Robert Menasse
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Bildrechte: IMAGO

Bester Roman 2017 Deutscher Buchpreis für Robert Menasse

Einer der wichtigsten Preise für deutschsprachige Literatur geht in diesem Jahr an Robert Menasse. Er bekommt den Deutschen Buchpreis für den Roman "Die Hauptstadt". Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.

Robert Menasse
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Bildrechte: IMAGO

Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse bekommt in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis. Er wird für seinen Roman "Die Hauptstadt" ausgezeichnet. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend bekannt. Der Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für deutschsprachige Literatur und wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse vergeben.

Robert Menasse: Die Hauptstadt
Robert Menasse: "Die Hauptstadt", 459 Seiten, erschienen bei Suhrkamp Bildrechte: dpa/Suhrkamp, September 2017

Menasses Buch ist der wohl erste EU-Roman. Die Jury begründete am Montag die Entscheidung unter anderem damit, das Buch mache "unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können". Eindringlich zeigt der Autor, dass das Humane "immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben" sei und dass "dies auch auf die Europäische Union zutrifft". Menasse grabe "leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen", so die Jury.

Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns.

Aus der Jurybegründung

Das Raunen Richtung Robert Menasse war in den letzten Tagen immer lauter geworden. Bei der Preisverleihung schien der Autor selbst am meisten überrascht. Er hatte keine Dankesrede vorbereitet und begann stattdessen mit den Worten: "Jeder von uns hätte diesen Preis verdient."

Robert Menasse war ernstlich zu Tränen gerührt. Das hat dem ganzen abgeklärten Literaturbetrieb mal kurz ins Gedächtnis gerufen, wieviel Anspannung da im Spiel ist bei den Schriftstellern – da wird ein Preis vergeben für etwas, das einen Menschen Jahre in aller Einsamkeit am Schreibtisch beschäftigt hat, bei allem Buchmarkt und Kommerz steht da ein Künstler dessen Kunst ausgezeichnet wird.

Katrin Schumacher, MDR KULTUR-Literaturredakteurin

In seinem Buch geht Menasse schonungslos mit Europa um. Er macht sich über die Fehlfunktionen der Europäischen Kommission lustig - und er zeigt die wichtigen, bestimmenden Elemente des europäischen Zusammenlebens. So wie auch die EU anfangs undurchdringlich scheint, ist auch sein Roman anfangs diffus. Doch er klärt sich immer mehr auf.

Robert Menasse
Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, wo er auch heute noch überwiegend lebt. Bildrechte: IMAGO

Bei Menasse agieren: Ein Killer im Auftrag der katholischen Kirche, ein Schweineproduzent im Sitzungssaal, die Ärmelhalter eines Brüsseler Karrierebeamten und ein Korrekturprogramm, das die Eitlen automatisch in Eliten umwandelt. Der Wiener Autor kennt sich aus, das spürt man in dem Roman, ob er die Senfsorten im Supermarkt beschreibt oder die tödliche Explosion in der Metrostation Maelbeek. Die Jury bemerkte, sein Buch sei "ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt".

Weitere Auszeichnungen für Autoren der Shortlist

Robert Menasse setzte sich mit seiner Auszeichnung gegen die fünf Shortlist-Finalisten Gerhard Falkner, Franzobel, Thomas Lehr, Marion Poschmann, Sasha Marianna Salzmann durch. Diese gehen jedoch nicht leer aus, sie erhalten jeweils ein Preisgeld von 2.500 Euro. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Zur Jury, die den Gewinner festlegte, gehörten in diesem Jahr die Journalistin Silke Behl, Mara Delius (Leiterin "Literarische Welt"), Christian Dunker (Chefredakteur des Literaturmagazins "Geistesblüten"), Katja Gasser (Chefin der TV-Literatursendung "les.art"), Maria Gazzetti (Leiterin der Casa di Goethe in Rom), der freie Kritiker und Autor Tobias Lehmkuhl sowie Lothar Schröder (Leiter der Kulturredaktion bei der Rheinischen Post) an.

Ritterschlag der deutschsprachigen Literatur

Seit 2005 wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse auch der Deutsche Buchpreis verliehen. Geehrt wird damit der beste deutschsprachige Roman des Jahres. Die Auszeichnung gilt als eine der bedeutendsten der deutschen Literaturlandschaft. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, fünf weitere Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Bewerben können sich Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit maximal zwei Veröffentlichungen aus ihrem Sortiment.

Eine Jury wählt aus den von den Verlagen eingereichten Bewerbern erst eine Longlist mit 20 Romanen, später eine Shortlist mit sechs Finalisten aus. Diese jährlich wechselnde Jury besteht aus zwei Schriftstellern, vier Journalisten und einem Buchhändler. Vergeben wird der Preis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, es kooperieren die Deutsche Welle und der Deutschlandfunk, Partner sind zudem die Frankfurter Buchmesse, die Deutsche Bank Stiftung.

Die bisherigen Gewinner des Deutschen Buchpreises
Jahr Autor Roman
2005 Arno Geiger Es geht uns gut
2006 Katharina Hacker Die Habenichtse
2007 Julia Franck Die Mittagsfrau
2008 Uwe Tellkamp Der Turm
2009 Kathrin Schmidt Du stirbst nicht
2010 Melinda Nadj Abonji Tauben fliegen auf
2011 Eugen Ruge In Zeiten des abnehmenden Lichts
2012 Ursula Krechel Landgericht
2013 Terézia Mora Das Ungeheuer
2014 Lutz Seiler Kruso
2015 Frank Witzel Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch ...
2016 Bodo Kirchhoff Widerfahrnis
2017 Robert Menasse Die Hauptstadt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Nachrichten | 09. Oktober 2017 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 11:24 Uhr