker wird aus nichtigem Anlass verhaftet und verweigert sich anschließend dem gesellschaftlichen Leben. 1991 erhielt der Film in Bergamo den Preis für den besten Film.

Mit "Die Spur des Bernsteinzimmers" verabschiedete sich Gräf 1991 aus dem Filmgeschäft. Der Film war zugleich einer der letzten DEFA-Filme. In der Bundesrepublik konnte der Regisseur seine Projekte für Kinofilme nicht mehr durchsetzen.

Filmografie (Auswahl): 1971: Mein lieber Robinson
1975: Bankett für Achilles
1977: Die Flucht
1979: P.S.
1982: Märkische Forschungen
1983: Fariaho
1986: Das Haus am Fluß
1988: Fallada − Letztes Kapitel
1991: Der Tangospieler
1992: Die Spur des Bernsteinzimmers

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch: im Radio | Kulturnachrichten | 16.05.2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017, 11:05 Uhr

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